Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten für das Diplomatische Korps im Schloss Bellevue vor Versammelten. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Bundespräsident und Nuntius mahnen zum Frieden Ringen um eine menschenwürdige Zukunft

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt Botschafter aus fast 150 Ländern im Schloss Bellevue und warnt vor weiterem Vertrauensverlust.

Gefährlich blitzen nur die Stiletto-Absätze mancher Botschafterinnen, die beim jährlichen Defilee zum Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ihre guten Wünsche überbringen. Allein die Namen der knapp 150 Nationen, die ihre Repräsentanten ins Schloss Bellevue geschickt haben am Dienstag bergen schon eine Menge Konfliktpotenzial.

Das spiegelt sich im Gesichtsausdruck des Präsidenten, der immer freundlich, aber manchmal ernst freundlich ist, wie beim iranischen Botschafter und dann wieder heiter freundlich wie beim Vertreter der Schweiz. Nicht dabei war der Botschafter der USA. Den Anfang machte der Doyen des Diplomatischen Corps, der Apostolische Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic, der für die versammelten Botschafter beim Empfang  im Anschluss auch eine Ansprache hielt.

In seiner Grußadresse drängte er darauf, dass die Beziehungen zwischen den Staaten von der Kraft des Rechts und nicht von der Macht der Gewalt bestimmt sein müssten. Die Zahl der Kriege und terroristischen Gruppen weltweit sei erschreckend. Im letzten Jahr seien 69 Staaten in Kriege verwickelt gewesen.

Auch den Klimawandel und die internationale Migration sprach er an. Der halbjährige Ratsvorsitz Deutschlands in der Europäischen Union, der am 1. Juli beginnt, und die NATO-Mitgliedschaft sieht er als günstige Gelegenheiten, Initiativen zur Förderung des Friedens zu verstärken.

Der Bundespräsident äußerte sich tief besorgt „über den Abgrund und die unabsehbaren Folgen einer Entwicklung, in der die Staaten nichts mehr geben auf einen Geist der Verständigung und der gemeinsamen Verantwortung“. Er hoffe, dass das Erschrecken über die Eskalation der letzten Tage und ihre katastrophalen Folgen einen Impuls zum Umdenken gibt, „zurück zum mühsamen, harten, aber so notwendigen Versuch, Vertrauen aufzubauen“, sagte er.

Wenn er auf das Jahr 2019 zurückblicke, sehe er zu viele unbefriedete Konflikte, zu viel Leid und Gewalt. „Aber ich sehe auch rund um die Welt viele mutige, selbstbewusste Menschen, die Würde, Respekt und Chancen für eine menschenwürdige Zukunft einfordern, die diese Zukunft selbst mitgestalten wollen“, schloss er mit einer hoffnungsvollen Note.

Frieden beginnt mit guten Gesprächen. Auch dazu bot der Vormittag, zu dem die Herren, wo nicht in Nationaltracht im traditionellen Cut erschienen, reichlich Gelegenheit.

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