Die Corona-Fallzahlen in den USA steigen weiter an. Über eine etwaige Maskenpflicht entscheiden die Bundesstaaten selbst. Foto: dpa
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Interview mit dem Gouverneur von Arkansas „Als Republikaner ist es nicht mein erster Impuls, Masken vorzuschreiben“

Auch in Arkansas steigt die Zahl der Corona-Infizierten stark an. Gouverneur Asa Hutchinson über den Umgang mit der Krise, Masken und den Streit um Südstaaten-Statuen.

Asa Hutchinson (69) ist Republikaner und seit 2015 Gouverneur von Arkansas. In dem US-Bundesstaat leben rund drei Millionen Menschen. Die Zahl der Corona-Infizierten ist in den vergangenen Wochen stark angestiegen, im Schnitt infizierten sich in den letzten sieben Tagen mehr als 550 Menschen pro Tag. Stand Freitag haben sich nach Zahlen der „New York Times“ mehr als 26.0000 Einwohner von Arkansas mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 300 sind an den Folgen gestorben.

Gouverneur Hutchinson, Bürger aus Arkansas müssen derzeit in eine 14-tägige Quarantäne, wenn sie aus New York, New Jersey oder Connecticut zurückkehren. Wie schlimm ist die Corona-Krise in Ihrem Staat?

Wir sehen einen Anstieg der Infektionszahlen, der uns beunruhigt. Aber in Arkansas haben wir auch eine der niedrigsten Todesraten im Land. Unsere Krankenhauskapazitäten reichen aus, um mit der derzeitigen Belastung umzugehen. Auch tun wir alles, um den Anstieg abzuflachen, hoffentlich erfolgreich.

Würden Sie auch einen kompletten Shutdown in Erwägung ziehen, wenn die Lage schlimmer wird?

Theoretisch ja, wenn es richtig schlimm wird, liegen alle Maßnahmen auf dem Tisch. Aber das ist derzeit keine Frage. Wir haben ausreichend Krankenhauskapazitäten: für unsere Covid-19-Patienten genauso wie für freiwillige Operationen und andere medizinische Maßnahmen. Als erstes würde man die Zahl der nicht notwendigen Operationen verschieben.

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Sie haben die Wirtschaft weniger heruntergefahren als andere Staaten. War das die richtige Entscheidung?

Ja, wir haben einen zielgerichteten Ansatz verfolgt: Identifiziert wurden jene Unternehmen und Industrien, die das größte Risiko darstellen. Diese haben dann Auflagen erhalten. Wenn es nun einen Ausbruch in Restaurants oder Friseursalons geben würde, würden wir gezielt einschreiten. Das ist aber nicht der Fall, also bleiben sie offen.

Asa Hutchinson, Gouverneur von Arkansas. Foto: Office of Public Affairs from Washington DC Vergrößern
Asa Hutchinson, Gouverneur von Arkansas. © Office of Public Affairs from Washington DC

Was ist mit Schulen? In den USA wird rauf- und runterdiskutiert, ob sie nach der Sommerpause wieder aufmachen sollen. Trump besteht darauf.

Wir haben schon lange vor der Aufforderung des Präsidenten unsere Schulen umgestellt: auf einen Teil Präsenz- und einen Teil Online-Unterricht. So wollen wir auch weitermachen. Es sei denn, die Lage würde sich dramatisch verschärfen. Es schadet den Schülern immens, wenn die Schulen geschlossen sind. Einer der sichersten Orte für ein Kind ist die Schule. Also wollen wir die Schulen wieder aufmachen, natürlich unter Berücksichtigung von Schutzmaßnahmen.

Eine Schutzmaßnahme ist das Tragen einer Maske. Dennoch ist dies in den USA ein politisch hoch umstrittenes Thema. Wie erklären Sie sich das?

Das ist interessant. Aus meinen Gesprächen mit Europäern habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie es eigentlich ganz ähnlich handhaben: In öffentlichen Verkehrsmitteln etwa wird es vorgeschrieben, andernorts wird es sehr empfohlen. Ungefähr so ist es auch bei uns. Darüber hinaus habe ich es bestimmten Städten ermöglicht, eine Maskenpflicht zu verhängen. Und ich selber verhalte mich da vorbildlich und trage in der Öffentlichkeit einen Mundschutz.

Aber warum sind Demokraten eher dafür und Republikaner eher dagegen?

Demokraten sind in der Regel meist für mehr Regierungshandeln, während Republikaner eher zurückhaltend darin sind, die Macht einer Regierung anzuwenden. Wir sollten vermeiden, dies als parteipolitischen Streit darzustellen. Aber es ist wohl so: Als Republikaner wäre es nicht mein erster Impuls, so etwas vorzuschreiben. Wir wollen die Menschen informieren und in die Lage versetzen, selbst die richtige Entscheidung zu treffen. Sie zu zwingen, sollte das letzte Mittel der Politik sein.

Trump scheint genug von den ständig steigenden Infektionszahlen zu haben und konzentriert sich lieber auf die Wiederöffnung der Wirtschaft. Ist das richtig?

Er vertraut seinem Vizepräsidenten Mike Pence, dass er die Corona-Task-Force erfolgreich leitet. So kann er sich selbst auf die Wirtschaft und andere Themen fokussieren. Das ist auch dringend notwendig, denn der Schaden für die Menschen ist enorm, wenn sie keinen Job haben.

Dass fast überall im Land die Infektionszahlen steigen sorgt Sie nicht?

Doch, das ist sehr beunruhigend. Die Experten haben einen steilen Anstieg vorhergesagt, auf den eine Abnahme folgen sollte. Aber der Virus verhält sich anders, eher wie Nebel, der nach und nach über das Land rollt: Am Anfang hat es die Ost- und Westküste getroffen, dann hat es sich nach und nach über die gesamten Vereinigten Staaten ausgebreitet. Bis wir einen Impfstoff haben, wird das wohl so bleiben.

Unter US-Präsident Donald Trump ist das Tragen einer Maske zu einem politischen Unterscheidungsmerkmal geworden. Foto: Tyler Tomasello/ZUMA Wire/dpa Vergrößern
Unter US-Präsident Donald Trump ist das Tragen einer Maske zu einem politischen Unterscheidungsmerkmal geworden. © Tyler Tomasello/ZUMA Wire/dpa

Deutschland verwendet eine Contact-Tracing-App. Kommt so etwas für Sie auch in Betracht?

Wir haben uns das angeschaut. Aber dabei kommt es darauf an, dass möglichst viele mitmachen. In Arkansas wäre das eher schwierig. Wir setzen darauf, dass die Menschen Auskunft geben, mit wem sie Kontakt hatten. Das klappt eigentlich ganz gut, aber vor allem ist es akzeptiert.

Die USA debattieren derzeit über Rassismus und den Umgang mit den öffentlichen Symbolen, die an die Bürgerkriegszeit, also an die sklavenhaltenden Südstaaten erinnern. Arkansas gehörte ja auch zu den Südstaaten. Wie ist die Lage bei Ihnen?

Natürlich wird auch in Arkansas darüber diskutiert. Auch bei uns gibt es Proteste und Debatten über Konföderierten-Denkmäler. Wir haben bereits einige entfernt, nachdem das auf lokaler Ebene entschieden wurde. Aber es blieb bisher immer friedlich, ich hoffe, das bleibt auch so.

Sie glauben, es ist besser, das vor Ort zu entscheiden, als es zentral zu regeln?

Es kommt darauf an. Normalerweise liegt die Zuständigkeit für solche Denkmäler auf der lokalen Ebene. Wichtig ist mir, dass wir das im Rahmen eines politischen Prozesses bewusst entscheiden, anstatt diese einfach nur zu zerstören. Zwei Beispiele: In der National Statuary Hall im Kapitol von Washington, wo jeder Bundesstaat zwei Statuen aufstellen darf, werden wir eine Skulptur austauschen. Künftig soll da die Bürgerrechtsikone Daisy Bates Arkansas repräsentieren – anstelle des Anwalts Uriah Rose, der die Konföderation verteidigte. Das haben wir bereits vor Beginn der jüngsten Demonstrationen entschieden. Außerdem unterstütze ich eine gesetzgeberische Initiative, die auf ein Gesetz gegen Hassverbrechen abzielt. Das, finde ich, ist ein besserer Weg, um dieser Problematik gerecht zu werden.

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