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In Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern können sich Bürger am Strand impfen lassen. Foto: dpa/Stefan Sauer
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„Ein Anreiz von 25 Euro ist zu gering“ So lassen sich Unentschlossene zur Impfung bewegen

Um die vierte Corona-Welle zu verhindern, müssen sich mehr Menschen impfen lassen. Eine Professorin für Politisches Verhalten weiß, wie das gelingen könnte.

„Flatten the curve“, die Infektionskurve flach halten – das war die zentrale Forderung aus Wissenschaft und Politik zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Botschaft: Um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, müsse das Maß an täglichen Neuinfektionen möglichst geringgehalten werden.

Inzwischen ist der Slogan fast in Vergessenheit geraten, doch jetzt holt ihn das Bundesgesundheitsministerium wieder hervor. „Flatten the curve 2.0 – das ist die Aufgabe für Herbst und Winter“, heißt es in einem aktuellen Bericht über die Corona-Strategie des Ministeriums für die kommenden Monate, der dem Tagesspiegel vorliegt.

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Eine zentrale Rolle spielt dabei das Impfen. Das Ziel der Bundesregierung ist eine Impfquote von 90 Prozent bei den Über-60-Jährigen und mindestens 75 Prozent bei den zwölf- bis 59-Jährigen. Bislang ist nur fast die Hälfte der zwölf- bis 59-Jährigen vollständig geimpft. Bei den Über-60-Jährigen haben 80 Prozent ihre zweite Impfung erhalten. „Das zeigt, wie wichtig weitere Anstrengungen zur Steigerung der Impfquote sind“, heißt es in dem Papier. Doch wie lässt sich die Impfbereitschaft erhöhen?

Eine Idee des Ministeriums ist, Druck auf Ungeimpfte zu machen, indem man ihnen den Zugang zu Restaurants oder ins Theater verwehrt. „Generell können und müssen Geimpfte und Genesene aufgrund des deutlich reduzierten Risikos für sich und andere nicht mehr den gleichen Beschränkungen unterliegen wie nicht-geimpfte Personen“, heißt es in dem Papier.

„Freiheiten nur für Geimpfte“

Heike Klüver, Professorin für Politisches Verhalten an der Berliner Humboldt-Universität, hält das für eine erfolgsversprechende Strategie. In einer repräsentativen Befragung von 20.500 Personen hat sie untersucht, wie sich die Impfquote anheben lässt. „Wenn es Freiheiten nur für Geimpfte gibt, kann das die Impfbereitschaft deutlich steigern, um sechs Prozentpunkte in der Gruppe der Unentschlossenen“, sagt sie.

Auch finanzielle Angebote könnten helfen – sofern die hoch genug sind. „Ein Anreiz von 25 Euro ist zu gering. Bei 50 Euro lassen sich Unentschlossene zur Impfung bewegen“, sagt sie. Ab 50 Euro steigere sich der Impfwille bei den Unentschlossenen um fünf Prozentpunkte. Gratis-Donuts wie in den USA oder eine kostenlose Bratwurst, wie es sie zuletzt in einem Thüringer Impfzentrum gab, reichten wohl hingegen nicht aus.

Wichtig sei, das Impfen so einfach wie möglich zu machen und etwa weite Anfahrtswege oder Wartezeiten zu reduzieren. Hier könnten mobile Impfteams an belebten Orten wie Bahnhöfen oder Einkaufszentren helfen, sagt Klüver.

Das Bundesgesundheitsministerium pocht neben dem Impfen weiterhin auf Maskenpflicht und Abstandsregeln in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Einzelhandel – die sollen bis zum Frühjahr 2022 gelten. Auch die Bedeutung der häuslichen „Quarantäne von engen Kontaktpersonen und Einreisenden aus bestimmten Risikogebieten“ betont das Ministerium. Geimpfte und Genesene sollen von der Quarantänepflicht jedoch ausgenommen werden.

[Mehr zum Thema: Wenn der Corona-Schutz nachlässt: Warum Auffrischungsimpfungen dringend nötig sind – und für wen (T+)]

Die Bundesländer werden vom Gesundheitsministerium aufgefordert, weiterhin für regelmäßige Tests in Kitas und Schulen zu sorgen. „Ausbrüche in Schulen und Kitas werden bei steigender Inzidenz in der Gesamtbevölkerung erwartbar wieder zunehmen.“ Die Länder sind deshalb angehalten in den Kitas und Schulen „Test-, Lüftungs- und Hygienekonzepte“ umzusetzen. Das gleiche gilt für Alten- und Pflegeheime. Für deren Bewohnerinnen und Bewohner planten Bund und Länder „bereits rechtzeitige Auffrischimpfungen“.

Dass in Herbst und Winter die Bewegungsfreiheit erneut eingeschränkt werden muss, schließt das Gesundheitsministerium nicht aus. Angesichts der fortgeschrittenen Impfkampagne heißt es aber auch: „Ein so einschneidender Lockdown wie in der zweiten und dritten Welle wird aller Voraussicht nach nicht mehr notwendig sein.“

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