Razzia wegen Verdacht auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung (Symbolbild) Foto: dpa/Peter Steffen
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Exklusiv Jahresbericht der Financial Intelligence Unit Verdachtsfälle wegen Geldwäsche erreichen Rekordstand

Die FIU hat 2019 exakt 114.914 Verdachtsmeldungen wegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung bekommen – meist von Banken. Aber auch Makler und Notare melden öfter.

Deutsche Banken, Finanzinstitute, aber auch Notare oder Immobilienmakler melden immer mehr Verdachtsfälle von Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Das geht aus dem neuen Jahresbericht für 2019 des Financial Intelligence Unit (FIU) hervor, der an diesem Dienstag veröffentlicht wird und dem Tagesspiegel vorab vorlag. Nach der Aufstellung der zum Zollkriminalamt gehörenden Behörde liefen im vorigen Jahr insgesamt 114.914 Meldungen ein mit insgesamt 355.000 verdächtigen Transaktionen.

[Lesen Sie hier, welche Rolle die Financial Intelligence Unit im Kampf gegen Geldwäsche spielt – und warum sie so umstritten ist.]

Von den Meldungen entfielen 98 Prozent auf den Finanzsektor, vor allem Banken und Finanzdienstleister. Allerdings erhöhte sich die Zahl der Meldungen aus dem „Nichtfinanzsektor“, der mittlerweile stärker unter Beobachtung genommen wird, von knapp 600 auf mehr als 1500.

Darunter fallen neben Notaren, Maklern und Anwälten auch die Veranstalter von Glücksspielen. Laut FIU registrieren sich immer mehr Geschäftstreibende in diesen Sektoren bei der Behörde als sogenannte Verpflichtete.

"2020 noch deutlich mehr"

Der Chef der Einheit, Christof Schulte, sagte dem Tagesspiegel: „Wir werden 2020 noch deutlich mehr Meldungen haben als im vorigen Jahr.“ Die FIU strebe an, angesichts der wachsenden Herausforderungen und Registrierungspflichten vom Bundestag noch zusätzliche Stellen genehmigt zu bekommen.

Gut ein Drittel der Verdachtsfälle, die 2019 zusammenkamen, waren rein innerdeutsche Vorgänge. Viele verdächtige Transaktionen mit Auslandsbezug betrafen Frankreich – häufig im Zusammenhang mit der Eröffnung von Konten bei deutschen Internetbanken in betrügerischer Absicht. Zu den Ländern mit mehr als tausend verdächtigen Transaktionen gehörten die Niederlande, die Schweiz, die Türkei, Russland, China, die USA, Italien und Großbritannien.

Die FIU ist für das Sammeln und Sichten der Verdachtsmeldungen zentral zuständig und untersteht Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Nach einer Bewertung durch die Einheit werden Meldungen an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Zuletzt wurde die FIU auch im Wirecard-Skandal zum Thema.

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