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Manchmal prallen westliche liberale Werte und fundamentalistisch-muslimische Werte im Klassenraum aufeinander. Foto: IMAGO
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Islamismus bei Schülern Lehrer können nicht richten, was die Gesellschaft ignoriert

Die Toleranz gegenüber radikal-muslimischen Parallelwelten muss enden. Es braucht mehr Angebote für Kinder außerhalb der Moschee. Ein Kommentar.

Was läuft schief, wenn muslimische Schüler in Berliner Schulen grenzenlosen Judenhass verbreiten, wenn sie einen religiös motivierten Mord begrüßen oder tolerieren, wenn sie Frauen als Menschen zweiter Klasse betrachten?

Viele Lehrer erzählen mittlerweile von ihren problematischen Erfahrungen mit muslimischen Schülern, oft verbunden mit dem Satz, endlich rede man öffentlich darüber. Es war, als hätte die Spandauer Schulleiterin, die kürzlich die Bedrohung einer Lehrerin durch einen muslimischen Schüler öffentlich gemacht hatte, ein Ventil geöffnet.

Damit ist man schon beim ersten Problem. Solch´ erschreckenden Äußerungen sind seit Jahren Thema an Schulen, nur traute sich kaum jemand, sie öffentlich anzusprechen. Zu groß war und ist die Angst, in die rechte oder die rassistische Ecke gestellt zu werden.

Es geht natürlich nur um einen Teil der muslimischen Schüler, aber die sind oft so einschüchternd laut, dass sich Mitschüler mit anderen Meinungen lieber zurückhalten. So spürt eine Minderheit eine vermeintliche Bedeutung, die sie eigentlich nicht hat. Aber diese Minderheit wird stetig größer, je länger man die Probleme bagatellisiert.

Präventionsprojekte zeigen zu wenig Wirkung

Pädagogen haben Recht, wenn sie sagen, dass diese Probleme nur partiell in der Schule zu beheben sind. Es gibt viele Präventionsprojekte, nur zeigen sie offenbar zu wenig Wirkung. Denn es geht längst auch um ein gesellschaftliches Problem. Jungen und Mädchen orientieren sich an ihren Eltern, an ihrem sozialen Umfeld. Wenn aber ein muslimischer Vater einer Lehrerin keine Hand gibt, wenn er zu Hause Juden verdammt, wenn er Homosexualität als Sünde betrachtet, dann darf man sich nicht über frauenverachtende Sprüche seiner Kinder wundern.

Und wenn diese Kinder in fundamentalistisch orientierten Moscheen oder Koranschulen überkommene Moralvorstellungen lernen, dann ist klar, dass Mädchen nicht auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden.

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Die Debatte muss genauso stark auf Erwachsene zielen wie auf Kinder und Jugendliche, denn es geht um die Frage, wie man ihnen Werte wie Toleranz, Demokratie, Gleichberechtigung nahe bringt, ohne ihre religiösen Gefühle und Vorstellungen komplett zu verurteilen. Fundamentalistisch denkende Muslime konnten viele Jahre ungestört in ihrer Parallelgesellschaft leben, in der Zwangsheirat, Homophobie und Frauenverachtung gängige Werte sind.

Hinzu kommen einige Flüchtlinge, die quasi über Nacht aus einer Kultur mit teilweise archaischen Gesetzen in eine Welt mit westlichen Werten geworfen wurden. Niemand kann erwarten, dass sie sich genauso schnell diesen Werten anpassen. Aber wer deren bisherigen Werte zu lange toleriert, schafft sich Probleme, die nur noch mühsam zu beheben sind.

Mehr Freizeitangebote außerhalb der Moschee für Kinder und Eltern

Zur Lösung gehört auch, den Einfluss fundamentalistischer Moscheen zu reduzieren. Noch immer lehren extrem konservative Imame aus dem Ausland, vor allem der Türkei, in  deutschen Moscheen. Noch hat in Deutschland die religiöse Organisation Ditib, die der staatlichen türkischen Religionsbehörde untersteht, einen viel zu hohen Stellenwert. Viel zu lange hat es gedauert, bis Deutschland Imame ausbildet.

Erwachsene aus ihrem Weltbild zu holen, ist schwierig. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Chance größer. Aber dazu müssen diesen Kindern und ihren Eltern  Freizeit-Alternativen zum Familienzentrum der Moschee und der Koranschule angeboten werden. Viele werden diese Angebote trotzdem nicht annehmen, die Koranschule ist wichtiger. Aber oft genug gibt es diese alternativen Angebote erst gar nicht.

Veränderungen sind mühsam, aber sie sind nötig. Wegschauen ist keine Lösung. Die Muslima Seyran Ates spürt das seit Jahren am eigenen Leib. 2017 gründete sie in Berlin die liberale Ibn-Rushd-Moschee, hier sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Ates erhält deshalb Morddrohungen von radikalen Muslimen. Während große Teile der deutschen Gesellschaft den Parallelwelten radikaler Muslime große Toleranz entgegenbringen, kann Ates nicht auf Toleranz ihrer religiösen Widersacher zählen. Stattdessen hat sie Polizeischutz.

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