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Australiens Regierungschef Scott Morrison hofft auf eine baldige Normalisierung der Beziehungen zu Frankreich. Foto: Olivier Douliery/AFP
© Olivier Douliery/AFP

Geplatztes U-Boot-Geschäft Warum Frankreichs Zorn über Australien anhält

Frankreichs Staatschef Macron hat sich mit US-Präsident Biden ausgesprochen. Aber in Paris ist man immer noch wegen des Schwenks in Australien verärgert.

Das größte Zerwürfnis zwischen Frankreich und den USA seit den Zeiten des Irak-Krieges im Jahr 2003 ist zwar noch nicht ausgeräumt, aber immerhin bemühen sich beide Seiten wieder um eine Rückkehr zum „Business as usual“. Das ist das Fazit, das sich nach dem Telefonat zwischen US-Präsident Joe Biden und seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron ziehen lässt. Nach dem geplatzten französisch-australischen U-Boot-Geschäft kann Macron nun immerhin auf eine künftige US-Unterstützung bei europäischen Militärmissionen in der Sahel-Zone setzen.

Frankreichs Botschafter kehrt in die USA zurück

Auch Frankreichs Botschafter in den USA, Philippe Etienne, soll kommende Woche nach Washington zurückkehren. Ganz verraucht ist Macrons Zorn angesichts des hinter seinem Rücken eingefädelten U-Boot-Geschäfts zwischen den USA, Großbritannien und Australien allerdings noch nicht. In Paris fühlt man sich hintergangen, weil die Regierung in Australien die neue Sicherheitspartnerschaft „Aukus“ mit den USA und Großbritannien unter größter Geheimhaltung eingefädelt habe – zu Lasten des ursprünglich geplanten australisch-französischen Deals  mit einem Volumen von 56 Milliarden Euro. Jedenfalls ist noch nicht bekannt, wann der ebenfalls zurückbeorderte französische Botschafter wieder nach Canberra zurückkehrt.

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In Macrons Präsidentenpartei „La République en Marche“ wird darauf verwiesen, dass es bei der Verärgerung über den Schwenk in Australien nicht um das entgangene Milliardengeschäft gehe. Vielmehr sei es bedauerlich, dass sich Australien im Indopazifik gemeinsam mit den USA gegenüber China auf den Pfad der „Konfrontation“ begeben habe, während Frankreich im Verhältnis zu Peking auf „Konkurrenz“ setze. Frankreichs Regierungssprecher Gabriel Attal sagte am Donnerstag, es gehe in dem U-Boot-Streit in erster Linie um eine „politische und strategische Krise“.

Unterstützung der USA in der Sahelzone

In ihrem Telefonat vom Mittwoch vereinbarten Macron und Biden für Ende Oktober ein gemeinsames Treffen. Bedeutsamer als die geplante Begegnung, die voraussichtlich am Rande des G-20-Gipfels in Rom oder der Klimakonferenz COP26 in Glasgow stattfinden wird, dürfte indes die Ankündigung Bidens sein, dass sich die USA stärker in der Sahelzone engagieren wollen. Im kommenden Jahr soll die Zahl der dort zur Terrorbekämpfung stationierten französischen Soldaten von 5200 auf weniger als 3000 reduziert werden.

Gleichzeitig setzt Macron darauf, dass Biden Frankreichs Partner in der EU in den nächsten Monaten davon überzeugen wird, ihrerseits den europäischen Pfeiler innerhalb der Nato zu stärken. Frankreichs Staatschef will seine Vision eines „Europas der Verteidigung“ während der ersten Jahreshälfte 2022 im Verlauf der französischen EU-Präsidentschaft voranbringen.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire führte am Donnerstag das Debakel um den Abzug aus Afghanistan und den U-Boot-Streit als Beleg dafür an, „dass wir nicht mehr auf die USA zählen können, um unseren strategischen Schutz zu garantieren“. Die USA, sagte Le Maire in einem Interview mit den Sender „Franceinfo“ weiter, hätten nur ein einziges strategisches Anliegen – die Eindämmung des chinesischen Machtstrebens.

Linkspolitiker Mélenchon spricht von „Demütigung“

In der Opposition wurde indes kritisiert, dass Macron in dem halbstündigen Telefonat mit Biden keine nennenswerten Ergebnisse erzielt habe. Der Gründer der Linkspartei „La France insoumise“ („Das unbeugsame Frankreich“), Jean-Luc Mélenchon, twitterte, dass Macron „ohne Bedingung vor Biden kapituliert“ habe. Macron lege ein „gedemütigtes Frankreich“ erneut an die „Leine“, so Mélenchon. Der Linkspolitiker tritt bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden April als Kandidat an und verlangt den Austritt Frankreichs aus der Nato. Stattdessen soll nach den Worten Mélenchons „die militärische Unabhängigkeit unseres Landes“ wiederhergestellt werden.

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