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Der Kommandeur Serhij Volyna aus Mariupol (rechts im Bild) wendet sich persönlich an deutsche Politiker. Foto: Screenshot TSP
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„Herr Bundeskanzler, handeln Sie jetzt!“ Eingekesselter Soldat richtet dramatischen Appell an Deutschland

Dennis Pohl

Serhij Wolyna ist in einem Stahlwerk in Mariupol eingekreist. Jetzt wendet er sich direkt an die Bundesregierung und insistiert: „Helfen Sie, uns zu retten!“

Serhij Wolyna meldet sich von einem nicht näher genannten Ort auf dem Gelände des Stahlwerks Asowstal im Süden der völlig zerstörten Stadt Mariupol.

Er ist der Kommandeur der 36. ukrainischen Marineinfanteriebrigade, wie er sagt, seit mehreren Wochen schon verteidigt er zusammen mit Hunderten anderen Soldaten und Freiwilligen die strategisch wichtige Hafenstadt. Nun bleibt ihnen nur noch das Firmengelände als letzte Bastion. Die russische Armee bombardiere sie dort pausenlos, sagt er.

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Wolyna weiß, dass es jeden Moment vorbei sein könnte, dass die Übermacht zu groß werden könnte. Trotz der zwischenzeitlichen Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, das Stahlwerk nicht stürmen zu wollen.

Doch er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, trotz der scheinbar aussichtslosen Lage, in der er, seine Kameraden und viele Zivilisten sich befinden. Deshalb richtet er einen emotionalen Appell direkt an die deutsche Bundesregierung. Und insistiert: „Sie haben die Chance, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.”

Seine Botschaft im Wortlaut:

„An die deutsche Bevölkerung und persönlich an den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, den Bundeskanzler Olaf Scholz und die Außenministerin Annalena Baerbock:

Vor einer gewissen Zeit hat die Welt schon einmal das große Böse gestoppt. Daran erinnern Sie sich besser als alle anderen. Jetzt ist das Böse zurück. Und Sie haben jetzt die Chance, sich auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen und den Faschismus in seinen Anfängen zu stoppen, bevor er alles ringsum verbrannt hat.

[Lesen Sie auch: Dramatische Lage in Mariupol – das sind die letzten Ukraine im Stahlwerk Asowstal (T+)]

Die russischen Besatzer zerstören unsere Städte, töten unsere Kinder, vergewaltigen unsere Frauen und verüben Völkermord an unserem Volk. Glauben Sie mir, sie werden nicht aufhören. Und Sie werden die Nächsten sein – ganz Europa und die zivilisierte Welt.

Ich wende mich an Sie aus dem belagerten Mariupol, wo wir uns trotz der überwältigenden Kräfte des Feindes verteidigen. Aus einer Stadt, in der es kein Wasser, keinen Strom, kein Gas, keine Medikamente und keine Lebensmittel gibt. Mehr als 100.000 Menschen verhungern. In den Kellern verrotten meine verletzten Soldaten an ihren Wunden.

Das zerstörte Mariupol - am Horizont ragt das Stahlwerk Azovstal, die letzte Bastion der ukrainischen Soldaten, in die Luft. Foto: Alexander Ermochenko/REUTERS Vergrößern
Das zerstörte Mariupol - am Horizont ragt das Stahlwerk Azovstal, die letzte Bastion der ukrainischen Soldaten, in die Luft. © Alexander Ermochenko/REUTERS

Die Artillerie, die Luftwaffe und sogar die Marine der Russen hören nicht einen Moment auf, uns zu bombardieren und zu beschießen. Aber Mariupol kann noch gerettet werden! Die Welt muss endlich ,nie wieder' sagen und uns helfen. Ich bitte Sie, garantieren Sie die sichere Evakuierung von Zivilisten und Militärs aus der belagerten Stadt.

Sie können mehr als 100.000 Zivilisten, mehrere Tausend ukrainische Soldaten retten. Und die Welt vor dem Bösen, das den Planeten zerstören kann. Handeln Sie jetzt!“

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