Christian Drosten spricht täglich mit einer Journalistin des NDR über den aktuellen Stand der Coronapandemie. Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch
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Corona-Update mit Christian Drosten „In zwei bis drei Monaten haben wir zuverlässige Antikörpertests“

Paul Gäbler

Im NDR-Podcast spricht sich Chefvirologe Christian Drosten erneut für flächendeckende Antikörpertests aus. Außerdem glaubt er, dass die neuen Maßnahmen wirken.

Christian Drosten, Chefvirologe an der Charité Berlin, hat Deutschland im Umgang mit dem Coronavirus gelobt. Entgegen der öffentlichen Meinung teste Deutschland überdurchschnittlich häufig auf eine mögliche Infektion mit dem neuartigen Erreger. „Leider begeben sich viele in die Öffentlichkeit, wenn sie nicht getestet wurden“, sagte er in der neuen Ausgabe des Corona-Update Podcast von NDR-Info. Die allerwenigsten würden leider darauf hinweisen, wenn das Verfahren einwandfrei funktioniert habe.

Beim sogenannten PCR-Test werden einzelne DNA-Stränge vervielfältigt und miteinander abgeglichen. Somit könne treffsicher bestimmt werden, ob es sich bei einem Virus auch um das gesuchte handele. Das Testverfahren würde meistens über einen einfachen Rachenabstrich vorgenommen. Ein Problem sei allerdings, dass bei einigen Krankheitsverläufen bereits ab der zweiten Woche keine Viren mehr im Rachenbereich vorzufinden sind und sich bereits in der Lunge angesammelt haben. 

Hintergrund über das Coronavirus:

Der Virologe warnte vor unsachgemäß durchgeführten Selbsttests. Bei manchen Fällen sei ein Abstrich über die Nase erforderlich, diese Prozedur sei allerdings vergleichsweise schmerzhaft. Am sichersten sei Drosten zufolge eine Stuhlprobe, da die Viren dort bis zu drei Wochen nach Infektion noch nachweisbar sind.  

„Die Maßnahmen zeigen einen ersten Effekt.“

Die geringe Sterblichkeit in Deutschland, die aktuell bei ca. 0,5 Prozent liegt, mache deutlich, wie häufig in Deutschland getestet werden würde. Inzwischen würden die täglich neu dazugekommenen Fälle nicht mehr ansteigen. „Es zeigt, dass die Isolationsmaßnahmen einen ersten Effekt zeigen, nach noch nicht mal einer Woche.“

Erneut sprach sich Drosten für flächendeckende Antikörpertests aus. Diese seien in der Entwicklung und „innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate auch flächendeckend einsetzbar.“ Etwa zehn Tage nach der Infektion beginne der Organismus Antikörper zu entwickeln, die den Rezeptor für das Virus blockieren und den Empfänger somit immun machen. „Wenn man die Infektion überstanden hat, dann hat man sie überstanden“, sagte Drosten

„Antikörpertests insbesondere für Krankenhauspersonal sinnvoll“

Mit dem sogenannten ELISA-Test könne durch eine Blutprobe innerhalb von einem Tag nachgewiesen werden, ob sich bereits Antikörper gebildet haben. Das wäre insbesondere für Krankenhauspersonal eine große Entlastung, da sich so feststellen ließe, wer bereits eine Immunität gegenüber der Erkrankung hat. 

Stichprobenartige Test hält Drosten nicht für sinnvoll, da es aktuell noch zu viele Patienten gäbe, die dringend auf einen Soforttest angewiesen sind. Die Herdenimmunität würde sich ohnehin rasch einstellen.

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