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Menschen versammeln sich nach dem US-Angriff in einer syrischen Stadt an einem zerstörten Haus. Foto: AFP/Aaref Watad
© AFP/Aaref Watad

Update Biden erklärt Hintergründe IS-Anführer bei US-Angriff in Syrien getötet

Der Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat ist tot, erklärte US-Präsident Biden. Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraschi habe sich in die Luft gesprengt.

Im Schutz der Nacht haben Hubschrauber US-Spezialkräfte in den Nordwesten Syriens gebracht, um mit einem „unglaublich komplexen und hochriskanten Einsatz“ den Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zur Strecke zu bringen. So schilderte ein ranghoher Vertreter der US-Regierung am Donnerstag den Einsatz, bei dem Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraschi zu Tode kam. US-Präsident Joe Biden und seine Stellvertreterin Kamala Harris verfolgten den Einsatz demnach live im Weißen Haus mit.

Das Vorgehen des US-Militärs auf seinen Befehl hin habe eine „große terroristische Bedrohung“ eliminiert und damit „die Welt zu einem sichereren Ort gemacht“, erklärte Biden. „Dank der Tapferkeit unserer Soldaten gibt es diesen Terrorführer nicht mehr“, sagte er.

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Al-Kuraschi habe sich und seine Familie angesichts der vorrückenden Soldaten in „einem finalen Akt von verzweifelter Feigheit“ in die Luft gesprengt, um nicht für seine Taten zur Rechenschaft gezogen zu werden, sagte Biden weiter. Der Einsatz in Syrien sende ein Signal an andere Terroristen auf der Welt, wo auch immer sie sich versteckten: „Wir sind hinter euch her und werden euch finden“, sagte Biden.

Über den nun getöteten IS-Anführer Al-Kuraschi war in der Öffentlichkeit nur wenig Privates bekannt. Der Mann soll ursprünglich aus der syrischen Stadt Aleppo stammen. Der US-Regierung zufolge war Al-Kuraschi 2014 einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an der religiösen Minderheit der Jesiden im Nordwesten des Iraks und für die Versklavung Tausender jesidischer Mädchen als Kriegswaffe.

„Er kontrollierte das weltweite Netzwerk der IS-Ableger von Afrika bis Afghanistan“, sagte ein ranghoher Beamter der US-Regierung. Er sei direkt für die Einsätze im Irak und in Syrien zuständig gewesen, wo er den Wiederaufbau des IS vorangetrieben habe.

Biden erklärte, der IS-Anführer sei auch für den jüngsten brutalen Angriff auf ein Gefängnis im Nordosten Syriens verantwortlich gewesen. Dabei wurden Ende Januar mehr als 300 Menschen getötet. Die Gefechte mit den von Kurden geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) dauerten länger als eine Woche.

Syrische Beobachtungsstelle meldet 13 Tote

Bei dem Einsatz gegen Al-Kuraschi in der Region Idlib kamen Biden zufolge keine US-Soldaten zu Schaden. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei der mehrstündigen Luftlandeoperation insgesamt 13 Menschen getötet, unter ihnen auch vier Kinder. US-Angaben zufolge waren alle Opfer auf die Explosion und den Widerstand eines IS-Kämpfers und dessen Frau zurückzuführen. Das US-Militär machte zunächst keine Angaben zur Zahl der Todesopfer.

Biden betonte, er habe das Verteidigungsministerium „angewiesen, alle denkbaren Vorkehrungen zu treffen, um die Zahl der zivilen Opfer zu minimieren“. Er fügte hinzu: „Da wir wussten, dass sich dieser Terrorist bewusst mit Familien, darunter auch Kindern, umgeben hatte, haben wir uns für den Einsatz von Spezialkräften entschieden, was ein viel größeres Risiko für unsere eigenen Leute bedeutete, als ihn mit einem Luftschlag zu treffen.“

Die Vereinten Nationen haben sich vorsichtig zum US-Einsatz gegen den Anführer der Terrormiliz IS geäußert. „Wir nehmen mit Besorgnis Berichte über zivile Opfer zur Kenntnis“, sagte Sprecher Farhan Haq am Donnerstag in New York. Alle Beteiligten in dem Konflikt müssten den Schutz von Unbeteiligten sicherstellen. Im Falle von getöteten Zivilisten deutete der Sprecher an, dass eine Untersuchung des Vorfalls angebracht wäre.

Joe Biden, Präsident der USA, spricht im Roosevelt Room des Weißen Hauses über einen US-Angriff zur Terrorismusbekämpfung in Syrien. Foto: dpa/AP/Patrick Semansky Vergrößern
Joe Biden, Präsident der USA, spricht im Roosevelt Room des Weißen Hauses über einen US-Angriff zur Terrorismusbekämpfung in Syrien. © dpa/AP/Patrick Semansky

Dem US-Beamten zufolge warnten die Einsatzkräfte vor dem Zugriff auf Al-Kuraschi die Anwohner zudem mit Hilfe von Lautsprechern. Einige hätten sich schnell in Sicherheit gebracht, etwa eine Familie aus dem ersten Stock des Wohnhauses und mehrere Kinder. Dann soll Al-Kuraschi schnell einen Sprengsatz gezündet haben. „In diesem Fall war die Explosion so heftig, dass Leichen aus dem Haus in das umliegende Gebiet geschleudert wurden“, sagte er. Das US-Militär habe mit einer Explosion gerechnet, deshalb hätten sich die Spezialkräfte noch in sicherer Entfernung befunden.

Israelischer Ministerpräsident gratuliert USA

Bei einem der Hubschrauber habe es ein technisches Problem gegeben, deshalb sei er im Einsatzgebiet zurückgelassen und anschließend zerstört worden, erklärte der US-Beamte weiter. Der Einsatz sei seit Monaten vorbereitet worden. Der IS-Anführer soll seine Wohnung nie verlassen haben und Einsätze nur über Kuriere befehligt haben.

US-Soldaten ließen einen defekten Helikopter zurück in Syrien. Foto: AFP/Rami al Sayed Vergrößern
US-Soldaten ließen einen defekten Helikopter zurück in Syrien. © AFP/Rami al Sayed

Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett gratulierte den USA zu dem „gewagten Einsatz“. Er fügte hinzu: „Wir müssen den weltweiten Kampf gegen Terror mit Stärke und Entschlossenheit fortsetzen.“

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Anwohner berichteten einem dpa-Fotografen in Syrien am Donnerstag, die Gefechte rund um das Haus hätten rund drei lang Stunden gedauert. Das Ziel des US-Militäreinsatzes befand sich nur wenige Kilometer vom Ort entfernt, wo US-Spezialkräfte im Herbst 2019 den damaligen IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi bei einem Einsatz getötet hatten. Die Rebellenhochburg Idlib wird von Islamisten kontrolliert, die gegen die Regierung des Machthabers Baschar al-Assad kämpfen.

Im Bürgerkriegsland Syrien kämpft eine Militärkoalition unter Führung der USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der IS hatte im Sommer 2014 große Gebiete im Norden des Irak in seine Gewalt gebracht. Kurz darauf riefen die Dschihadisten ein Kalifat aus, zu dem auch Regionen im Nachbarland Syrien gehörten. Militärisch wurde die Terrormiliz im März 2019 besiegt. Sie ist jedoch weiter in beiden Ländern aktiv und verübt immer wieder Anschläge. (dpa)

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