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In eigener Sache: Die Tagesspiegel-Redaktion gibt sich Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache Foto: www.imago-images.de
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In eigener Sache Die Tagesspiegel-Redaktion gibt sich Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache

Mathias Müller von Blumencron

Wie umgehen mit geschlechtergerechter Sprache? Die Redaktion hat diskutiert und entschieden. Hier können Sie unsere Leitlinien nachlesen.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Leser:innen, liebe Lesende, liebe Leser*innen,

vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Seit einigen Tagen experimentieren Autorinnen und Autoren des Tagesspiegel verstärkt mit neuen Formen des Plurals. Die Redaktion hat sich Leitlinien für den Umgang mit geschlechtergerechter Sprache gegeben. Damit stellen wir es unseren Autor:innen für die meisten Texte frei, solche Formen zu nutzen. Uns leiten dabei aber natürlich auch Ihre Bedürfnisse: Texte sollen weiterhin gut und schnell lesbar bleiben. Das wird für uns in der nächsten Zeit die Herausforderung sein: Sowohl fair und inklusiv als auch undogmatisch und verständlich zu schreiben.

Warum wir diesen Schritt gehen und welche Regeln uns dabei geben, können Sie unten in unseren "Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache" nachlesen.

Wie würden Sie gern angesprochen werden? Was halten Sie von diesem Schritt? Schreiben Sie uns gern an leserbriefe@tagesspiegel.de oder unten in der Kommentarspalte.

Leitlinien für geschlechtergerechte Sprache im Tagesspiegel

Für uns als Journalistinnen und Journalisten ist Sprache ein wichtiges Werkzeug. Unsere Sprache sollte so genau und so leicht verständlich wie möglich sein, sie sollte zeitgemäß, inklusiv, fair und undogmatisch sein. Dazu gehört für uns auch, dass unsere Sprache alle anspricht und zum Ausdruck kommt, dass alle gemeint sind, unabhängig von ihrem Geschlecht.

Sprache bildet die Welt ab, gestaltet sie aber auch

Sprache bildet die Welt ab, gestaltet sie aber auch. Dessen sind wir uns bewusst, wenn wir schreiben. Viele Menschen fühlen sich heute durch das generische Maskulinum nicht mehr gemeint. Studien zeigen außerdem, dass tatsächlich eher an Gruppen von Männern gedacht wird, wenn das generische Maskulinum verwendet wird – ob das beabsichtigt ist oder nicht. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist daher das generische Maskulinum durch viele alternative Sprachformen ergänzt worden.

So fair wie möglich und so klar wie nötig und nach Sprachgefühl

Der Tagesspiegel strebt an, ebenso fair wie klar zu formulieren und unterstützt ausdrücklich einen bewussten, kreativen und sensiblen Umgang mit geschlechtergerechter Sprache. Wir möchten uns dabei nicht auf eine Form festlegen, sondern experimentieren. Jede Autorin hat ihr eigenes Sprachgefühl – daher möchten wir die Verwendung verschiedener Formen freistellen. Dazu gehört weiter auch das Verwenden des generischen Maskulinums.

Wir orientieren uns dabei an dem Grundsatz: So fair wie möglich und so klar wie möglich. Wir orientieren uns an unserem eigenen Sprachgefühl als Schreibende, aber auch an den Bedürfnissen unserer Leserschaft. Teile unserer Leser:innen fordern geschlechtergerechte Sprache ein. Andere empfinden manche Formen der geschlechtergerechten Sprache als irritierend. Unter den Kurzformen scheint der Doppelpunkt (Leser:innen) am ehesten beide Kriterien – fair und klar – zu erfüllen.

Das generische Maskulinum wird weiter verwendet

Weil außerdem die schnelle Lesbarkeit für uns als Online-Medium und Tageszeitung wichtig ist, nutzen wir das generische Maskulinum weiterhin in „schnellen“ Texten und Textteilen wie Nachrichten, Blogposts, Teasern oder Überschriften, ansonsten können in solchen Texten geschlechtsneutrale Formen (Studierende statt Studenten, Wahlleute statt Wahlmänner, Fachleute statt Experten) das generische Maskulinum ersetzen.

"Schnelle" Textformen werden ausgenommen

Als Redigierende sind wir ebenso sensibel und lassen den Autorinnen und Autoren so viel Freiheit wie möglich, ihre eigene Sprache zu finden. Es steht dem Redigierenden aber frei, zugunsten der Lesbarkeit einzelne Formen zu ändern. Besonders in Gastbeiträgen, Kommentaren, Essays und anderen Meinungsstücken drückt Sprache eine individuelle Haltung aus, das respektieren wir.

Sprache entwickelt sich ständig weiter

Sprache ist lebendig, sie entwickelt sich ständig weiter. Deshalb können auch diese Leitlinien sicher nicht ewig leitend sein. Wir wollen experimentieren und über unser Experiment diskutieren, auch mit unseren Lesern.

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