In immer mehr Fußgängerzonen herrscht Maskenpflicht - wie hier in München. Foto: imago images/Sven Simon
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Delmenhorst mit einer Inzidenz von 207,5 Nun 99 Landkreise in Deutschland über dem Warnwert

Die Zahl der Landkreise, die die 50er Schwelle überschreiten, nimmt zu. Rund ein Dutzend liegt schon deutlich über 100.

Rund 400 Kilometer trennen Weimar und Delmenhorst. Während der Landkreis in Thüringen in diesen Tagen aber einem Paradies gleichkommt, sollte man ums niedersächsische Delmenhorst besser einen großen Bogen machen.

Als einziger Landkreis in Deutschland hat Weimar in den vergangenen sieben Tage nämlich keine neuen Corona-Fälle gemeldet. Ganz anders in Delmenhorst: Hier liegt die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner bei 207,5. Das ist der Höchstwert in Deutschland, wie aus wie aus Berechnungen des Tagesspiegel Innovation Lab hervorgeht, die sich auf die gemeldeten Zahlen der Gesundheitsämter beziehen.

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Demnach gibt es (Stand 18. Oktober) aktuell 99 Landkreise mit mehr als 50 neuen Corona-Fällen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz). Sie überschreiten also den von der Bundesregierung festgelegten Warnwert. Rund ein Dutzend Landkreise hat sogar Werte, die die 50er-Schwelle um das Doppelte oder Dreifache überschreiten.

Besonders betroffen sind neben Delmenhorst auch das Berchtesgardener Land in Bayern (Inzidenz bei 161,7), Cloppenburg in Niedersachsen (153,5), St.Wendel im Saarland (149,9) und der Eifelkreis Bitbürg-Prüm (130,9) in Rheinland-Pfalz (130,9). Zum Vergleich: Für Berlin liegt dieser Wert aktuell bei 90,5.

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Am Samstag hatte mit 7830 die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert erreicht. Am Sonntag meldeten die Gesundheitsämter erwartungsgemäß weniger neue Infektionen binnen 24 Stunden. Das RKI gab den Wert mit 5587 an. An Sonntagen wie auch an Montagen sind die erfassten Fallzahlen aber meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.

Was folgt nun aus diesen hohen Zahlen? Reichen Maßnahmen aus, die Bund und Länder Mitte der Woche getroffen haben?

Es komme nun auf die Bürger an - so die zentrale Botschaft der Kanzlerin am Wochenende: „Wie der Winter wird, wie unser Weihnachten wird, das entscheidet sich in diesen kommenden Tagen und Wochen. Das entscheiden wir alle durch unser Handeln.“

Lauterbach warnt vor „lokalen Shutdowns“

Angela Merkel nutzte ihre am Samstag veröffentlichte wöchentliche Videobotschaft zu einem eindringlichen Appell: „Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort.“ Es komme nun zentral darauf an, die Kontaktpersonen jedes infizierten Menschen zu benachrichtigen, um Ansteckungsketten zu unterbrechen.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach appellierte am Sonntag an die Vernunft der Bürger: „Es wird darauf ankommen, wie sich die Bevölkerung verhält.“ Viele Auflagen ließen sich ohnehin schwer überprüfen. Man müsse vor allem den R-Wert senken. Sonst stiegen die täglichen Fallzahlen innerhalb kürzester Zeit so stark an, dass die Kliniken und Gesundheitsämter überlaufen werden. „Dann kommen lokale Shutdowns.“

Lambrecht fordert Augenmaß bei Einschränkungen

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) fordert unterdessen Augenmaß bei den Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie. „Bei allen Maßnahmen müssen wir stets darauf achten, dass sie gut begründet und für die Bürger nachvollziehbar sind“, sagte Lambrecht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Nur so können wir die hohe Zustimmung der Bevölkerung erhalten.“

Ein Blick in andere EU-Staaten zeigt, was Deutschland drohen könnte. In Slowenien stellte das Gesundheitsamt wegen der rasch steigenden Zahl von Infektionen die Nachverfolgung der Kontakte von positiv getesteten Menschen ein. Man sei nicht mehr in der Lage, die große Zahl der Fälle zu bewältigen, hieß es.

In den Niederlande werden Kneipen, Cafés und Restaurants geschlossen. Die Bürger sollen Busse und Bahnen nur noch in dringenden Fällen nutzen. In Paris und anderen französischen Städten trat in der Nacht zum Samstag eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft. (mit dpa)

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