Völlig zerstört: Ein Mitarbeiter eines Hilfsteams steigt in Beirut über die Trümmer. Foto: imago images/ITAR-TASS/Maxim Grigoryev
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Update Geberkonferenz nach Explosionen in Beirut Über 250 Millionen Euro Soforthilfe für Libanon

Bei der internationalen Geberkonferenz für den Libanon kommen über 250 Millionen Euro Soforthilfe zusammen - Deutschland steuert 20 Millionen bei.

Bei der internationalen Geberkonferenz für den Libanon sind nach Angaben aus dem Élyséepalast 252,7 Millionen Euro Soforthilfe zusammengekommen. Frankreich trage davon einen Anteil von 30 Millionen Euro, berichteten Élyséekreise am Sonntag nach der Videoschalte. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte zuvor im ZDF von über 200 Millionen Euro Hilfe gesprochen. Das französische Präsidialamt war neben den Vereinten Nationen (UN) Mitveranstalter der Konferenz.

Angesichts der gewaltigen Explosionen am Hafen der Stadt Beirut hatte Maas zunächst ein deutsches Soforthilfepaket im Umfang von zehn Millionen Euro für den Libanon angekündigt. „Die Menschen in Beirut brauchen unsere Hilfe, und sie brauchen Anlass zur Hoffnung“, sagte Maas der „Bild am Sonntag“. Die Zahl der Toten aufgrund der Explosion stieg auf 158, wie das libanesische Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Die Zahl der Verletzten kletterte demnach auf rund 6000. Maas zufolge haben zudem 300.000 Menschen ihr Zuhause verloren.

Bundesaußenminister Heiko Maas, SPD, nimmt per Video an einer internationalen Geberkonferenz für den Libanon teil. Foto: imago images/photothek Vergrößern
Bundesaußenminister Heiko Maas, SPD, nimmt per Video an einer internationalen Geberkonferenz für den Libanon teil. © imago images/photothek

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte das rund zweieinhalbstündige Treffen mit den UN kurzfristig organisiert. Es nahmen Vertreter von mindestens 36 Staaten und Organisationen teil, unter ihnen waren US-Präsident Donald Trump oder der jordanische König Abdullah II.. Deutschland wurde durch Maas vertreten.

„Die Zukunft des Libanons wird jetzt entschieden“, erklärte Macron. Er appellierte an die Verantwortlichen in Beirut, auf die Hoffnungen zu antworten, die das libanesische Volk auf den Straßen ausdrücke. „Das libanesische Volk ist frei, stolz und eigenständig“, sagte Macron in seiner emotionalen Rede.

Trump sagte dem Libanon weitere Unterstützung zu - ein konkreter Betrag blieb aber zunächst offen. Trump habe betont, die USA stünden bereit und seien willens, „dem libanesischen Volk zu helfen“, erklärte das Weiße Haus. Die USA wollten bei der Koordinierung ihrer Hilfen eng mit anderen Staaten zusammenarbeiten.

Trump habe eine gründliche und transparente Untersuchung der Explosionskatastrophe gefordert. Die USA stünden bereit, dem Libanon dabei zu helfen. Trump habe auch Stabilität gefordert, gleichzeitig aber „die legitimen Rufe friedlicher Demonstranten nach Transparenz, Reform und Rechenschaftspflicht“ anerkannt. Die USA sagten dem Libanon bislang 17 Millionen US-Dollar Katastrophenhilfe zu.

Viele Libanesen bleiben auf sich alleine gestellt

Macron war bereits am Donnerstag nach Beirut gereist, um den Menschen Unterstützung beim Wiederaufbau zu versprechen. Er werde sicherstellen, dass die Hilfsgelder nicht in „korrupte Hände“ fielen. Ein Thema bei der Videokonferenz wird daher sein, wie die Hilfe der libanesischen Bevölkerung direkt zugute kommen kann.

Kritiker werfen der Führung in Beirut vor, das Land durch Vetternwirtschaft und Korruption in die Krise geführt zu haben, in der libanesischen Hauptstadt protestierten deshalb am Samstag Menschen gegen die Regierung.

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Bei den Aufräumarbeiten nach der Explosionskatastrophe von Beirut sind viele Libanesen auf sich allein gestellt. Während sie sich von der Regierung im Stich gelassen fühlen, zeigen sie untereinander große Solidarität. Am Hafen und den umliegenden Vierteln bringen Freiwillige Essen und Getränke, um die Aufräumarbeiten zu unterstützen.

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, nimmt per Videoschalte an der internationalen Geberkonferenz für den Libanon teil. Foto: Christophe Simon/dpa Vergrößern
Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, nimmt per Videoschalte an der internationalen Geberkonferenz für den Libanon teil. © Christophe Simon/dpa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will dem Libanon mit einem Rettungspaket helfen, verlangt dafür aber eine politische Einigung auf umfassende Reformen. Die Finanzorganisation sei bereit, ihre Bemühungen zu verdoppeln, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa in der Schalte.

Auch Türkei und Arabische Liga wollen helfen

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, erklärte, er werde sich bemühen, in den arabischen Staaten Unterstützung für den Libanon zu mobilisieren. Nach einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun in Beirut sagte er auch Hilfe bei der Ermittlungen zur Ursache der Explosion zu.

Michel Aoun (r), Präsident des Libanon, und Ahmed Aboul Gheit, Generalsekretär der Arabischen Liga, sitzen bei einem Treffen im Präsidentenpalast. Foto: Dalati & Nohra/dpa Vergrößern
Michel Aoun (r), Präsident des Libanon, und Ahmed Aboul Gheit, Generalsekretär der Arabischen Liga, sitzen bei einem Treffen im Präsidentenpalast. © Dalati & Nohra/dpa

„Wir sind bereit, mit all unseren Mitteln Unterstützung zu leisten.“ Er werde auch an der Geberkonferenz teilnehmen. Die Golfstaaten hatten in der Vergangenheit lange Geld in die fragile libanesische Wirtschaft gepumpt, zuletzt aber alarmiert vom wachsenden Einfluss der pro-iranischen Hisbollah davon Abstand genommen. Im Ringen um die Vorherrschaft in der Golfregion ist der schiitische Iran der Gegenspieler der sunnitischen arabischen Staaten.

Die Türkei bot Unterstützung beim Wiederaufbau des Hafens in Beirut an. Zudem könne der Hafen in der südtürkischen Stadt Mersin Beirut bei der Zollabwicklung und der Lagerung großer Lieferungen helfen, bis die Anlagen dort wieder arbeitsfähig seien, sagte der stellvertretende Präsident der Türkei, Fuat Oktay, nach einem Treffen mit Aoun. (Reuters,dpa)

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