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Dieser Screenshot aus einem Video des Eastern Theater Command der Volksbefreiungsarmee (PLA) zeigt den Abschuss einer Rakete während einer chinesischen Militärübung in China am 4. August 2022. Foto: PLA EASTERN THEATER COMMAND/ESN / AFP
© PLA EASTERN THEATER COMMAND/ESN / AFP

Update China simuliert „Angriffsfähigkeiten“ Militärmanöver im Grenzgebiet Taiwans sollen am Sonntag enden

China schickte eine „Rekordzahl“ an Militärmaschinen in Richtung Taiwan. Viele davon überqueren die Grenze. Taiwan antwortete mit Leuchtraketen.

China hat seine großangelegten Manöver um Taiwan am Sonntagmorgen fortgesetzt. Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen verurteilte die Übungen als „unverantwortliche Bedrohung“ nicht nur in der Meerenge der Taiwanstraße, sondern auch für die ganze Region.

Wie Taiwans Militär in Taipeh berichtete, hätten sich allein am Vortag 20 chinesische Militärflugzeuge und 14 Kriegsschiffe an den Übungen beteiligt. Auch wurden wieder chinesische Drohnen über der vorgelagerten taiwanischen Insel Kinmen beobachtet, die nur zehn Kilometer von der Hafenstadt Xiamen an der chinesischen Küste entfernt liegt.

Seit den 50er Jahren hatte es nach Angaben von Experten keinen Überflug der auch Quemoy genannten Insel gegeben. Die chinesische Führung in Peking hatte die Manöver als Reaktion auf den Besuch der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, diese Woche in Taipeh gestartet.

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Taiwan wirft China „Simulation eines Angriffs“ vor

Das Verteidigungsministerium in Taipeh hatte die Manöver am Samstag als „Simulation eines Angriffs auf Taiwans Hauptinsel“ eingestuft Der taiwanische Außenminister Joseph Wu verurteilte „diese gefährliche militärische Eskalation der militärischen Bedrohung, die Frieden und Stabilität in der Region zerstört“.

Chinas Ostkommando bestätigte, dass „Angriffsfähigkeiten“ geübt worden seien. Die Manöver dienen nach Angaben von chinesischen Experten auch der Vorbereitung einer Invasion der 23 Millionen Einwohner zählenden Insel.

Taiwans Präsidentin schrieb auf Facebook, die Streitkräfte des Landes an der Frontlinie schützten weiter die nationale Sicherheit, während das diplomatische Team die internationale Gemeinschaft über Taiwans Entschlossenheit unterrichte, seine Souveränität, Demokratie und Freiheit zu verteidigen.
Taiwans höchste Vertreterin in Washington, Hsiao Bi-khim, wurde mit den Worten zitiert: „Wir wollen keinen Krieg. Wir wollen Frieden. Wir werden alles tun, um zu deeskalieren. Aber wir werden unsere Freiheit nicht ausliefern.“

Manöver sollen am Sonntag enden

Die Übungen sollen an diesem Sonntag enden. Es ist die größte militärische Machtdemonstration Chinas gegenüber Taiwan seit Raketenübungen Mitte der 90er Jahre, als die USA zwei Flugzeugträger in die Region um Taiwan entsandt hatten.
Die Visite Pelosis in der demokratischen Inselrepublik war die ranghöchste aus den USA seit einem Vierteljahrhundert. China ist verärgert, weil es Taiwan für sich beansprucht. Es sieht die Insel als Teil der Volksrepublik an, droht mit einer Eroberung und lehnt offiziellen Kontakte anderer Länder vehement ab. Die Taiwaner verstehen sich aber schon lange als unabhängig.

China schickte „Rekordzahl“ an Militärmaschinen Richtung Taiwan

Auf dem Höhepunkt der Manöver am Donnerstag hatte Chinas Luftwaffe nach Angaben des östlichen Kommandos der Volksbefreiungsarmee mehr als 100 Einsätze mit Kampfjets, Bombern, Frühwarn- und Tankflugzeugen sowie anderen Militärmaschinen geflogen. Wie das Außenministerium in Taipeh berichtete, hatte die China eine „Rekordzahl“ von Militärmaschinen und Marineschiffen in die Gewässer nahe der demokratischen Inselrepublik geschickt.

Viele von ihnen hätten auch die inoffizielle, aber bislang von beiden Seiten meist respektierte Mittellinie der Meerenge der Taiwanstraße überquert, die das Festland und Taiwan trennt.

Bei den Manövern hatte China auch elf ballistische Raketen in Richtung Taiwan gestartet, von denen nach Berichten eine sogar erstmals direkt über Taiwan und unweit der Hauptstadt Taipeh flogen. Fünf landeten östlich von Taiwan in der nahe gelegenen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Japans, was auch als Warnung an Tokio gewertet wurde, sich aus dem Konflikt herauszuhalten.

Dieser Screenshot aus einem vom chinesischen Staatssender CCTV veröffentlichten Video zeigt einen chinesischen Militärjet, der am 5. August 2022 im Rahmen von Militärübungen in der Nähe von Taiwan fliegt. Foto: CCTV / AFP Vergrößern
Dieser Screenshot aus einem vom chinesischen Staatssender CCTV veröffentlichten Video zeigt einen chinesischen Militärjet, der am 5. August 2022 im Rahmen von Militärübungen in der Nähe von Taiwan fliegt. © CCTV / AFP

Taiwan setzte Leuchtraketen als Warnung ein

Taiwan hatte bereits  Leuchtraketen zur Warnung auf chinesische Drohnen geschossen, die über den taiwanesischen Kinmen-Inseln, zwei Kilometer vor der Küste Chinas flogen. Weitere Leuchtraketen wurden zur Warnung bei nicht identifizierten Flugzeugen über den Matsu-Inseln eingesetzt. Dies gab das Verteidigungsministerium in Taiwan am Samstag bekannt.

Beide taiwanesischen Inselgruppen liegen direkt vor der Küste des chinesischen Festlands. Das Ministerium erklärte, seine Truppen seien in beiden Gebieten in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden.

Chinas Aussetzung des Klima-Dialogs sei „zutiefst unverantwortlich“

Die Beziehungen zwischen China und den USA bleiben nach dem Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, weiterhin angespannt. So setzte China den Dialog mit den USA im Klimaschutz aus.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, John Kirby, kritisierte diese Entscheidungen als „zutiefst unverantwortlich“. Weiter hieß es „Sie glauben, dass sie uns bestrafen, indem sie diesen Kanal schließen. In Wirklichkeit bestrafen sie die ganze Welt, denn die Klimakrise kennt keine geografischen Grenzen.“

In in einem Einkaufszentrum in Peking, China, wird am 3. August 2022 in einer CCTV-Nachrichtensendung eine Karte von Orten rund um Taiwan gezeigt, wo aktuell militärische Übungen durchgeführt werden. Foto: Thomas Peter/REUTERS Vergrößern
In in einem Einkaufszentrum in Peking, China, wird am 3. August 2022 in einer CCTV-Nachrichtensendung eine Karte von Orten rund um Taiwan gezeigt, wo aktuell militärische Übungen durchgeführt werden. © Thomas Peter/REUTERS

Kooperation wie im Kampf gegen Verbrechen, Drogen und zur Rückführung illegal eingereister Menschen wurden zudem ganz gestrichen. Zusätzlich verhängte Peking nicht näher beschriebene Sanktionen gegen Pelosi und ihre direkten Familienmitglieder. Chinas Führung wirft ihr vor, sich „ernsthaft in innere Angelegenheiten eingemischt“ zu haben.

Die US-Regierung rief China am Freitag zur sofortigen Einstellung der Manöver auf. „Die Chinesen können viel dafür tun, die Spannungen zu verringern, indem sie einfach ihre provokanten Militärübungen beenden und ihren Ton mäßigen“, erklärte Kirby weiter. Die USA wollten ihre militärischen Kontakte mit der Volksrepublik „auf höchstem Niveau“ aufrechterhalten.

Blinken: Sicherheitsbündnis mit den Philippinen könne „noch stärker werden“

Derweil traf US-Außenminister Antony Blinken am Samstag in Manila den neuen Staatschef der Philippinen, Ferdinand Marcos Jr. Blinken würdigte dabei das Bündnis zwischen beiden Staaten: „Das Bündnis ist stark, und ich glaube, es kann sogar noch stärker werden.“ Marcos sprach von einer „besonderen Beziehung“ beider Länder.

Die USA und die Philippinen verbindet ein Sicherheitsbündnis. Washington hat Manila wiederholt in Streitigkeiten mit Peking über Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer unterstützt. (AFP,dpa,Reuters)

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