Die Gülle und das Futter

Vor allem in Niedersachsen werden viele Tiere gehalten. Foto: Tsp
Fleischfabrik Deutschland Welche Folgen hat die Massentierhaltung?

Wohin mit der Gülle?
Der Nährstoffüberschuss in den Zentren der Massentierhaltung, beispielsweise im Landkreis Vechta in Niedersachsen, ist inzwischen für die Trinkwasserversorgung bedrohlich geworden. Dort wird der Nitrat-Grenzwert für Trinkwasser regelmäßig überschritten, weshalb das Trinkwasser aufwendig behandelt und mit weniger nitrathaltigem Wasser gemischt werden muss, bevor es durch die Wasserhähne fließen darf.

Der Umweltverband BUND hat im „Fleischatlas regional 2016“ recherchiert, dass aus dem Weser-Emskreis, der sich durch eine hohe Tierdichte auszeichnet, 2,3 Millionen Tonnen Gülle in ganz Niedersachsen verteilt werden. Im Landkreis selbst können die Äcker den Reststoff schon lange nicht mehr aufnehmen. Nun wird also das ganze Bundesland überdüngt.

Zeitweise hoffte der Bauernverband, das Gülleproblem mit Bonuszahlungen für Biogasanlagen, in denen auch Gülle vergoren wird, in den Griff zu bekommen. Das erwies sich als teure Subvention für die Massentierhaltung und wurde mit dem Erneuerbare-Energien- Gesetz 2014 abgeschafft.

Die Massentierhaltung und die Probleme mit der Gülle sind auch der wesentliche Grund dafür, dass die EU-Kommission Deutschland wegen der Nicht-Einhaltung der Nitratrichtlinie vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt hat.

Womit werden die Tiere gefüttert?

Die Futtermittel für die Großställe werden schon lange nicht mehr in Deutschland produziert. So viel könnten die deutschen Bauern gar nicht produzieren. Und seit es im Zuge der BSE-Krise verboten ist, Schlachtabfälle, die zu Tiermehl verarbeitet wurden, in die Tröge der Tiere zu werfen, kommt ein Großteil der Futtermittel aus Südamerika.

Sojaschrot wird zu 90 Prozent in der Tiermast verfüttert und zu etwa zehn Prozent an Milchkühe. 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot werden aus Brasilien, Argentinien und Paraguay für die deutsche Massentierhaltung jährlich importiert. Der Sojaanbau ist in allen drei Ländern stark ausgeweitet worden. Die Savannengebiete der drei Länder sind überwiegend dem Sojaanbau zum Opfer gefallen. Ein Großteil davon ist gentechnisch veränderte Soja.

Was passiert in den Hühnerställen?

Seit das Bundesverfassungsgericht 1999 entschieden hat, dass ein DIN A4-Blatt nicht genug Platz für eine Legehenne in einer Käfigbatterie und diese Haltungsform ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist, hat sich die Lage für die Legehennen verbessert. Im vergangenen Monat hat Agrarminister Schmidt eine Verordnung in Kraft gesetzt, nach der die im Anschluss eingeführte neue Käfighaltung in so genannten ausgestalteten Käfigen verboten wird. Die Betriebe, die noch so produzieren haben allerdings eine lange Übergangszeit bis 2025, um die Käfighaltung für Hennen in Deutschland endgültig zu beenden.

Doch Masthähnchen oder Masthühnchen haben noch weniger Platz als Hennen in Batteriekäfigen. Sie werden in dunklen Ställen gehalten und wachsen so schnell heran, dass sie kurz vor der Schlachtung manchmal nicht einmal mehr eine Tränke erreichen können in der Enge. Nach 40 Tagen werden die Masthühnchen geschlachtet. Die natürliche Lebenserwartung eines Huhns liegt zwischen acht und zwölf Jahren.

Schlecht ergeht es auch den männlichen Küken, die in Hennenbrütereien schlüpfen. Da sie keine Eier legen, werden 40 bis 50 Millionen männliche Küken pro Jahr in Deutschland an ihrem ersten Lebenstag vergast und geschreddert. Seit Jahren kritisierten Tierschützer die massenhafte Tötung gesunder Küken. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will die Praxis bis 2017 beenden. Verbieten will er sie jedoch nicht. Stattdessen fördert das Agrarministerium ein Forschungsprojekt zur Geschlechtserkennung im Ei.

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