Heinz-Christian Strache. Foto: Helmut Fohringer APA dpa
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FPÖ-Chef im Porträt Straches Weg zum Erfolg

Til Knipper
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Mit dem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache könnte ein stramm rechter Politiker Vize-Kanzler Österreichs werden, der in Europa bestens vernetzt ist.

Wie weit die österreichische Parteienlandschaft nach rechts gerückt ist, erkennt man am besten, wenn man ins Jahr 2000 zurückblendet. In einer konzertierten Aktion verhinderten damals 14 EU-Staats- und Regierungschefs, dass der Rechtspopulist und damalige FPÖ-Chef Jörg Haider Minister der österreichischen Bundesregierung wird. Nicht verhindern ließ sich, dass die Österreichische Volkspartei damals eine Koalition mit den Blauen von der FPÖ einging.

17 Jahre später erregt es dagegen in der Alpenrepublik kaum noch Aufsehen, dass Heinz-Christian Strache, Spitzenkandidat der FPÖ, mit hoher Wahrscheinlichkeit als Innenminister und Vizekanzler ins neue Kabinett einzieht. Denn der Wahlsieger Sebastian Kurz hatte schon im Vorfeld der Wahl eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten in Erwägung gezogen. Jetzt, nachdem die Partei das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren hat und einen satten Stimmenzuwachs verbuchen konnte, sollte einem Bündnis nicht mehr viel im Wege stehen.

Dabei wäre der strammrechte Strache europaweit der erste Politiker mit Vergangenheit im Neonazi-Milieu, der einen Ministerposten bekleidet. Dass seine Kontakte ins deutsche rechtsradikale Milieu in den 80er und 90er Jahren keine Jugendsünden eines Orientierungslosen waren, wie Strache es gerne darstellt, hat gerade die „Süddeutsche Zeitung“ mithilfe von Augenzeugen und Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden nachgewiesen.

Strache ist bestens vernetzt mit Le Pen, Wilders oder Petry

Als der gelernte Zahntechniker die FPÖ 2005 übernahm, lag die Partei nach einer Reihe von Skandalen, Intrigen und Austritten am Boden. Spätestens als Haider mit einigen Getreuen die neue Partei Bündnis Zukunft Österreich gründete, hatten viele die Freiheitlichen schon abgeschrieben. Aber Strache ist es gelungen, eine EU-skeptische, migrationsfeindliche, antiislamische Bewegung zu formen. Bestens vernetzt mit anderen Rechtspopulisten in Europa wie Marine Le Pen, Geert Wilders und Frauke Petry, ist die FPÖ unter Strache wieder zur zweitstärksten politischen Kraft in Österreich gewachsen, die am Sonntag mit 25 Prozent der Stimmen rechnen kann.

Der Wahlkampf der FPÖ war subtiler. Gab es zu Beginn von Straches Parteivorsitz noch den Slogan „Daham statt Islam“, lautete das Motto des Wahlkampfs in diesem Jahr „Österreicher verdienen Fairness“. Bei seinen Anhängern punktete er vor allem mit dem Thema Migration oder wenn er Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik als „gefährlichste Frau Europas“ bezeichnete. Daran wird sich auch nach der Wahl so schnell nichts ändern.

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