Teammitglieder der Hilfsorganisation SOS Méditerranée vom Schiff „Ocean Viking“ nähern sich einem Boot mit 30 Menschen. Foto: Hannah Wallace Bowman/MSF/AP/dpa
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Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer „Ocean Viking“ bringt 213 Gerettete nach Messina

Hilfsorganisationen fordern „koordinierte Maßnahmen“ zur Menschenrettung. Tote bei Unglück vor Lampedusa.

Das Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 213 Migranten an Bord hat am Sonntag im Hafen der sizilianischen Stadt Messina angelegt. Dieser war ihr als sicherer Hafen zugewiesen worden, wie die Hilfsorganisation SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen mitteilten. Die Gruppe der Geretten sollen nach einem neuen Verfahren in mehrere europäische Länder verteilt werden.

Laut lokalen Onlinemedien sollten die Menschen zunächst zur medizinischen Versorgung und Identifikation in ein Erstaufnahmezentrum gebracht werden. Nach Angaben der Hilfsorganisationen sind ein Drittel von ihnen Kinder und Jugendliche, die meisten ohne erwachsene Begleitperson.

Der Such- und Rettungskoordinator von SOS Mediterranee, Nicholas Romaniuk, äußerte sich in einer Pressemitteilung erleichtert, dass die Migranten „an einem sicheren Ort“ an Land könnten. Aufgrund des instabilen Wetters und fehlender Such- und Rettungsmechanismen seien aber weiter Menschenleben in Gefahr. Dringend nötig seien koordinierte Maßnahmen, so Romaniuk.

Vor der italienischen Insel Lampedusa war am Samstagabend ein mit mehr als 150 Migranten überladenes, zehn Meter langes Boot gekentert. Die italienische Küstenwache konnte nach eigenen Angaben 149 Menschen retten, 133 Männer, 13 Frauen und 3 Kinder. Bis zum Sonntagnachmittag wurden fünf Frauen tot aufgefunden, drei im Meer und zwei an Land. In ersten Berichten war von sieben Toten die Rede gewesen.

Nach einem erneuten Ausbruch von Gewalt in Tripolis sollen den „Ocean Viking“-Hilfsorganisationen zufolge allein in der vergangenen Woche mehr als 700 Menschen die Flucht aus Libyen mit seeuntauglichen Booten versucht haben. Mindestens 440 Menschen seien „von der EU-finanzierten libyschen Küstenwache auf dem Meer abgefangen und gewaltsam nach Libyen zurückgebracht“ worden. Dort seien sie Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt, so Michael Fark, Such- und Rettungseinsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen.

Reste des am Samstag gekenterten und zerstörten Bootes an der Küste von Lampedusa. REUTERS/Mauro Buccarello Vergrößern
Reste des am Samstag gekenterten und zerstörten Bootes an der Küste von Lampedusa. © REUTERS/Mauro Buccarello

Die Hilfsorganisationen forderten die EU-Regierungen auf, rund 155 Gerettete auf weiteren zivilen Rettungsschiffen ebenfalls einen sicheren Hafen zuzuweisen. Es müsse einen „vorhersehbaren Mechanismus zur Ausschiffung Geretteter“ geben. Angesichts der zunehmenden Unsicherheit in Libyen sollten EU-Regierungen ihre politische und materielle Unterstützung für eine Zwangsrückführung nach Libyen einstellen. Menschen, die aus Libyen flöhen, dürfen nicht dorthin zurückgebracht werden.

Italien hatte am Samstag für die „Ocean Viking“ erstmals eine Anlegeerlaubnis nach der Malta-Methode erteilt. Demnach beantragten Italien, Deutschland, Frankreich und Malta gemeinsam bei der EU-Kommission eine Verteilung der Migranten entsprechend einem Ende September in Malta vereinbarten Mechanismus. „Dies ist ein wichtiger Schritt mit Blick auf eine solidarische Steuerung der Flüchtlingsströme, die die Mittelmeerroute betreffen“, schrieb das italienische Innenministerium.

„Open Arms“ ist noch mit 73 Migranten an Bord im Mittelmeer unterwegs

Die „Ocean Viking“ hatte bei drei Rettungen zwischen Dienstag und Donnerstag insgesamt 215 Menschen an Bord genommen. Eine mit Zwillingen schwangere Frau und ein Mann wurden bereits mit einem Hubschrauber vom Schiff geholt. Derzeit ist noch das spanische Rettungsschiff „Open Arms“ im Mittelmeer unterwegs. Es hatte am Donnerstag 73 Migranten an Bord genommen.

Überlebende des Unglücks vor Lampedusa hatten am Samstagabend die Zahl der Vermissten mit rund 20 angegeben. Es soll sich bei ihnen um Algerier, Tunesier und Pakistaner handeln. Die zuständige Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent habe Ermittlungen wegen Begünstigung der illegalen Einwanderung und vielfacher fahrlässiger Tötung eingeleitet, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. (dpa/KNA)

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