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Nicht aufgrund von Maskenpflicht in Bus und Bahn: Die Corona-Pandemie wird Deutschland noch länger im Griff haben. Foto: Sven Hoppe/dpa
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Impfstoff ist kein „Gamechanger“ Die Mutanten sind der Spielverderber

Das Virus mutiert und es wird immer klarer: Es ist sinnvoll, dass wir uns auf Szenarien einstellen, die nicht optimistisch sind. Ein Kommentar.

In ein paar Tagen wird es ein Jahr her sein, dass der erste Ansteckungsfall mit dem Coronavirus in Deutschland bekannt wurde. Die Meldungen von damals stimmen fast nostalgisch: Man liest Erläuterungen, dass es sich um ein Virus handelt, das in einer chinesischen Stadt zuerst aufgetreten ist – mit dem Hinweis, dass eine Bedrohung für Deutschland sehr unwahrscheinlich sei.

Man muss aber nicht einmal ein ganzes Jahr zurückgehen, um sich in eine andere Zeit zurückversetzt zu fühlen. Ein guter Monat reicht schon: Mitte Dezember standen die ersten Impfungen kurz bevor. Wir glaubten, nun dem Virus endlich und endgültig mehr als Baumwollmasken, Kneipenschließungen, Homeoffice und das Mantra von der Eigenverantwortung entgegensetzen zu können.

Wissenschaftler und Politiker gefielen sich darin, von einem „Gamechanger“ zu sprechen. Es war aber auch die Zeit, in der erstmals von mutierten Viren die Rede war, die sich möglicherweise besser als die Urform verbreiten können – natürlich inklusive dem Hinweis darauf, dass das kein Grund zur Aufregung ist und die wissenschaftlichen Daten dazu noch spärlich sind.

Heute steht diese zuerst in Großbritannien nachgewiesene Mutante B117 dem Gamechanger als ziemlicher Spielverderber gegenüber. Wie stark B117 in Deutschland und in Berlin schon vertreten ist, weiß man nicht gut genug. Aber an einem Berliner Klinikum herrscht bereits das, was man wohl als höchste Alarmstufe bezeichnen kann.

Die eindeutige Lösung gibt es nicht

Zugleich kommen angesichts leicht sinkender offizieller Neuinfektionszahlen schon Forderungen nach baldiger, konsequenter Maßnahmenlockerung auf – offenbar ohne Ansicht der Zahlen täglich Versterbender, die vor wenigen Wochen noch als völlig inakzeptabel gegolten hätten.

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Aber auch die Berliner Senatskanzlei lässt die Verwaltungen bereits Wiedereröffnungsszenarien entwerfen.

Und es ist ja richtig: Wir können nicht dauerhaft alles schließen und die Kinder einer sozioökonomischen Lotterie überlassen, in der es sehr viele kleine Verliererinnen und Verlierer geben würde.

Doch eines wäre gerade jetzt besonders wichtig, für Politiker, Virologinnen, Interessenvertreter. Sie alle müssen offen aussprechen, was sich seit einem Jahr, Monat für Monat und Gamechanger für Gamechanger, immer wieder bestätigt: dass es das letztgültig Richtige, die logische und die eindeutige Lösung nicht gibt.

Auch in Berlin wird es sich massiv verbreiten

Und dass es sinnvoll ist, sich auch auf die eher nicht so optimistischen Szenarien einzustellen. Zu denen gehört derzeit: Ein ansteckenderes und vielleicht auch tödlicheres Virus wird, selbst wenn alles gegen seine Ausbreitung aus dem Humboldt-Klinikum unternommen wird, bald auch bei uns die dominierende Corona-Variante sein.

Sie wird, wenn die Schulen und Kitas geöffnet würden, sich über diese massiv verbreiten, so wie sie es in England getan hat und in Portugal tut. Auf andere Mutanten müssen wir uns auch vorbereiten, die ebenfalls stärker ansteckend sein können. Wie sich in Brasilien und Südafrika zeigt, werden die derzeitigen Impfstoffe wohl nicht gegen alle wirken.

Wir müssen uns also auf ein eher langes Rennen mit dem Virus einstellen, Impfstoffe an die neuen Varianten anpassen, verstärkt an Therapien und Prävention forschen. Dabei den weniger gut Gestellten und deren Kindern zu helfen versuchen. Und alles tun, um uns selbst und andere nicht anzustecken.

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