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Israels Luftwaffe soll Einsätze gegen Irans Atomanlagen trainieren. Foto: Jack Guez/AFP
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Irans Atomprogramm Israel wappnet sich für den Ernstfall

Viel Geld, moderne Waffen, militärisches Training: Israel rüstet sich für einen möglichen Angriff auf Irans Atomanlagen.

Wenn es um Irans atomare Aufrüstung geht, ist in der Sprache der Diplomatie gerne davon die Rede, „alle Optionen“ seien auf dem Tisch. Das soll im Klartext heißen: Scheitert eine Verhandlungslösung, behalte man sich vor, auch zu militärischen Mitteln zu greifen. Oft sind das Drohgebärden, um den Gegenüber in Zugzwang zu bringen.

Israel allerdings sieht sich durch Teherans nukleare Ambitionen existenziell bedroht und bereitet sich nun offenbar ganz gezielt auf einen möglichen Ernstfall vor – mit Geld und besonderer Militärtechnologie.

Israels Luftwaffe werde das Training für Schläge gegen iranische Atomanlagen wieder aufnehmen, berichten jetzt Medien wie der TV-Sender Channel 12. Generalstabschef Aviv Kohavi soll den Streitkräften demnach befohlen haben, Angriffe „intensiv“ zu simulieren, also zu üben.

Bestätigt wurde das bislang nicht. Aber es passt zu einer anderen Meldung. Das Parlament hat zusätzlich fünf Milliarden Schekel (umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar) für den Verteidigungshaushalt bewilligt.

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Dafür hatte sich Benny Gantz persönlich in einer Sitzung des zuständigen Knesset-Ausschusses stark gemacht. Der Verteidigungsminister – er war vor seinem Einstieg in die Politik jahrelang selbst Armeechef – betonte vor den Abgeordneten, Israel müsse sich für einen Konflikt mit dem Iran wappnen. Das Geld soll offenbar unter anderem für Spionageeinsätze, die Aufrüstung von Flugzeugen und Waffen verwendet werden.

Mit bunkerbrechenden Bomben

Vor allem geht es wohl um hochmoderne bunkerbrechende Bomben amerikanischer Bauart, die selbst in großer Tiefe verborgene Ziele zerstören können. Experten vermuten, dass der Iran einige seiner Atomanlagen und wichtige nukleare Forschungseinrichtungen vor der Staatengemeinschaft und der Atomenergiebehörde versteckt, auch wenn Teheran das immer wieder leugnet.

Vielmehr betont die Führung der Islamischen Republik immer wieder, Atomkraft nur für friedliche Zwecke nutzen zu wollen.

Allerdings gibt es an dieser Darstellung erhebliche Zweifel. Iran selbst brüstete sich jüngst damit, 120 Kilogramm auf 20 Prozent angereichertes Uran zu besitzen.

Irans Präsident Raisi (l.) beim Besuch der Atomanlage Buschehr. Foto: Iranian Presidency/AFP Vergrößern
Irans Präsident Raisi (l.) beim Besuch der Atomanlage Buschehr. © Iranian Presidency/AFP

Nach Angaben der Atomenergiebehörde als Aufsichtsbehörde sind Teherans Vorbereitungen zur Anreicherung auf 60 Prozent fast abgeschlossen. Für eine Nuklearwaffe werden zwar 90 Prozent benötigt, der Schritt dorthin gilt allerdings technisch als relativ einfach. Israel sieht das ähnlich und warnt: Der Iran sei näher als je zuvor daran, spaltbares Material für Kernwaffen zu erzeugen.

Schon lange schenken die Verantwortlichen in Jerusalem den beschwichtigenden Worten der Mullahs in Teheran keinen Glauben. Israel ist sich sicher, dass der Iran geschickt auf Zeit spielt und die Weltgemeinschaft über die wahren Absichten des Atomprogramms täuscht.

Amerika setzt auf eine Verhandlungslösung - noch

Fest steht: Die Verhandlungen über ein neues Nuklearabkommen sind seit Monaten unterbrochen. Den ursprünglichen Deal aus dem Jahr 2015 hatte US-Präsident Donald Trump aufgekündigt, danach fühlte sich der Iran an die darin festgelegten Auflagen nicht mehr gebunden.

US-Außenminister Blinken warnt Teheran: Alle Optionen sind auf dem Tisch. Foto: Jonathan Ernst/AFP Vergrößern
US-Außenminister Blinken warnt Teheran: Alle Optionen sind auf dem Tisch. © Jonathan Ernst/AFP

Joe Biden setzt anders als sein Vorgänger nicht auf „maximalen Druck“, sondern auf die Diplomatie und will so eine neue Übereinkunft mit Teheran erzielen. Nur wachsen in Washington Tag für Tag die Zweifel, ob der Iran daran Interesse hat. Zu lange und schon zu oft sind Amerikaner und Europäer vertröstet worden. Bis heute ist der Verhandlungstisch in Wien verwaist.

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Die Geduld der USA scheint sich dem Ende zu neigen. Erst vor wenigen Tagen erklärte Außenminister Antony Blinken, eine diplomatische Lösung sei der beste Weg, um den Iran vom Bau einer Atomwaffe abzuhalten. Aber er sagte auch, es würde alle Optionen in Betracht gezogen. Das dürfte Israel Premier Naftali Bennett ähnlich sehen. Bei der UN-Vollversammlung vor einem Monat betonte er: „Worte halten Zentrifugen nicht auf.“

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