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Die Ereignisse vom Freitag zum Nachlesen Unruhen in der arabischen Welt

Die wütenden Proteste gegen einen islamfeindlichen US-Film in der islamischen Welt haben sich nun auch gegen Deutschland gerichtet. Tausende Demonstranten steckten am Freitag die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum in Brand, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bestätigte. In vielen weiteren muslimischen Ländern, darunter der Libanon und Tunesien, gab es teils gewaltsame Proteste.

Die deutsche Botschaft in Khartum sei gestürmt und „teilweise in Flammen gesetzt worden“, sagte Westerwelle in Berlin. Einige der rund 5000 Demonstranten rissen auf dem Gebäude zudem die deutsche Flagge herunter und hissten eine islamistische Fahne, wie ein AFP-Reporter berichtete. Zum Glück seien die Botschaftsmitarbeiter nicht zu Schaden gekommen und in Sicherheit, sagte Westerwelle.

Das Auswärtige Amt warnte auf seiner Webseite vor einem weiteren Aufruf islamistischer Gruppen zu einer Demonstration am Sonntag vor der deutschen Botschaft. Angesichts der gewalttätigen Proteste gegen den islamfeindlichen US-Film „Unschuld der Muslime“ hatte die Bundesregierung am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Auslandsvertretungen in islamischen Ländern verschärft.

Auch die nahe gelegene britische Botschaft in Khartum wurde am Freitag angegriffen. Danach versuchten etwa 10.000 Demonstranten, zur US-Botschaft vorzudringen. Die Sicherheitskräfte feuerten Warnschüsse ab, wie ein AFP-Reporter berichtete. Ein Demonstrant starb, als ein Polizeifahrzeug ihn überfuhr.

Video: Wütender Mob stürmt US-Botschaft im Jemen

Zu gewaltsamen Ausschreitungen kam es auch im Libanon, wo Papst Benedikt XVI. sich zu einem Besuch aufhielt. Etwa 300 Islamisten zündeten ein US-Schnellrestaurant in Tripoli an, wie ein AFP-Journalist berichtete. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Demonstrant erschossen, 25 weitere Menschen wurden verletzt.

Über dem Gelände der US-Botschaft in einem Vorort von Tunis stieg dichter schwarzer Rauch auf, nach Polizeiangaben hatten Demonstranten Molotowcocktails auf den Parkplatz geworfen. Die Polizei feuerte Warnschüsse ab.
Auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gab die Polizei Warnschüsse ab und setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, als hunderte Demonstranten zur US-Botschaft marschieren wollten. Am Donnerstag waren vier Menschen bei Protesten vor der US-Botschaft in Sanaa getötet worden.

In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka versammelten sich etwa 10.000 Demonstranten und verbrannten israelische und US-Flaggen. Das iranische Staatsfernsehen meldete tausende Demonstranten in Teheran, in der syrischen Hauptstadt Damaskus organisierten knapp 200 Demonstranten ein Sit-in vor der derzeit geschlossenen US-Botschaft. Im Gazastreifen demonstrierten tausende Menschen, in Ost-Jerusalem gab es bei Zusammenstößen zwischen hunderten Palästinensern und der israelischen Polizei fünf Verletzte.

Weitere Kundgebungen fanden in Marokko, Indonesien, Jordanien, Pakistan, Indien und im Irak statt. In Afghanistan waren die Behörden in erhöhter Alarmbereitschaft, im Osten des Landes wurden bei Protesten Bilder von US-Präsident Barack Obama verbrannt.

Die Proteste hatten am Dienstag in Kairo begonnen, wo Islamisten die US-Botschaft stürmten. In der libyschen Küstenstadt Bengasi wurden am selben Tag bei einem Angriff auf das US-Konsulat der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter getötet, auch libysche Sicherheitskräfte starben.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es am Freitag weiter wiederholt Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten vor der US-Botschaft. Die mächtige Muslimbruderschaft nahm einen Aufruf zu landesweiten Protesten angesichts der Gewalteskalation der vergangenen Tage zurück. Staatschef Mohammed Mursi, früher selbst Mitglied der Muslimbruderschaft, warnte, der islamfeindliche Film sei eine „Aggression“, die „Zwietracht säen“ solle und von den wirklichen Problemen im Nahen Osten ablenke.

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