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Uvalde, Texas: Nach der Bluttat sitzen Menschen am Rande einer Absperrung. Foto: AFP
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Die Republikaner und das Massaker in Uvalde Wie verbohrt müssen die Waffenrechtsfanatiker sein?

An Tagen wie diesen zeigen die Republikaner, wes Geistes Kind sie sind. Sie wollen nicht die Schwächsten schützen, sondern Kulturkämpfe gewinnen. Ein Kommentar.

Längst ist Wut in Verachtung umgeschlagen. Nur noch widerwillig werden die "thoughts and prayers" zur Kenntnis genommen, die Gedanken  und Gebete, die Anteilnahme ausdrücken sollen, aber vor allem von Hilflosigkeit zeugen. Wieder werden Nachrufe geschrieben, Tränen vergossen. Und jeder weiß: Es wird wieder geschehen.

Waffen töten Menschen. Viele Waffen töten viele Menschen. Das ist so klar, dass es lächerlich wirkt, es aufschreiben zu müssen. Amerika verzeichnet Rekordzahlen über Waffenkäufe, Morde und Massaker. Bald wird der texanische Ort Uvalde ein weiteres Element in diesen Statistiken sein.

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Der texanische Gouverneur Greg Abbott, ein Republikaner, nennt das Verbrechen, durch das 19 Kinder und zwei Erwachsene ums Leben kamen, "unbegreiflich". Er selbst war es, der das Tragen von Schusswaffen in seinem Bundesstaat erleichtert hat. Der texanische Senator Ted Cruz, ein Republikaner, warnt davor, ein Massaker dieser Art zu politisieren. Übersetzt heißt das: Mit solchen Taten müssen wir uns arrangieren, damit nur ja nicht das Recht auf Waffenbesitz angetastet wird.

Wie verbohrt müssen die Waffenrechtsfanatiker sein?

Das ist nicht konservativ, sondern menschenfeindlich. Beim Thema Abtreibung geben dieselben Politiker vor, "pro life" zu sein, für das Leben. Die Schwächsten der Gesellschaft müssten geschützt werden, sagen sie. Das soll anständig, tugendhaft, moralisch klingen.

Aber die Schwächsten der Gesellschaft sitzen auch in Schulklassen, haben Träume, Ziele und das Leben vor sich. Es sei denn, es kommt einer, der gerade 18 Jahre alt geworden ist und sich deshalb in Texas völlig legal zwei Flinten kaufen darf, mit denen er dann auf Menschenjagd geht. Wie verbohrt müssen die Waffenrechtsfanatiker sein, um solche Realitäten verdrängen zu können?

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Dieselben Politiker, die angeblich die Schwächsten schützen wollen, revoltierten in den USA während der Corona-Pandemie gegen die Maskenpflicht. "Mein Körper gehört mir", schrieben ihre Anhänger auf Plakate. Um irgendeine skurrile Idee von der Freiheit zu retten, wurde in Kauf genommen, dass sich alte und vorbelastete Menschen infizieren und auf Intensivstationen sterben. Schließlich müssten Arbeitsplätze gesichert und der Wohlstand bewahrt werden.

Bald beginnt die Jahresversammlung der Waffenlobby NRA

An Tagen wie diesen zeigen die Republikaner, wes Geistes Kind sie sind. Sie lieben die radikale Attitüde, die Härte in der Rhetorik, den ideologischen Furor, die Polarisierung. Gegen Einsichten und die Überzeugungskraft von Argumenten haben sie sich immunisiert. Sie wollen nicht die Schwächsten schützen, sondern Kulturkämpfe gewinnen. Das ist bigott, obszön, verwerflich.

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Donald Trump hat diesen Extremismus befördert, vielleicht auch bloß freigesetzt. Kaum etwas illustriert die Verblendung vieler Republikaner besser als die Tatsache, dass ein Großteil von ihnen an die große Lüge von einer gestohlenen Präsidentschaftswahl glaubt. Gegen alle Evidenz.

Wie es der Zufall will, beginnt an diesem Donnerstag die Jahresversammlung der gut organisierten amerikanischen Waffenlobby NRA (National Rifle Association). Im "George R. Brown Convention Center" in der texanischen Stadt Houston werden 55.000 Teilnehmer erwartet. Zu den Rednern  gehören Trump, Abbott und Cruz. Absagen habe es nach dem Massaker in Uvalde nicht gegeben, versicherten die Veranstalter. Das Programm bleibe unverändert.

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