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Bürgermeisterwahl in New York Ein Macher für die Metropole

Die Pandemie hat New York besonders hart getroffen. Nun lebt Amerikas bevölkerungsreichste Stadt wieder auf – und sucht einen neuen Bürgermeister.

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Eric Adams gilt als Favorit bei den Vorwahlen der Demokraten. Wenn er sich da durchsetzt, gilt seine Wahl zum Bürgermeister als sicher. Foto: Juliane Schäuble Vergrößern
Eric Adams gilt als Favorit bei den Vorwahlen der Demokraten. Wenn er sich da durchsetzt, gilt seine Wahl zum Bürgermeister als sicher. © Juliane Schäuble

Eric Adams kommt zu spät. Mehr als eine Stunde später als angekündigt läuft der 60-Jährige auf die Restoration Plaza in Brooklyn, einen etwas heruntergekommenen Platz vor einer Postfiliale und Geschäften mit Billig-Angeboten. Es ist heiß an diesem Samstag Mitte Juni. Adams trägt kein Jackett über seinem weißen Hemd, als er sich schnellen Schrittes durch die rund 80 geduldig wartenden Anhänger schiebt.

Eine Marching Band macht Stimmung, Adams tänzelt breit lachend zum Rhythmus der Trommler, mal reckt er die Fäuste wie zu einem Boxkampf. Dann beginnt er seine Rede, eine der letzten von vielen, die er vor diesem Dienstag gehalten haben wird. Sie klingt siegessicher.

Adams hat sich im Finale des demokratischen Vorwahlkampfs für das Bürgermeisteramt in New York zum Favorit entwickelt. Brooklyns erster schwarzer Bezirkspräsident, der als Teenager von Polizisten misshandelt wurde und später selbst Polizist wurde, um, wie er sagt, das System „von innen zu reformieren“, wirbt mit langjähriger Erfahrung auf lokaler Ebene, damit, dass er wisse, was die Bürger sorgt.

„Ich bin weit entfernt davon, zu ermüden“, sagt er. Ausruhen könne er sich am Mittwoch. Müde sei er, weil 65 Prozent der Kinder mit dunklerer Hautfarbe in der Stadt nie einen Highschool-Abschluss machten. „Ich habe es satt, auf Sofas zu sitzen, wie ich es gerade wieder mit Justins Mama in Rockaway gemacht habe, einem zehnjährigen Baby, das wenige Tage vor seinem Geburtstag erschossen wurde.“

Die Demokraten bestimmen ihren Kandidaten an diesem Dienstag

Oder dass langjährige Mieter skrupellos aus ihren Wohnungen geschmissen würden. Und er habe auch genug davon, dass die Polizei nicht alle Bürger mit dem gleichen Respekt behandele. Jeder seiner Sätze wird beklatscht, diese Themen sind hier in der Gegend allzu gut bekannt.

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Wenn die Wahllokale am Dienstagabend schließen, werden sich die Demokraten nicht nur für ihren Bürgermeisterkandidaten entschieden haben. In der liberalen Metropole gilt ihre Vorentscheidung auf einen Bewerber als sicherer Garant dafür, dass dieser bei der Hauptwahl im November auch gewählt wird.

Zwar bestimmen auch die Republikaner am Dienstag ihren Kandidaten. Aber wer immer bei ihnen siegt, gilt schon jetzt als chancenlos.

Wer gewinnt, wird wohl der nächste Bürgermeister

Wer Bürgermeister in Amerikas bevölkerungsreichster Stadt wird – gerne auch mal der zweitmächtigste Job im Land genannt –, ist immer spannend. Veteranen wie Mike Bloomberg oder Rudy Giuliani kennt man bis heute.

Aber jetzt, nach 15 Monaten Pandemie, die New York so unfassbar schwer getroffen hat, und nach einem Jahr, in dem Hunderttausende immer wieder aus Protest gegen Rassismus und unverhältnismäßige Polizeigewalt auf die Straße gingen, ist der Wahlausgang von besonderer Bedeutung.

Die Probleme und Spannungen im „Big Apple“ sind enorm. Die gewaltige Schere zwischen Reich und Arm hat sich weiter geöffnet.

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Amtsinhaber Bill de Blasio, den viele New Yorker schon länger kritisch sehen, darf nach zwei Legislaturperioden nicht wieder antreten. Für seine Nachfolge bewerben sich offiziell 13 Kandidaten, fünf bis acht von ihnen gelten als aussichtsreich, darunter mit dem Start-up-Unternehmer Andrew Yang auch ein ehemaliger demokratischer Präsidentschaftsbewerber.

Andrew Yang ist in den Umfragen zurückgefallen

Der 46-jährige Sohn taiwanesischer Einwanderer lag lange Zeit in den Umfragen vorne, doch in den letzten Wochen sind seine Werte deutlich nach unten gegangen. Yang, der den ärmsten New Yorkern 2000 Dollar im Jahr verspricht, verfügt über keinerlei Regierungserfahrung und auch keinen New Yorker Stallgeruch.

In den Umfragen deutlich zurückgefallen: Der ehemalige demokratische Präsidentschaftsbewerber Andrew Yang. Foto: Michael M. Santiago/Getty Images/AFP Vergrößern
In den Umfragen deutlich zurückgefallen: Der ehemalige demokratische Präsidentschaftsbewerber Andrew Yang. © Michael M. Santiago/Getty Images/AFP

Dass er zu Beginn der Pandemie aus der Stadt flüchtete, können ihm viele nur schwer verzeihen. Zuletzt wurden Auftritte von ihm häufig von Gegendemonstranten gestört, als Reaktion kündigte sein Team den jeweiligen Ort kaum mehr an – was wenig souverän wirkte.

Allerdings ist es so, dass der Wahlausgang dieses Mal besonders schwer vorherzusagen ist. Umfragen sind eher spärlich, und das neue Wahlsystem, bei dem fünf Stimmen abgegeben werden können, die gewichtet werden, macht die Prognosen nicht leichter. Keiner der Kandidaten hat sich absetzen können.

Hauptwahlkampfthema: Die Sicherheit in der Stadt

Zum beherrschenden Wahlkampfthema hat sich neben der komplexen Frage, wie und in welcher Form die Stadt nach der Pandemie wiederauferstehen kann, das angeknackste Sicherheitsgefühl vieler New Yorker entwickelt. Dabei geht es nicht nur um das gestörte Verhältnis von Polizei und Zivilgesellschaft. Dazu kommt auch noch der massive Anstieg von Waffengewalt in den vergangenen Monaten.

Adams, Yang und Kathryn Garcia, eine ehemalige Leiterin der Stadtreinigung, vertreten einen moderaten Ansatz: Sie wollen Reformen, aber auch eine Stärkung der Polizei.

Kandidaten wie Shaun Donovan, unter Präsident Barack Obama mal Bauminister, oder die Bürgerrechtlerin Maya Wiley, für die sich der New Yorker Linken-Star im Repräsentantenhaus, Alexandria Ocasio-Cortez, ausgesprochen hat, wollen der Polizei Gelder entziehen. Stattdessen solle die Stadt mehr in Sozialarbeit investieren, fordern sie.

Was für eine Stadt will New York nach der Pandemie sein? Wie lässt sich mehr Sicherheit, aber auch mehr soziale Gerechtigkeit erreichen? Auch darum geht es an diesem Dienstag. So unklar der Wahlausgang ist, eines steht fest: Auf den Sieger warten große Herausforderungen.

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