Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Eine Reisende gehen zum Testzentrum am Münchner Flughafen. Foto: Peter Kneffel/dpa
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Jetzt gilt die Corona-Testpflicht Was Rückkehrer aus Risikogebieten wissen sollten

Nach und nach enden die Ferien. Für Heimkehrer aus vielen Staaten bedeutet das: Nicht nur Koffer auspacken, sondern auch einen Test machen. Ein Überblick.

Im Kampf gegen das Coronavirus gilt ab Samstag eine Testpflicht für alle Urlauber, die aus Ländern mit vielen Infizierten zurückkommen. Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Dies ist bis zu drei Tage nach der Einreise kostenlos möglich, wie eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festlegt. Die Tests sollen direkt an Flughäfen zu machen sein oder später in anderen Testzentren und Praxen. Freiwillig können sich schon seit vergangenem Samstag alle Urlauber kostenlos testen lassen.

Für Heimkehrer aus Risikogebieten gibt es jetzt nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legen einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder sie lassen sich nach der Rückkehr in Deutschland testen, was bis zu drei Tage kostenlos möglich ist.

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Am Samstag hat sich den dritten Tag in Folge sich die Zahl der mit dem Coronavirus neu infizierten Personen in Deutschland um über 1000 erhöht. Das Robert-Koch-Institut meldete 1122 neue Fälle, womit es insgesamt 215.336 sind.

Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus erhöhte sich um zwölf auf 9195. Am Donnerstag waren mit 1045 erstmals seit Mai mehr als 1000 Neuansteckungen am Tag verzeichnet worden. Am Freitag hatte das RKI 1147 Fälle gemeldet. Die meisten Neuinfizierten gab es der RKI-Statistik zufolge in Nordrhein-Westfalen mit 444, gefolgt von Hessen mit 158.

Ein Überblick über die Bestimmungen:

  • DIE RISIKOGEBIETE: Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Sie umfasst etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA. Aus der EU sind aktuell Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen und die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra dabei.
    Zentrales Kriterium ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Diese Einstufung als Risikogebiet ist nicht gleichbedeutend mit Reisewarnungen, die das Auswärtige Amt für Länder ausspricht.
  • DIE RÜCKKEHR: Schon seit einigen Wochen gilt generell, dass sich alle Rückkehrer aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen. Kommen sie per Flugzeug, Schiff, Zug oder Bus direkt aus einem Risikogebiet, sind an Bord „Aussteigekarten“ mit diesen Angaben auszufüllen, die dann eingesammelt werden. Hat man kein negatives Testergebnis, wird das zuständige Gesundheitsamt informiert. Bei Rückkehrern per Auto sollen in Grenznähe Stichproben-Kontrollen gemacht werden können.

    Generell gilt für Urlauber aus Risikogebieten zudem, sich direkt nach der Ankunft für 14 Tage in Quarantäne nach Hause zu begeben – es sei denn, man hat ein negatives Testergebnis. Testen lassen müssen sich grundsätzlich auch Kinder. Die Testpflicht greift nicht, wenn man ohne Zwischenstopp nur durch ein Risikogebiet gereist ist.

  • DIE TESTS: Wenn möglich, sollten sich Rückkehrer ohne Test gleich an Flughäfen, Bahnhöfen und Häfen testen lassen – oder später in anderen Testzentren und Praxen ihres Ortes. Teststellen soll man auch unter der ärztlichen Servicetelefonnummer 116 117 erfragen können. Den Test muss man nach Aufforderung des Gesundheitsamts binnen 14 Tagen nach Einreise machen – und in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist. In der Regel dauert es laut Gesundheitsministerium 24 bis 48 Stunden.

    Ein positives Ergebnis meldet das Labor direkt an das Gesundheitsamt, und man muss für bis zu 14 Tage in Quarantäne. Ein negatives Ergebnis heißt in den meisten Bundesländern, dass keine häusliche Quarantäne mehr nötig ist, wie das Ministerium erläutert. Die Test-Bescheinigung müssen Reisende selbst ans Gesundheitsamt schicken.

  • MÖGLICHE STRAFEN: Falls Einreisende aus Risikogebieten auf Aufforderung keinen Test dulden, drohen Bußgelder bis zu 25 000 Euro – die Höhe soll aber verhältnismäßig festgelegt werden. Zwangstests sind nicht geplant, betonte das Ministerium.
  • KOSTEN UND KAPAZITÄTEN: Alle Tests bei der Rückkehr nach Deutschland kosten Reisende bis zu 72 Stunden nach der Einreise nichts – egal, aus welchem Land man kommt. Um glaubhaft zu machen, dass man im Ausland war, kann man etwa einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise vorlegen. Finanziert werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen, auch für Privatpatienten. Der Bund übernimmt die Kosten dann aber über einen schon besiegelten höheren Milliardenzuschuss an die Kassen.
    Dabei sind pro Test vorerst 50,50 Euro für Laborleistungen angesetzt, dazu kommen 15 Euro Vergütung für den Arzt. Kapazitäten für weitere Tests sind da, wie das Ministerium deutlich macht: Möglich seien inzwischen bis zu 1,2 Millionen Tests pro Woche, seit längerem werde aber nur knapp die Hälfte davon ausgeschöpft. In Urlaubsländern sind Kosten für Tests, die Reisende selbst zahlen müssen, unterschiedlich hoch. In der Türkei werden beispielsweise 15 bis 30 Euro fällig.

Die Ärzteverband Marburger Bund begrüßte die neue Pflicht. Es sei "richtig und berechtigt", Rückkehrer aus Risikogebieten konsequent zu testen, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. An ersten Ergebnissen sei zu sehen, dass bei ihnen die Rate positiver Tests höher sei als bei den Tests im Inland. "Die Testpflicht könnte dies sogar noch deutlicher zutage fördern - denn es liegt nahe, dass Menschen mit einer Tendenz zu Risikoverhalten im Urlaub auch eher an freiwilligen Teststationen vorbeigehen."

Johna sagte, für Rückkehrer aus Risikogebieten könnte es sinnvoll sein, auch bei einem ersten negativen Test eine kurze Quarantäne von einigen Tagen und dann einen zweiten Test anzuschließen. "Das bringt mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit." Denn ein Test sei eine Momentaufnahme und decke die letzten drei bis fünf Tage zuvor nicht ab.

Kritik kommt dagegen vom Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Die Testpflicht sei "Aktionismus", sagte Weigeldt der "Welt". Die Risikogebiete seien „viel zu pauschal“ eingeteilt worden und viele Hausärzte seien nicht für einen riesigen "Ansturm von Testwilligen" ausgestattet. Zudem sei es "absurd", dass Reiserückkehrer dem Arzt glaubhaft machen müssten, tatsächlich im Ausland gewesen zu sein – etwa durch einen Boarding-Pass oder eine Hotelrechnung. "Wir sind Ärzte, die dafür da sind, Menschen zu behandeln und nicht die Außenstelle des Bundesgesundheitsministeriums", sagte der Verbandsvorsitzende.

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Auch in der CDU regt sich Kritik. "Der Aufwand für selbst gewählte Risiken kann nicht ständig auf die Gesellschaft abgewälzt werden", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff dem "Spiegel". Vorübergehend sei die Regelung richtig, "um die sofortige Inanspruchnahme durch die Reisenden zu sichern." Für eine dauerhafte Lösung müsse aber über Alternativen nachgedacht werden, "zum Beispiel, ob die Kosten für die Tests auf die entsprechenden Flugtickets umgelegt werden".

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Noch deutlicher als Haseloff wurde der designierte Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß. "Es ist nicht akzeptabel, dass die Kosten für die Tests allen Deutschen gleichermaßen aufgedrückt werden", sagte Ploß dem "Spiegel". Auch er begrüßte die Testpflicht, forderte aber: "Wer einen Test benötigt, sollte auch für ihn bezahlen."

Kritik gab es es auch an der Forderung des CDU-Wirtschaftsrats, Reisen in Risikogebiete grundsätzlich zu verbieten. "Ich halte pauschale Reiseverbote für einen zu großen Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte der Bürger. Das gleiche Ziel erreichen wir auch durch eine strikte Testpflicht und konsequente Quarantäneregeln", sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), Carsten Linnemann, dem "Spiegel". Für die Akzeptanz in der Bevölkerung sei es "auch weiterhin sehr wichtig, dass wir gut abwägen zwischen Infektionsschutz auf der einen Seite und der individuellen Freiheit auf der anderen Seite", sagte der Unionsfraktionsvize. (dpa, AFP)

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