Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Foto: Michael Kappeler/dpa
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Grünen-Chef in der Kritik Der zerbrechliche Robert Habeck

Viele Menschen mögen ihn. Doch nun erhält der Parteivorsitzende Widerspruch aus dem eigenen Lager. Die Enteignungsdebatte ist nur der Anlass. Ein Kommentar.

Achtung, Glück kann gläsern sein. Will sagen: Es kann auch schnell in Scherben liegen. Gerade in der Politik. Robert Habeck, der Grünen-Vorsitzende, muss sich vorsehen, dass ihm das nicht geschieht. Erlebt hat er bisher, dass ihn die Menschen mögen. Sogar Wolfgang Kubicki, der FDP-Raubauz, und der mag bei Weitem nicht jeden. Schon gar nicht jeden Grünen. Aber eben Habeck, weil man mit dem reden könne, sagt Kubicki, und zwar vernünftig. Da zehrt er von gemeinsamen Erfahrungen in Schleswig-Holstein.

Doch ist Berlin nicht Schleswig-Holstein, und in der Bundespolitik weht denjenigen, der ganz vorne steht, jeder Wind an. Bis hin zum Gegenwind. Nun hat Habeck in der Enteignungsdebatte so geredet, dass alle denken konnten, er gebe ihnen recht, irgendwie. Die Folge: Sarkastische Kommentare und, mehr noch, massiver Widerspruch. Aus dem eigenen Lager. Es ist schon ein Fingerzeig, was ihm grüne Landesverantwortliche vorhalten. Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg, der einzige Ministerpräsident der Grünen, und der Hesse Tarek al Wasir, wiedergewählter stellvertretender Ministerpräsident, werfen ihm Ahnungslosigkeit vor. Harte Worte.

Tatsächlich gibt es rechtliche und andere sachliche Einwände gegen Enteignungen. Aber das nur am Rande. Hängen bleibt, dass diejenigen, die in wichtigen Ländern Verantwortung tragen, Fragen aufwerfen: Redet Habeck womöglich zu viel? Versucht er, sich und anderen seine Positionen schön zu reden? Glaubt er schon denen, die ihm schmeicheln? Da sind die Grünen noch die Grünen: Das würden sie nicht verzeihen. Und das würde Rückhalt kosten.

Unabhängig davon, dass Habeck in der Kieler Landesregierung als Umweltminister ja nicht untätig war – was ihm auch Kubicki attestiert –, ist es doch so, dass seine Äußerungen jetzt umso genauer betrachtet werden. Zu allem und jedem. Bisher konnte er von Glück reden, dass das durch den Spiegel seiner Beliebtheit geschah. Aber beides ist zerbrechlich.

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