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Überlebende in Butscha. Russische Soldaten sollen die Gräueltaten über Funk besprochen haben. Foto: Felipe Dana/AP/dpa
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Update BND wertet Tonaufnahmen aus Russisches Militär besprach Morde in Butscha offenbar über Funk

Der Bundesnachrichtendienst soll einzelne Funksprüche sogar fotografierten Leichen zuordnen können. Der BND vermutet weitere Tatorte im Umkreis von Mariupol.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einem Medienbericht zufolge Funksprüche des russischen Militärs abgefangen, in denen die Gräueltaten im Kiewer Vorort Butscha während des Angriffskrieg in der Ukraine besprochen wurden.

Wie der "Spiegel" berichtet, lassen sich einzelne Funksprüche sogar in Butscha fotografierten Leichen zuordnen. So soll ein Soldat beispielsweise über Funk gesagt haben, er und seine Kollegen hätten eine Person, die auf ihrem Fahrrad saß, erschossen. Das Bild der Leiche neben ihrem Fahrrad ging um die Welt.

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Ein anderer Funkspruch zeigt, dass das russische Militär ukrainische Soldaten noch befragte, bevor es sie tötete. Dass es sich um Zufallstaten handelte, ist dem Bericht zufolge ausgeschlossen. Die russischen Soldaten sollen sich über die Morde in Butscha sowie über ihren Alltag unterhalten haben. 

An dem Einsatz in Butscha sollen auch russische Söldner wie die "Wagner Gruppe" beteiligt gewesen sein, berichtet der "Spiegel". Diese hatte bereits in Syrien sehr grausam operiert.

Dem Bericht zufolge bewertet der BND bereits weitere Tonaufnahmen. Diese ließen vermuten, dass es Gräueltaten wie in Butscha auch in anderen Orten gab. Tatorte könnten sich unter anderem im Umkreis der südukrainischen Stadt Mariupol befinden.

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Die Aufnahmen seien der Beweis, dass es sich bei den Aufnahmen aus Butscha nicht wie von Russland behauptet um "inszenierte Videos" handle, teilte der Inlandsheimdienst der Ukraine mit. "Das sind Verbrechen, für die Sie verantwortlich sind", heißt es an Russland gerichtet.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Hebestreit, sagte bereits am Mittwoch, es gebe "glaubhafte Hinweise", dass russische "Streit- und Sicherheitskräfte" im Gebiet von Butscha unter anderem mit der Befragung von Gefangenen befasst gewesen seien, "die anschließend exekutiert worden sind". Dies seien "Erkenntnisse, die wir haben".

Es handele sich zugleich um einen Beleg dafür, "dass der russische Präsident und Oberbefehlshaber Putin Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zur Erreichung seiner Ziele mindestens billigend in Kauf genommen hat", sagte Hebestreit weiter.

"Die von russischer Seite getätigten Ausführungen, es handele sich um gestellte Szenen oder man sei nicht verantwortlich für die Ermordung, sind aus unserer Sicht damit nicht haltbar", betonte auch er.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wies im Bundestag darauf hin, dass "das Töten des russischen Militärs" in der Ukraine unterdessen unvermindert weitergehe. Es müsse damit gerechnet werden, dass "weitere solche Bilder" wie in Butscha ans Licht kämen. (Tsp, AFP) 

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