Bundeskanzlerin Angela Merkel (l) und Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU), Bundesministerin der Verteidigung und CDU-Bundesvorsitzende. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Es rumort in der CDU Die Skepsis gegenüber Kramp-Karrenbauer wächst

Kann sie Kanzlerin? Quer durch die CDU sinkt das Zutrauen in die Parteivorsitzende – doch kaum einer drängt sich als Alternative auf. Eine Analyse.

Saarbrücken ist für Annegret Kramp-Karrenbauer eigentlich der ideale Heimspiel-Ort. Aber wenn sich am nächsten Wochenende die Junge Union an der Saar zur Vollversammlung beim Deutschlandtag trifft, darf die CDU-Vorsitzende nicht auf einen ähnlich freundlichen Empfang rechnen wie noch beim letzten Mal in Kiel. Da hilft ihr nicht mehr, dass Paul Ziemiak ihr Generalsekretär wurde; im Gegenteil. Der neue JU-Chef Tilman Kuban ist kein AKK-Fan, um das Mindeste zu sagen. Für Kramp-Karrenbauer droht der Auftritt bei der Parteijugend ein weiterer Termin zu werden, der sie dem Kanzleramt eher fern- als nahebringt.

Glaubt man den verschiedenen Umfragen, dann kann sie den Traum sowieso vergessen. Ihre persönlichen Beliebtheitswerte sinken seit Monaten, obwohl ihr im Sommer keine neuen Pannen passierten. Im neuen Zweitjob als Verteidigungsministerin kann Kramp-Karrenbauer sogar erste Erfolge verbuchen. Doch vom Bendlerblock aus schafft man es nur ganz ausnahmsweise zum Publikumsliebling.

Nun sind Beliebtheitswerte in Umfragen mit Vorsicht zu genießen. Angela Merkel landete im „Politbarometer“ im Oktober 2004 bei miesen minus 0,3 – ein Jahr später war sie Kanzlerin. Kramp-Karrenbauer steht mit minus 0,5 nicht mal so viel schlechter da. Ihre innerparteilichen Konkurrenten tauchen gar nicht erst unter den wichtigsten Zehn auf – anders als 2004, als ein gewisser Christian Wulff monatelang die Charts anführte.

Nicht ganz ernst zu nehmen ist auch die Umfrage, in der sich die „Bild“-Zeitung von Insa bescheinigen ließ, dass AKK in den Augen der Wähler keine Zukunft habe: „Ich traue Annegret Kramp- Karrenbauer das Kanzleramt nicht zu“, lautete die äußerst suggestive Vorgabe.

Die Skepsis geht quer durch die Partei

Ihr Problem sind eher die vielen in der eigenen Partei, die es ihr auch nicht mehr zutrauen. Die Skepsis geht quer durch Flügel und Altersgruppen. Sie geht einher mit einem Merkel-Bild, das nach dem Tiefpunkt bei Rücktritt vom Parteivorsitz wieder in den warmen Farben eines politischen Spätherbstes erstrahlt. Die Nur-Vorsitzende und Nur-Ministerin steht da plötzlich in einem großen Schatten. Andererseits: Viel mehr als mit den Füßen scharren und kleine Bissigkeiten verbreiten können ihre Widersacher derzeit auch nicht. Der Nordrhein-Westfale Armin Laschet und die einstigen Vorsitz-Mitbewerber Friedrich Merz und Jens Spahn nutzten neulich den Wahlsieg des Österreichers Sebastian Kurz als Vorwand, um „klare Haltung“ und „kurze Sätze“ als Erfolgsrezept zu preisen – speziell für kurze Sätze ist die Saarländerin ja nun nicht bekannt.

Doch schon die verhinderten Putschisten gegen Merkel mussten immer wieder die Erfahrung machen, dass es Zeitpunkt, Anlass und Gelegenheiten braucht, um eine Vorsitzende beiseite zu drängen, die qua Amt Anspruch auf die Nachfolge im Kanzleramt anmelden kann. Beim Parteitag im November steht nur die Nachwahl für den Vize-Posten an, den Ursula von der Leyen nach dem Wechsel nach Brüssel geräumt hat. Die Vorsitzende müsste es schon sehr falsch anstellen, dafür jemand als Kandidaten zu präsentieren, der bei den Delegierten durchfällt, und ihren Widersachern dadurch die Gelegenheit zum offenen Angriff zu bieten.

Streng beiseite genommen

Die offizielle Wiederwahl der Vorsitzenden steht erst beim Parteitag 2020 an. Wenn die SPD die Koalition nicht vorher sprengt, entscheidet dieser Parteitag in einem Jahr zugleich über die Kanzlerkandidatur. Bleibt Kramp-Karrenbauer bis dahin im Rennen, sind ihre Chancen selbst aus heutiger Sicht gar nicht so schlecht. Merz sehen inzwischen doch viele eher auf dem Weg in den Ruhestand, Spahn gilt nach wie vor als arg jung, Laschet löst kaum Begeisterung aus. Über Ambitionen und bundesweite Aussichten des CSU-Manns Markus Söder gehen die Meinungen auseinander. Keiner der Vier drängt sich als Alternative auf. Und angreifen trauen müsste er sich erst mal.

An der Stelle kommt nun freilich die Junge Union ins Spiel. Das Verhältnis der Parteijugend zur Chefin ist angespannt, seit das Konrad-Adenauer-Haus einen angeblichen konservativen Schwenk der JU für das schlechte Europawahl-Ergebnis verantwortlich machte. Gemeint war der bullige Niedersachse Kuban. Den musste AKK gleich nach seiner Wahl streng beiseite nehmen, als er Merkel „Gleichschaltung“ der CDU vorwarf.

In der „Bild am Sonntag“ ließ Kuban jetzt Sympathie für einen Antrag für den Deutschlandtag erkennen, über die Kanzlerkandidatur die Basis zu befragen. Kommt der Antrag in Saarbrücken durch, landet er wenig später beim CDU-Parteitag in Leipzig. Und da böte er vielleicht tatsächlich Anlass, Zeitpunkt und Gelegenheit, der Chefin ein Bein zu stellen.

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