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Er kann Sender großmachen. US-Präsident Donald Trump vor einer Schar von Pressevertretern und TV-Journalisten. Foto: Imago
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Goodbye Fox News Trump findet neue, noch radikalere Freunde

Der Bruch zwischen US-Präsident Trump und seinem einstigen Haussender Fox News stellt den US-Medienmarkt auf den Kopf. Das nutzt vor allem zwei TV-Sendern.

Joe Biden ist zum neuen US-Präsidenten gewählt worden – doch Donald Trump sieht das nicht ein. Seit dem 3. November geht er gegen das Wahlergebnis vor und behauptet hartnäckig, selbst gewonnen zu haben. Die Ergebnisse pro Biden seien nur mit massivem Wahlbetrug und Fälschungen der Stimmzettel zu erklären. Neben diesem wohl eher aussichtslosen Kampf gibt es einen weiteren, den Trump ebenfalls massiv befeuert: den Kampf der US-Medien.

Jahrelang war der politisch rechts zu verortende TV-Sender Fox News eine Art verlängerter Arm Trumps in die Wohnzimmer der republikanischen Wählerschaft. Eine Win-Win-Situation: Trump konnte seine politischen Ansichten nahezu ungefiltert verbreiten, Fox News wiederum hatte den Präsidenten exklusiv, was enorme Einschaltquoten garantierte.

Doch schon vor Monate entstand der Eindruck, dass Fox die Beziehung in der Form nicht mehr aufrechterhalten wollte. Erst Recht nach der verlorenen Wahl wurde Fox kritischer gegenüber Trump, was dem Präsidenten erwartungsgemäß nicht gefiel. Er begann, Fox zu kritisieren – und fand Alternativen.

Die darauf folgenden Entwicklungen stellten den US-Medienmarkt teilweise auf den Kopf und zeigten die Macht Trumps, wenn es um die Mobilisierung seiner Anhänger geht. Es reichte eine Twitter-Offensive von wenigen Wochen, um vormalige Spartensender wie Newsmax TV groß zu machen. So groß, dass er sogar teilweise Fox News Konkurrenz machte.

Beispielhaft für Trumps Vorgehen steht ein Tweet vom 15. November, indem er seinen Anhängern Fox schlechtredet, und eben Newsmax und das One America News Network (OAN) empfiehlt.

Denn diese beiden TV-Sender haben Joe Biden nicht als Wahlsieger ausgerufen und CNN zufolge erklärt, dass es Wahlbetrug gegeben haben könnte.

Am 7. Dezember war eine Abendshow auf Newsmax erstmals in der Geschichte des Senders in der wichtigsten Altersgruppe erfolgreicher als eine Show auf Fox News, die zeitgleich lief. „Greg Kelly Reports“ auf Newsmax verfolgten ab 19 Uhr an jenem Montag durchschnittlich 229.000 25- bis 54-Jährige, während „The Story with Martha MacCallum“ bei Fox News lediglich 203.000 Zuschauer in dieser Altersgruppe sahen.

Das Erfolgsrezept des Newsmax-Showmasters ist einfach: Greg Kelly gibt sich vom Wahlsieg Trumps überzeugt. Sein Programm besteht aus langen Kommentaren, die Trump verherrlichen und die andere Medien schlechtreden.

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Allerdings ist Kellys Show die mit Abstand erfolgreichste Sendung des Tages auf Newsmax. Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen zufolge hat Fox News bei allen anderen Sendungen, die sich über den Tag verteilen, in etwa viermal so hohe Einschaltquoten wie Newsmax.

Dass Newsmax dennoch diesen beachtlichen Erfolg verbuchen konnte, hat auch damit zu tun, dass die Zuschauerzahlen von Fox News insgesamt rückläufig sind. Jahrelang dominierte Fox, auch dank der exklusiven Trump-Inhalte, das Newsgeschehen in den USA. In den Wochen nach der Wahl aber überholte CNN Fox durchgehend, erstmals seit dem 11. September.

Newsmax-Gründer Ruddy ist ein Trump-Freund

Anfang Dezember beispielsweise schauten eine Woche lang täglich durchschnittlich 1,73 Millionen Menschen CNN, Fox lediglich 1,56 Millionen. MSNBC ist dem Sender von Medienmogul Rupert Murdoch zudem mit 1,53 Millionen Zuschauern auf den Fersen.

Der Mann hinter dem Erfolg von Newsmax ist Christopher Ruddy, ein guter Freund Donald Trumps, der Mitglied in Trumps Club Mar-a-Lago und im Golfclub in West Palm Beach ist. Ruddy gründete Newsmax 1998, zunächst nur als Nachrichtenseite. Erst seit 2014 ist Newsmax im linearen Fernsehen empfangbar.

Christopher Ruddy, Newsmax-Gründer und Trump-Freund Foto: Imago Vergrößern
Christopher Ruddy, Newsmax-Gründer und Trump-Freund © Imago

Der Erfolg Newsmaxs beschränkt sich nicht nur auf die TV-Inhalte: Kurz nach der Wahl im November überholte Newsmax Breitbard News und wurde zur meistbesuchten Website in den USA, die rechtspopulistische Inhalte verbreitet. „Es hat sich in der Wahlnacht wie ein Erdbeben angefühlt“, so Ruddy zu Axios. „Die Mauern wurden gebrochen.“

Noch Ende Oktober schauten sich durchschnittlich 63.000 Zuschauer die Newsmax-Sendungen zur besten Sendezeit zwischen 20 und 23 Uhr abends an. Eine Woche später, in der Woche der Wahl, hatte sich diese Zahl bereits auf mehr als 180.000 verdreifacht. In der Woche darauf waren es dann 330.000 Zuschauer durchschnittlich.

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Fox News hingegen verlor in dieser Zeit fast die Hälfte der Zuschauer, von 3,1 Millionen täglich auf weniger als 1,6 Millionen. Weil auch CNN gewann, ist klar: Es gab eine klare Lagerbildung. Viele Menschen, die die Wahl Bidens anerkannten, wechselten zu CNN. Und solche, die Trumps Betrugstheorien glaubten, holten sich, was sie wollten – bei Newsmax.

Nach der Abstimmung des Electoral College sprach ein Moderator von Newsmax zwar Mitte Dezember vom „gewählten Präsidenten Joe Biden“, allerdings blieb das eine Ausnahme. Der zweite Sender, den Trump in seinem Tweet rühmte, ignorierte die Abstimmung des Electoral College gleich völlig. Das One America News Netzwork habe der Washington Post zufolge stattdessen eine Anhörung des Senats in Arizona übertragen – in der es um das Abstimmungsverfahren ging, das Trump anprangert.

OAN-Moderatorin behauptet, Biden hat die Wahl verloren

Ende November hatte eine Moderatorin des OAN sogar behauptet, Biden habe die Wahl verloren und Trump werde am 20. Januar seine zweite Amtszeit antreten. Mit solchen Aussagen die Aufmerksamkeit im Trump-Lager und unter seinen Wählern zu erlangen, schien schon immer das Ziel des Senders gewesen zu sein.

Der Sender wurde 2013 vom rechtsgerichteten Geschäftsmann Robert Herring gegründet und wird seitdem von seinem Sohn, Charles Herring, geführt. Seit jeher verbreitete OAN Meldungen, die Trump gefallen könnten und die dieser sogar via Twitter teilen könnte. Das klappte auch. Die Korrespondentin des Senders im Weißen Haus, Chanel Rion, verbreitete zudem Verschwörungstheorien von QAnon.

Robert Herring, Gründer des One America News Network (OAN) Foto: Imago Vergrößern
Robert Herring, Gründer des One America News Network (OAN) © Imago

Beide Sender teilten außerdem Trumps Theorie, die Hersteller der Wahlcomputer hätten eine manipulierte Software angewandt, wodurch Biden die Wahl gewonnen habe. Als die Hersteller eine Verleumdungsklage androhten, distanzierte sich zumindest Newsmax von den geteilten Vorwürfen – und ließ einen Moderator live eine Erklärung vorlesen, dass es keine Manipulation der Wahlcomputer gegeben habe. OAN tat dies nicht und teilt solche Theorien bis heute.

Dem britischen Guardian zufolge sind die Sympathien der Trump-Familie nicht nur deshalb so groß, dass Donald Trump Jr. bereit gewesen sein soll, OAN zu kaufen. Zwar wies Gründer Robert Herring diese Gerüchte zurück, doch kamen diese nach Trumps Wahlniederlage erneut auf.

Noch länger halten sich ähnliche Gerüchte auch über Newsmax. Auch an diesem Sender soll die Trump-Familie so großen Gefallen gefunden haben, dass sie noch mehr Einfluss haben wollen. Allerdings dementierte dies Gründer Chris Ruddy immer wieder. „Newsmax wird niemals zu Trump TV werden“, so Ruddy.

Aber natürlich wollen die Sender Trump nicht vergraulen. Schließlich ist offensichtlich, dass ihr Erfolg auf seiner Zuneigung ihnen gegenüber fußt. Ruddy selbst sagte, Trump werde eine politische und mediale Kraft bleiben. Deshalb sei er „offen dafür, mit ihm über eine wöchentliche Show zu sprechen“. Und seine Pläne gehen noch weiter. Ruddy will im kommenden Jahr Fox News mit Newsmax nicht mehr nur einmalig Konkurrenz machen – sondern laut eigener Aussage gleich ganz übernehmen.

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