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Drei tote türkische Soldaten, die beim Militäreinsatz im Nordirak gegen die PKK ums Leben gekommen sind, werden in Ankara zu Grabe getragen. Foto: AFP/Adem Altan
© AFP/Adem Altan

Ermordet oder bei Bombardement gestorben? Tod von 13 Türken in PKK-Gefangenschaft heizt den Konflikt weiter an

Nach dem Tod von 13 Türken in PKK-Gefangenschaft steht der Konflikt im Nordirak vor einer Eskalation. Nationalisten fordern eine Großoffensive.

Im Nordirak sind 13 türkische Gefangene der kurdischen Terrororganisation PKK getötet worden. Bei den Opfern handelt es sich um türkische Soldaten und Polizisten, die bereits seit Jahren in der Gewalt der Kurdenkämpfer waren. Sie starben beim jüngsten Vormarsch der türkischen Armee in den Irak. Nach Angaben von Ankara wurden die Gefangenen von der PKK mit Kopfschüssen ermordet. Die PKK sagt dagegen, die „Kriegsgefangenen“ seien bei Bombardements der türkischen Luftwaffe gestorben. Türkische Nationalisten fordern eine Großoffensive im Irak und in Syrien, um die PKK zu besiegen. Eine neue Eskalation steht bevor.

Bis Sonntag war der türkischen Öffentlichkeit nicht bekannt, dass die PKK so viele türkische Gefangene in ihrer Gewalt hat. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte, die Armee habe die Leichen der Getöteten bei ihrem Vorstoß im Gebiet des Gara-Berges im Nordirak in einem Höhlenkomplex entdeckt, der von der PKK bewacht wurde. Die Gefangenen seien von der PKK bei Beginn der jüngsten türkischen Intervention am vergangenen Mittwoch erschossen worden. Laut Akar wurden die Verantwortlichen für den Tod der Türken getötet oder gefasst.

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Der Nordirak wird von Autonomiebehörden irakischer Kurden regiert, ist zugleich aber Standort des PKK-Hauptquartiers. Ankara schickt seit den 1990er Jahren immer wieder Soldaten ins Nachbarland, um dort gegen PKK-Stellungen vorzugehen. Seit Mittwoch greifen die Türken die Stützpunkte der PKK um den Berg Gara mit der Luftwaffe, Kampfhubschraubern und Bodentruppen an.

Generalstabschef Yasar Güler sagte, die Soldaten rückten auf einer Front von 75 Kilometer Länge rund 25 Kilometer tief auf irakischen Boden vor, um die Kurdenkämpfer aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Damit sei der Vorstoß die bisher großflächigste türkische Intervention im Irak. Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums wurden bei der Offensive bis Sonntag 53 PKK-Kämpfer getötet, verletzt oder gefangen genommen. Außerdem starben demnach drei türkische Soldaten bei Gefechten, drei weitere wurden verwundet.

Innenpolitisch dürfte sich die Spannungen in der Türkei weiter verschärfen

Zu den türkischen Gefangenen erklärte das Ministerium, sie seien Zivilisten gewesen. Generalstabschef Güler sagte aber, es handele sich um militärisches „Personal“, das seit 2015 von der PKK verschleppt worden sei; damals waren Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Kurdenkonflikts in der Türkei gescheitert. Die türkischen Behörden identifizierten die meisten Opfer als Soldaten und Polizisten. Laut der PKK-nahen Nachrichtenagentur ANF waren auch Agenten des türkischen Geheimdienstes MIT darunter. Die kurdische Terrororganisation warf der türkischen Armee vor, den Höhlenkomplex bombardiert zu haben, obwohl sie gewusst habe, dass dort „Kriegsgefangene“ festgehalten wurden. Auch die Familienangehörigen der Gefangenen hätten vergeblich an Ankara appelliert. Nach Angaben der PKK sind noch weitere türkische Staatsbürger in Gefangenschaft im Nordirak. Die Terrororganisation erklärte laut ANF, der türkische Angriff sei zurückgeschlagen worden. Um diesen Misserfolg zu kaschieren, verbreite Ankara jetzt „Lügen“ über den Tod der Gefangenen.

Rechtsnationale fordern ein Verbot der Kurdenpartei HDP

Türkische Nationalisten forderten eine Großoffensive gegen die PKK im Irak und in Syrien. Wenn das nicht geschehe, werde die PKK den Terror wieder in türkische Städte wie Istanbul tragen, schrieb der Kolumnist Ibrahim Karagül auf Twitter. Innenminister Süleyman Soylu sagte, die Türkei wolle den amtierenden PKK-Chef Murat Karayilan, der im Irak vermutet wird, „in tausend Stücke reißen“. Innenpolitisch dürften sich die Spannungen weiter verschärfen. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan und ihre rechtsnationale Koalitionspartnerin, die MHP, werfen der Opposition vor, mit der legalen Kurdenpartei HDP zu kooperieren und so die PKK zu unterstützen. MHP-Chef Devlet Bahceli fordert ein Verbot der HDP.

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