Integrationskurs in Mainz Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
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Integration in Deutschland Flüchtlinge tun sich mit manchen kulturellen Unterschieden schwer

Familie, Sexualität, Gleichberechtigung: Migranten sehen deutliche Abweichungen zwischen alter und neuer Heimat, ergibt eine Umfrage.

Viele Flüchtlinge in Deutschland sehen erhebliche kulturelle Unterschiede zwischen ihrer alten und ihrer neuen Heimat. Mit manchen dieser Unterschiede könnten einige Migranten nur schwer umgehen, berichtete der unabhängige Sachverständigenrat Migration nach einer Umfrage unter Flüchtlingen.

So sahen die Befragten etwa in der Frage der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen große Unterschiede. 89 Prozent gaben an, dies sei den Menschen in Deutschland wichtig. 30 Prozent der Befragten sagten, dass auch in ihren Heimatländern die Rechte Homosexueller wichtig seien. 40 Prozent der befragten Flüchtlinge gaben an, es falle ihnen schwer oder sehr schwer, sich auf diese Unterschiede einzustellen.

Große Unterschiede sahen die Befragten auch bei der Bedeutung der Familie und im Umgang mit älteren Menschen. Zwei Drittel meinten, dass die Menschen in Deutschland sich eher um sich kümmerten als um die Familie. Knapp 40 Prozent gaben an, der Umgang damit falle ihnen schwer oder sehr schwer.

Dagegen gab es andere kulturelle Unterschiede, mit denen die Befragten laut der Umfrage sehr wohl umgehen können. 85 Prozent der Befragten gaben etwa an, dass es den Menschen in Deutschland "sehr wichtig" sei, dass Frauen und Männer in Deutschland gleiche Rechte und Pflichten hätten. In ihren Herkunftsländern sei das nur 49 Prozent wichtig. Die überwiegende Mehrheit der Befragten sagten aber, es falle ihnen leicht, mit diesen Unterschieden umzugehen.

Ähnliches gilt für den Bereich Rechtsstaatlichkeit. 80 Prozent der Befragten meinten, den Menschen in Deutschland sei es "sehr wichtig", dass das Gesetz alle Menschen gleich behandelt. In ihren Herkunftsländern seien es nur 57 Prozent. Auch dies war für die meisten Befragten nicht problematisch.

Sachverständigenrat empfiehlt Begegnungsprojekte

Der Sachverständigenrat weist in der Studie darauf hin, dass das Thema Werte und Normen eine große Rolle in der politischen Debatte um Integration spiele und auch in den Integrationskursen für Migranten thematisiert werde. Es sollte aber "nicht überschätzt" werden, inwieweit Flüchtlinge durch solche Kurse wirklich beeinflusst werden könnten.

Wichtig für die kulturelle Integration seien vor allem "Begegnungsprojekte und weitere Wege informeller Vermittlung", empfehlen die Sachverständigen. "Inhaltlich sollten Integrationsmaßnahmen noch stärker auf Aspekte der sexuellen Orientierung eingehen - besonders auf Homosexualität – und auf die emotionale Rolle der Familie."

Für die Erhebung ließ der Sachverständigenrat insgesamt 369 Flüchtlinge intensiv befragen. Die Stichprobe sei nicht repräsentativ für alle Flüchtlinge in Deutschland, allerdings bilde sie die wichtigsten Herkunftsländer ab und sei groß genug für "verlässliche Auswertungen".

Dem SVR, der auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der Volkswagen-Stiftung zurückgeht, gehören insgesamt sieben Stiftungen an. Er ist ein unabhängiges und interdisziplinär besetztes Expertengremium, das zu integrations- und migrationspolitischen Themen Stellung bezieht und handlungsorientierte Politikberatung anbietet. (AFP)

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