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Joe Biden beim Besuch eines Impfzentrums. Die USA hat nach 58 Tagen 100 Millionen Menschen geimpft. Foto: Mandel Ngan/AFP
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Bidens erstaunlicher Impf-Turbo Was macht der US-Präsident besser als die Bundesregierung?

US-Präsident Joe Biden hatte 100 Millionen Corona-Impfungen in 100 Tagen versprochen. Nun hat er sein Ziel sogar in 58 Tagen erreicht. Wie ist das möglich?

Im Präsidentschaftswahlkampf hatte Joe Biden versprochen, er werde in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit hundert Millionen Corona-Impfungen möglich machen. Am Freitag vermeldete das Weiße Haus die Einlösung der Zusage – dem 58. Tag der Amtszeit Biden.

Das Tempo steht in bemerkenswertem Kontrast zu Deutschland. Hierzulande kommt das Impfen nur schleppend voran. Den USA gelingt es, die gewünschten Erfolge fast doppelt so schnell zu erreichen wie geplant.

Gut 33 Prozent der US-Bürger hat mindestens die erste Impfung erhalten, ein drei Mal so großer Anteil wie in Deutschland mit gut elf Prozent. „Dies ist ein Grund für Optimismus, aber kein Zeitpunkt für Entspannung“, sagt Biden. „100 Millionen Impfungen bedeuten, dass sich viele Millionen Leben mit Hoffnung füllen.“

Die Zahl der Impfungen pro Tag ist auf 2,5 Millionen gestiegen. Auch in den USA haben ältere Menschen, besonders gefährdete Menschen sowie das medizinische und Pflegepersonal Priorität. Zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger im Alter über 65 Jahre sind bereits geimpft.

Sorge bereitet allerdings, dass erst 52 Prozent des Medizin- und Pflegepersonals geimpft sind, schreibt die „Washington Post“ unter Berufung auf die Kaiser Family Foundation, die eng mit einem der großen Gesundheitsdienstleister, Kaiser, verbunden ist. Ein Drittel dieser Berufsgruppe zögere, sich impfen zu lassen wegen Zweifeln, dass die Impfstoffe ausreichend auf Nebenwirkungen getestet worden sind. Dennoch planen 19 Prozent dieser Berufsgruppe, sich impfen zu lassen, sodass die Impfquote im Medizin- und Pflegepersonal bald über 70 Prozent liegen dürfte.

Wettlauf mit der Zeit: Infektionskurve nur abgeflacht

Die „New York Times“ beschreibt das nationale Impfprogramm als „Wettlauf mit der Zeit“. Die USA befänden sich in einer schwierigen Phase der Pandemie. Der Anteil der Corona-Todesfälle ist deutlich gesunken.

Die Kurve der Neuinfektionen hat sich aber bislang nur abgeflacht und ist noch nicht signifikant gefallen. Parallel lockern die Gouverneure einzelner Bundesstaaten die Auflagen für die Wirtschaft. Geschäfte, Bars, Fitnesstudios und Casinos sind vielerorts wieder geöffnet. Die Bürger drängten in die Außenbereiche der Gaststätten, in denen bedient werden darf.

Amerikaner buchten vermehrt wieder Reisen und holte die Planungen von Hochzeiten und anderen Festen nach, die 2020 abrupt unterbrochen worden waren. Deshalb dürfe man nicht nur über die Erfolge beim Impfen reden, mahnen die „New York Times“ und andere Medien, sondern müsse die Risiken im Auge behalten. „Die Entwicklung ist widersprüchlich.“

Immer mehr US-Staaten bieten allen Bürgern Impftermine

Rasche Fortschritte beim Impfen stehen im Zentrum der Strategie. 17 der 50 Bundesstaaten wollen allen impfwilligen Bürgerinnen und Bürgern noch im März oder April die Gelegenheit geben, einen Impftermin zu buchen. Auch das bedeutet eine Beschleunigung. In seiner ersten Fernsehansprache als Präsident hatte Biden vor einer Woche als Ziel angekündigt, dass alle Einwohner im Mai einen Termin vereinbaren können.

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In Alaska und Mississippi ist das schon jetzt möglich. Utah folgt kommende Woche, Ohio Ende März. Connecticut, Illinois, Kentucky, Maryland, Missouri und Rhode Island im April.

Der Ton der Kommunikation folgt der „Can do“-Devise: Wir können das, wir schaffen das. „Jede Person, die wir impfen, und jede Person, die wir dazu bringen, Maske zu tragen, bedeutet, dass das Virus eine Chance weniger hat, sich auszubreiten“ und Mutanten zu bilden, wirbt Steven Thomas, Pandemie-Experte der Medizinischen Universität des Staats New York.

Unterschiede zu Deutschland

Auf der Suche, warum die USA unter Joe Biden so viel erfolgreicher sind als Deutschland und andere Industriestaaten, fallen mehrere Faktoren ins Auge. Die USA sind führend in der Pharmaforschung und -produktion. Ihnen stehen mehrere Impfstoffe zur Verfügung, die sie im eigenen Land produzieren, und sind nicht von Importen abhängig.

Sie haben sich anfangs dafür entschieden, dem Impfen der eigenen Bevölkerung Vorrang zu geben – was in Europa als „Impf-Nationalismus“ diskreditiert wird. Inzwischen beliefern sie auch andere Länder, voran die Nachbarn Kanada und Mexiko.

Präsident Biden hat das Impfen von Beginn an zum Prüfstein seiner ersten hundert Tage erklärt. Bei der Abwägung zwischen Chancen und Risiken, zwischen traditionellem Vorgehen und ungewöhnlichen Ansätzen, hat er sich für die Chancen und gegen die Routine entschieden. Alle, die in Frage kommen, sind zum Impfen aufgerufen, neben Impfzentren auch Hausärzte, Tierärzte, Zahnärzte, Augenärzte. In Deutschland gilt dagegen: Weniger Mut. Mehr Vorsicht und Bedenken.

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