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Der Musiker und Sänger Gil Ofarim (Archivbild) Foto: dpa/Gerald Matzka
© dpa/Gerald Matzka

Update Gil Ofarim zu Zweifeln an Antisemitismus-Vorwürfen „Vom Opfer zum Täter gemacht“

Der Musiker Gil Ofarim sagt, wegen einer Davidstern-Kette in einem Leipziger Hotel beleidigt worden zu sein. Nun gibt es Zweifel, ob er sie tatsächlich trug.

Nach Antisemitismusvorwürfen des Musikers Gil Ofarim gegen einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels hat die Auswertungen der Videoaufnahmen durch die Polizei laut Medienberichten zu neuen Fragen geführt.

„Es sind mehrere Videos von den Überwachungskameras sichergestellt worden“, sagte ein Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen, daher könne man zum Inhalt keine Angaben machen.

Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ haben die Ermittler inzwischen „erhebliche Zweifel“ daran, dass der Ablauf der Ereignisse der ursprünglichen Schilderung entsprach. Auch die „Leipziger Volkszeitung“ berichtete am Sonntag dahingehend.

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Ofarim hatte in einem auf Instagram veröffentlichten Video berichtet, dass er in dem Hotel aufgefordert worden sei, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Erst wenn er den Stern abnehme, dürfe er einchecken, soll ihm gesagt worden sein.

Laut „Bild am Sonntag“ ergaben Auswertungen von Überwachungsvideos durch die Leipziger Polizei aber, dass der Sänger während des fraglichen Geschehens anscheinend gar keine Halskette mit sichtbarem Davidstern trug. In einer Vernehmung habe Ofarim darüber hinaus gesagt, er wisse nicht mehr sicher, ob er an jenem Abend eine Kette trug.

Der „Bild am Sonntag“ sagte Ofarim nach Angaben der Zeitung auf Fragen zu den Videos: „Der Satz, der fiel, kam von hinten. Das heißt, jemand hat mich erkannt. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres.“

Da er oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen sei, „wurde ich aufgrund dessen beleidigt“, sagte der Musiker demnach weiter. Zwei Tage vor dem Vorfall habe er etwa bei der ZDF-Matinee „Happy Birthday, Giora Feidmann“ zu Ehren des jüdischen Musikers auf der Bühne gesessen.

„Bei der Gala trug ich die Kette und ich ziehe sie eigentlich so gut wie nie aus“, sagte Ofarim der Zeitung zufolge. Und weiter: „Aber es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht. Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin.“

Hotel-Mitarbeiter spricht von Verleumdung

Die Veröffentlichung des Videos durch Ofarim schlug hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft prüft die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter. Bei der Staatsanwaltschaft ging eine Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung gegen den Mitarbeiter ein. Ofarim zeigte den Hotelangestellten an. Zugleich stellte der beschuldigte Mitarbeiter eine Anzeige wegen Verleumdung. Er schilderte den Vorfall nach früheren Angaben der Polizei „deutlich abweichend“. Das Hotel beurlaubte insgesamt zwei Mitarbeiter für die Dauer der Ermittlungen.

Das Leipziger Hotel selbst wehrte sich darüber hinaus gegen die Antisemitismusvorwürfe und bemüht sich selbst um Aufklärung. Es beauftragte eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Untersuchung der Vorgänge und will Zeugenaussagen von anderen Gästen auswerten. Das Unternehmen berichtete zudem von einem Zeugen aus der Lobby, der die Version des Musikern ihm gegenüber nicht bestätigt habe.

„Ich wusste, was das für Wellen schlägt“

Nun hat sich Gil Ofarim zu der neuen Entwicklung geäußert. „Ich wusste, was das für Wellen schlägt“, sagte er am Montag im TV-Sender Bild. „Dass ich vielleicht vom Opfer zum Täter gemacht werde und dass ich angeblich gelogen haben soll, darum habe ich mir keine Gedanken gemacht und ganz ehrlich, das hätte ich auch nicht gedacht.“

Er könne verstehen, dass es nach den Videobeweisen so aussehen würde, als hätte er den Stern nicht getragen. „Was nicht stimmt. Ich habe ihn immer angehabt.“

Ofarim erklärte zudem bei Bild: „Ich werde nach wie vor weiter meinen Davidstern tragen. Ob unter dem T-Shirt, auf dem T-Shirt, das ist egal. Ich trage ihn immer und werde ihn weiter tragen“, sagte er. Zu dem von ihm geschilderten Vorfall in dem Hotel sagte er: „Ich habe im Vergleich zu vielen anderen Jüdinnen und Juden den Mund aufgemacht und habe etwas gesagt und mich gewehrt.“ Er fügte hinzu: „Jeder sollte seinen Mund aufmachen. Ich würde es nochmal genauso machen.“
Ofarim ist der Sohn des in Israel geborenen Sängers Abi Ofarim, der 2018 starb. Er ist als Schauspieler und Sänger bekannt, 2017 gewann er die RTL-Tanzshow „Let's Dance“. (AFP/dpa)

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