Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Jürgen Fliege auf der Terrasse seines Hauses in Tutzing (Bayern) im März 2012 Foto: imago stock&people /epd
© imago stock&people /epd

Ex-Fernsehpfarrer setzt auf Waldläufe gegen Corona Jürgen Fliege wird Mitglied bei Protestpartei „Die Basis“ 

Wegen seiner Nähe zur Esoterik stand der Ex-TV-Moderator in der Kritik. Jetzt tritt er in eine neue Partei ein, die Kritiker der Corona-Maßnahmen anspricht.

Der frühere TV-Seelsorger Jürgen Fliege engagiert sich einem Medienbericht zufolge für die Corona-Protest-Partei „Die Basis“. Der 74-jährige evangelische Theologe, der im vergangenen Jahr bei einer „Querdenker“-Veranstaltung aufgetreten war, habe seine Mitgliedschaft bestätigt, berichtet „Der Spiegel“.

Demnach trat Fliege im Frühjahr in die Partei ein. Er behaupte nicht, dass das Virus eine Erfindung sei, sagte Fliege dem Magazin, es sei auch gefährlicher als die Grippe. Die Lockdown-Maßnahmen seien jedoch nicht gerechtfertigt gewesen. Der ehemalige Fernsehpfarrer, der bis 2005 eine eigene Talkshow im Ersten hatte, forderte „Sondersendungen, die keine Angst machen“, sondern zeigten, „wie man sein Immunsystem stärkt, zum Beispiel mit Vitamin D und Waldläufen“.

Der ehemalige TV-Moderator stand in den vergangenen Jahren wegen einer Nähe zu Esoterik und einem Vertrieb umstrittener esoterischer Produkte wiederholt in der Kritik. Im Jahr 2011 stellte Fliege den Verkauf einer sogenannten Fliege-Essenz ein, der er angeblich persönlich durch Handauflegen und Beten heilende Kräfte verliehen habe. Die ehemalige Sektenbeauftragte des Landes Hamburg, Ursula Caberta, warf Fliege vor, Esoterik-Scharlatane und deren Methoden und Produkte hoffähig zu machen und ihnen einen Anstrich von Seriosität zu verleihen.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Die evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr aus Hannover hatte im November eine Veranstaltung der Initiative „Querdenken“ in München scharf kritisiert, auf der unter anderem Fliege aufgetreten war. Die Demonstration war zu einem Gottesdienst deklariert worden, weil die bayerischen Corona-Schutzverordnung für Freiluftgottesdienste im Gegensatz zu Demonstrationen keine Teilnehmerbegrenzung vorsah.

Fliege war Pfarrer in Düsseldorf, Essen und Aldenhoven bei Aachen, bevor er 1994 in der ARD mit einer nach ihm benannten Talkshow auf Sendung ging. Im Jahr 2005 wurde das Format eingestellt. Seit 2010 befindet er sich im Ruhestand. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu Gesundheitsthemen und zur Lebenshilfe.

„Babylon Berlin“-Star Volker Bruch hatte sich Anfang Mai in der „Welt am Sonntag“ zu Berichten geäußert, wonach er ebenfalls einen Mitgliedsantrag bei „Die Basis“ gestellt hat. Er finde den „basisdemokratischen Ansatz“ der Partei interessant, sagte er. „Für mich sind hier die Inhalte ausschlaggebend.“ Grundsätzlich sei eine Parteizugehörigkeit aber „etwas sehr Persönliches“, ihn habe die „öffentliche Skandalisierung“ gewundert, so Bruch. (epd)

Zur Startseite