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Dating-App Tinder (Archivbild) Foto: dpa/Fabian Sommer
© dpa/Fabian Sommer

Google Maps, Tinder, Tripadvisor Wie User Russen mit Online-Rezensionen über den Krieg aufklären

Auch ohne Hackerkenntnisse lassen sich Informationen auf Google Maps und Tinder verbreiten. Der russische Suchdienst Yandex sperrt solche Beiträge aber bereits.

Der ukrainische Vizepremier und Minister für digitale Transformation, Mykhailo Fedorov hat Hacker zum Aufbau einer „IT-Armee“ aufgefordert und auch die Gruppe Anonymous hat vergangene Woche zum „Cyberkrieg gegen Russland“ aufgerufen. Dabei sind nicht nur technisch versierte Nutzer:innen gefragt.

Zu einer Variante, um innerhalb Russlands die Bevölkerung für den Krieg in der Ukraine zu sensibilisieren, rief Anonymous am Montagabend auf: „Gehen Sie zu Google Maps. Gehen Sie nach Russland. Suchen Sie ein Restaurant oder ein Geschäft und schreiben Sie eine Bewertung. Wenn Sie die Bewertung schreiben, erklären Sie, was in der Ukraine passiert.“

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Seither haben zahlreiche Freiwillige diese ursprünglich von einem polnischen Aktivisten stammende Idee aufgegriffen. Allein der entsprechende Anonymous-Tweet hat seither fast 100.000 Retweets und Likes.

Auf Google Maps finden sich seither bei vielen Gaststätten, aber auch Sehenswürdigkeiten und anderen Orten in großen russischen Städten, Kommentare wie dieser: „Das Essen war großartig! Leider hat uns Putin mit dem Einmarsch in die Ukraine den Appetit verdorben. Wehrt euch gegen euren Diktator, hört auf, unschuldige Menschen zu töten! Eure Regierung lügt euch an. Steht auf!“ Auch Fotos aus der Ukraine werden in großer Zahl hochgeladen.

Auch auf anderen Seiten wie Tripadvisor wird diese besondere Form des „Reviewbombing“ genutzt. Immer wieder weisen Twitternutzer:innen jedoch darauf hin, dass in Russland von vielen die lokale Suchmaschine Yandex und deren Kartendienst genutzt wird.

Der russische Googlekonkurrent scheint inzwischen auf die zahlreichen Kommentare reagiert und die Funktion weitgehend abgeschaltet zu haben, denn online werden die Bewertungen nicht mehr angezeigt – nur noch die Zahl der Sterne. Manche Nutzer:innen weichen auf die App von Yandex Maps aus, wo noch Bewertungen zu lesen sind. Allerdings werden diese moderiert und kritische Beiträge zum Ukrainekrieg nach einiger Zeit oft gesperrt.

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In einer ähnlichen Guerillaaktion werden Datingapps wie Tinder genutzt. Als Standort im Profil stellen die Nutzerinnen und Nutzer russische Städte ein, bei Tinder sind dafür kostenpflichtige Zusatzfunktionen nötig. Dann können in den Beschreibungstexten ebenfalls Informationen zum Krieg eingefügt nutzen, so dass russische Nutzer:innen auf der Suche nach einem Date über solche ungefilterten Nachrichten stolpern.

Andere Nutzer schlagen vor, auf der Shoppingplattform Etsy russische Händler herauszufiltern und ihnen dann direkte Nachrichten zu schicken.

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