Am 19. Mai heiraten die Schauspielerin Meghan Markle und der britische Prinz Harry. Foto: Mark MARLOW/AFP
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Großbritannien Warum die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle einen Hype auslöst

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Prinz Harry und Meghan Markle werden zu Hoffnungsträgern in einer verfahrenen Welt.

Zum Märchen gehört der gute Schluss. Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage, das ist ein Versprechen, das nach überstandenen Prüfungen besonders guttut. Kindern gibt man Märchen zu lesen, um Urvertrauen zu verwurzeln. Nicht verzweifeln, nicht aufgeben. An das Happy End darf man immer glauben.

Nie waren Märchen so wichtig wie heute. Die Welt mit immer neuen Abgründen braucht Ablenkung, Zerstreuung, schöne Bilder. Sie ist geradezu ausgehungert danach. Das mag den Hype erklären, den die Hochzeit des britischen Prinzen Harry mit der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle weit über den Dunstkreis der Leser von bunten Blättern entfacht. Rational ist das nicht zu erklären. Der Prinz ist durch die Geburt seines Neffen in der britischen Thronfolge gerade wieder einen Platz nach hinten auf Nr. 6 gerückt. Und seine Braut ist zwar eine erfolgreiche Schauspielerin, aber auch keine Grace Kelly. Nein, die Bedeutung der Hochzeit, die demnächst mit einem erwarteten Rekord von drei Milliarden Zuschauern weltweit in Windsor Castle gefeiert wird, ist unabhängig von der Bedeutung der Protagonisten. Sie ist ein Symbol der Hoffnung, dass die Dinge sich zum Guten wandeln können. Das einstige Sorgenkind der britischen Royals, der Party-Prinz, dessen Spezialität Tabubrüche zu sein schienen, verschafft seiner Familie gerade einen immensen Popularitätsschub, weil er sich (was) traut. Mit dieser Braut. Und in diesen Zeiten.

Nicht nur die politisch gebildete Klasse hat den Brexit ständig auf dem Schirm. Der schürt gerade bei den jüngeren Leuten in ganz Europa Ängste vor dem Verlust lieb gewonnener Freiheiten, etwa was die Wahl des Arbeits- und Studienortes betrifft. Die ganze verfahrene Situation, die entstanden ist, schlägt sich weithin sichtbar in der britischen Alltagspolitik nieder. Wo alles sich sorgt um die bösen Folgen des Brexits für Großbritannien und Europa, liefert das junge Paar Bilder der Zuversicht.

In einer scheinbar aus den Fugen geratenen Welt mit unberechenbaren Autokraten und wackelnden Gewissheiten, bieten „Harry und Meghan“ ein Beispiel dafür, dass man trotzdem zukunftsfroh sein kann. Wo jeden Tag ein neues Problem auf der Weltagenda aufzuploppen scheint, streben die beiden im hellsten Scheinwerferlicht nach Glück. Und sie dürfen es trotz des Gepäcks, das sie mitbringen. Auch das ist Teil der positiven Botschaft, die diese Verlobten vermitteln: Änderung ist möglich. Tabus halten nicht ewig. Noch die Schwester der Queen, Prinzessin Margaret, musste auf die Liebe ihres Lebens verzichten, weil es damals undenkbar war, in königlichen (und teils auch gutbürgerlichen) Kreisen, jemanden zu ehelichen, der eine Scheidung hinter sich hatte. Vorbei. Meghan war schon einmal verheiratet, sie ist bekennend emanzipiert, und sie ist zur Hälfte Afroamerikanerin. Vom königlichen Dünkel, der Harrys Mutter Diana zu schaffen machte, ist offensichtlich ein entscheidendes Stück verschwunden. Wenn sich Harry und Meghan am 19. Mai das Ja-Wort geben, dann sagen sie stellvertretend für viele, die das wohl gern tun würden, also auch Ja zu einer Welt, die immer noch allen Grund zur Hoffnung gibt.

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