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Südafrika ist ein Partner, den Olaf Scholz (hier zusammen mit Präsident Matamela Cyril Ramaphosa) zum G7-Gipfel nach Deutschland geladen hat. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Des Kanzlers Mission in Afrika Olaf Scholz gegen die Zweiteilung der Welt

Warum besucht der Bundeskanzler so früh in seiner Amtszeit drei afrikanische Länder? Die Antwort: Weil Zusammenarbeit deutschem Interesse dient. Ein Kommentar.

Flüchtet der Kanzler vor der nicht enden wollenden Debatte um deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine? Verkennt er Prioritäten angesichts des Krieges, wenn er drei Tage nach Afrika reist? Solche und ähnliche Fragen wurden ventiliert, als Olaf Scholz von Sonntag an Niger, Senegal und Südafrika besuchte. Doch der Sozialdemokrat hatte sich aus guten Gründen für sein Arbeitsprogramm im Süden entschieden.

Um Zusammenarbeit bei der Energieförderung, um Sicherheit, Handel und Klimaschutz ging es bei den Gesprächen in den Gastländern – um große Themen, die Deutschland in den kommenden Jahren bearbeiten muss. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine hat der Republik die Augen dafür geöffnet, wie abhängig sie von russischer Energie ist. Diversifizierung ist die Lehre daraus, weshalb im Senegal eine Gaskooperation und in Südafrika Wasserstoffprojekte besprochen wurden. Der Nachbarkontinent als Energielieferant – das scheint eine gute Alternative.

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Auch für die Sicherheit ihrer Region und Deutschlands sind die drei Gastländer wichtig. Viele der mehr als 50 afrikanischen Staaten enthielten sich, als eine große Mehrheit der VN-Staaten den russischen Angriffskrieg Anfang März verurteilte – darunter das Schwellenland Südafrika, das zur BRICS-Gruppe gehört (neben Brasilien, Russland, Indien, China).

In afrikanischen Konflikten spielt Russland eine häufig destabilisierende Rolle, man denke nur an die „Gruppe Wagner“. Scholz will verhindern, dass sich in der neuen Weltordnung Schwellen- und Entwicklungsländer gegen die Industriestaaten (G7) stellen. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Austausch und mehr Zusammenarbeit sind Instrumente, welche eine solche Entwicklung verhindern können. 

In Niger wurde der deutsche Kanzler von der Ehrenformation der Nigrischen Armee empfangen, bevor er Bundeswehrsoldaten sprach, die dort zur Ausbildung der Nigrischen Soldaten stationiert sind.  Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
In Niger wurde der deutsche Kanzler von der Ehrenformation der Nigrischen Armee empfangen, bevor er Bundeswehrsoldaten sprach, die dort zur Ausbildung der Nigrischen Soldaten stationiert sind.  © Michael Kappeler/dpa

Die Knappheit an Lebensmitteln und die explodierenden Energiepreise infolge von Russlands Krieg treffen viele afrikanische Länder hart – auch darum ging es etwa im Senegal, der gegenwärtig die Afrikanischen Union (AU) anführt. Schon die Corona-Pandemie hatte zu einem bis dahin beispiellosen Kapitalabfluss aus dem globalen Süden geführt.

Die neue Lebensmittelkrise kann bisherige Abnehmer ukrainischen Weizens in Hunger stürzen und Länder destabilisieren. Dass Scholz sich vor Ort um Verständnis für die eigene Position bemüht und gegen Schuldzuweisungen an den Westen argumentiert, ist nur vernünftig.

China und Russland bauen ihren Einfluss in Afrika kontinuierlich aus. Wenn Deutschland ihnen die Region nicht überlassen will, muss es sich politisch und wirtschaftlich stärker auf dem Kontinent engagieren. Scholz’ Reise kann da nur ein Anfang sein. Denn es gilt die Regel: Wer starken Autokratien die Stirn bieten will, braucht viele Verbündete auf dieser Welt.

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