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„Geduld war unsere Waffe“ Corona-Clips der Regierung sorgen für Begeisterung und Kritik

Regierungssprecher Seibert hat via Twitter zwei Videos verbreitet, die junge Menschen zum Zuhausebleiben animieren sollen. Das Echo ist geteilt.

Die Bundesregierung hat zwei satirische Videoclips zur Corona-Krise veröffentlicht, die in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert werden. Am Samstag teilte Regierungssprecher Steffen Seibert ein erstes Video, versehen mit dem Hashtag #besonderehelden.

Die Szene spielt in einer fiktiven Zukunft. Das Setting ist eines, das man von Zeitzeugeninterviews historischer Dokumentationen über den Zeiten Weltkrieg kennt: Der Renter Anton Lehmann sitzt in einem Sessel und erzählt von „damals“ – dem Corona-Winter 2020.

Mit pathetischer Musik unterlegt erinnert er sich an diese schwierige Zeit, als er als 22-Jähriger die Coronavirus-Pandemie erleben musste. In Rückblenden wird das junge „Ich“ des Mannes gezeigt, wie es gelangweilt auf dem Sofa lümmelt.

„22 – in diesem Alter will man doch feiern, studieren, jemanden kennenlernen“, sagt sein altes „Ich“ aus dem Off. Doch seine Heldentat war, dass er tat, was erwartet wurde, „das einzig richtige“, wie Lehmann sagt: „Wir taten: nichts.“

Das zweite Video hat das gleiche Setting: Die Partnerin von Herrn Lehmann, Louise, erinnert sich darin ebenfalls an den Winter im Jahr 2020: „Wir fassten uns ein Herz und taten – nix. Wir schimmelten zuhause rum, trafen möglichst wenig Leute und verhinderten damit die Ausbreitung von Covid-19.“

Mit beiden Videos möchte die Bundesregierung junge Menschen offenbar dazu bewegen, ihre sozialen Kontakte weitestgehend einzustellen. Beide Clips enden mit einem Aufruf an die Zuschauerinnen und Zuschauer: „Werde auch du zum Helden und bleib zuhause. Zusammen gegen Corona“. Allein der erste von Regierungssprecher Seibert geteilte Clip wurde bis Sonntag am frühen Nachmittag über 854.000-mal aufgerufen.

Zeichen der Hoffnung oder Kriegsverherrlichung?

Die Reaktionen auf die Videos fallen gemischt aus. Manche zeigten sich begeistert, andere entrüstet. Comedian Jan Böhmermann teilte den ersten Clip auf seinem Twitterkanal und kommentierte: „Humor ist am 14. November 2020 offiziell in staatlicher Kommunikation des Bundesrepublik angekommen. Gibt es doch Hoffnung?“

Manche Twitter-User sahen in den Videos eine Verhöhnung der Kriegsgeneration. In dem ersten Video benutzt der Protagonist explizit Kriegsrethorik. „Unsere Couch war die Front, und unsere Geduld war unsere Waffe“, sagt Lehmann an einer Stelle.

Dies verärgerte einige Userinnen und User. „Dieser Clip verarscht alle Menschen, die einen Krieg durchgemacht haben“, schrieb ein User. Den Videos wurde auch vorgeworfen, Kriegsverherrlichung zu betreiben.

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Andere sehen in den Videos eine Beleidigung derer, die in dieser Zeit nicht einfach so zuhause bleiben können. Eine Userin schrieb, die Botschaft sei unsensibel gegenüber all jenen, die in systemrelevanten Berufen arbeiteten oder aufgrund der Situation ihr Studium nicht fortsetzen könnten.

Auch Journalistin Teresa Bücker übte Kritik und fragte, wen dieser Clip denn erreichen solle. „Mir fällt einfach wenig Positives ein, was Held sein zu wollen auslösen soll.“ Sie twitterte als Kommentar einen Auszug aus einem ihrer Texte, in dem Sie die Stilisierung von Pflegefachkräften zu Heldinnen und Helden kritisiert.

Inzwischen ist in den sozialen Netzwerken auch eine Diskussion über die Kritik an den Videos und über die Twitter-Debattenkultur selbst entbrannt. Blogger und Journalist Sascha Lobo schrieb über die kritischen Urteile zu den Videos, er habe deutsches Twitter „selten knalldackeliger“ erlebt. Manche Leute erreiche man nur so, erklärte er.

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