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Pro-Regierungseinheiten, unterstützt von Saudi-Arabien, bekämpfen die aufständischen Huthi-Rebellen. Foto: AFP
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Brüchige Waffenruhe im Bürgerkriegsland Für den Jemen liegt Frieden in weiter Ferne

Erstmals seit Jahren gilt im Jemen eine Waffenruhe, doch kaum einer hält sich daran. Die Hoffnung auf Frieden ist gering. Ein Kommentar.

Weltweit gibt es 21 Kriege. Vermutlich sind es sogar längst mehr. Denn diese Zahl des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung bezieht sich auf 2020. Da ahnte noch niemand, dass zum Beispiel einer die Ukraine verheeren würde. Ein anderer Krieg sucht den Jemen heim. Jenes bitterarme Land am Rande der arabischen Welt, das seit mehr als sieben Jahren nichts anderes kennt, als Gewalt, Not und Elend.

Nur wenn uns ab und an Bilder von ausgemergelten, dem Tod geweihten Kindern erreichen, schrecken wir im noch bis vor Kurzem friedensverwöhnten Europa kurz auf. Ansonsten rangiert Jemens Schicksal unter ferner liefen. Zu kompliziert, zu weit entfernt, zu unbedeutend für das Weltgeschehen.

Vielleicht sind das Gründe, warum ein rarer Moment der Hoffnung in dieser Tragödie so gut wie gar nicht registriert wurde: Die Kriegsparteien haben nach langer Zeit wieder einmal eine Waffenruhe ausgerufen. Vielleicht liegt die mangelnde Aufmerksamkeit jedoch auch an der Ausweglosigkeit, mit der dieser Konflikt behaftet zu sein scheint. Denn die Feuerpause war zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan noch gar nicht richtig in Kraft getreten, da wurde sie schon niedergebombt.

Kronprinz Mohammed bin Salman führte vor sieben Jahren Saudi-Arabien in den Krieg. Foto: Saudi Royal Court/Reuters Vergrößern
Kronprinz Mohammed bin Salman führte vor sieben Jahren Saudi-Arabien in den Krieg. © Saudi Royal Court/Reuters

Jemens Dilemma besteht darin, dass zwei verfeindete Regionalmächte – der Iran und Saudi-Arabien – dort ihren Stellvertreterkrieg austragen. Die Mullahs stehen auf Seiten der aufständischen Huthis und rüsten sie mit modernen Waffen aus. Inzwischen verfügt die jemenitische Miliz über Drohnen und Raketen, die immer häufiger Ziele in Saudi-Arabien treffen – eine Demütigung für die Golfmonarchie.

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Die wiederum versucht seit ihrem Kriegseintritt 2015, mit allen militärischen Mitteln, die Huthis in die Knie zu zwingen. Dabei ist den Saudis mit dem ehrgeizigen Kronprinzen Mohammed bin Salman an der Spitze längst klar: Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen. Nur weiß im Königshaus niemand, wie ein gesichtswahrender Rückzug aussehen könnte. Vor allem fehlt eine gewichtige Stimme, die den Herrschern die Leviten liest und sie nötigt, endlich vom Jemen abzulassen.

Millionen jemenitische Familien leben in großer Armut. Foto: Saleh al Obeidi/AFP Vergrößern
Millionen jemenitische Familien leben in großer Armut. © Saleh al Obeidi/AFP

Noch vor einiger Zeit hätten es die USA als enger Verbündeter sein können. Aber Joe Biden und bin Salman verbindet eine tiefe Abneigung. Amerikas Präsident hat den Prinzen einst als Paria der Weltgemeinschaft bloßgestellt. Nun revanchiert sich der saudische Thronfolger – gestützt auf Öl, Gas und Geld -, indem er Biden mit Missachtung straft und lieber gen Russland schielt.

Der Iran wiederum bestätigt seinen Ruf als notorischer Unruhestifter und macht den Jemen zumindest indirekt zu seinem Aufmarschgebiet. Unter derartigen Bedingungen wird kein Waffenstillstand Bestand haben, geschweige denn Frieden. Den Preis dafür zahlen Millionen Jemeniten. Mit Hunger, Krankheiten und Tod.

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