Ein Polizist sichert die Brücke vor dem britischen Parlament. Foto: imago/ZUMA Press
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Auto fährt in Passanten Verletzte bei mutmaßlichem Terroranschlag in London

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Wieder fährt ein Auto in Menschen - das erinnert an einen Anschlag im vergangenen Jahr. Damals reklamierte der IS die Tat für sich. Die Terrormiliz bleibt trotz starker Verluste in Syrien und Irak erstaunlich stark.

London ist offenbar wieder von einer Terrorattacke getroffen worden. Am Dienstagmorgen raste ein Mann mit seinem Ford Fiesta am britischen Parlament in Westminster mit hoher Geschwindigkeit in eine Gruppe von Radfahrern, dann einige Meter entfernt gegen eine stählerne Schranke. Scotland Yard teilte mit, bei der Attacke seien drei Menschen verletzt worden. Ein Mann und eine Frau seien kurzzeitig ins Krankenhaus gekommen, ein verletzter Mann sei noch vor Ort behandelt worden.

Schwer bewaffnete Polizisten zerrten den Fahrer anschließend aus dem Auto und nahmen ihn fest. Es werde wegen eines terroristischen Vorfalls („terror incident“) ermittelt, teilte die Londoner Polizei mit. In Videoaufnahmen ist zu sehen, wie der Kleinwagen offenbar gezielt auf Menschen zufährt und dann in die Sperre kracht. Polizisten können gerade noch zur Seite springen.

Bei dem Fahrer handelt es sich um einen 29-jährigen Briten, wie die Polizei am Abend mitteilte. Der für Sicherheit zuständige Staatssekretär, Ben Wallace, fügte im BBC-Fernsehen hinzu, der Mann habe einen Migrationshintergrund.

Laut Anti-Terror-Polizei war das für die Tat verwendete Auto in der Nacht zum Dienstag aus dem zentralenglischen Birmingham nach London gekommen. Nach der Attacke habe es am Nachmittag zwei Durchsuchungen in Birmingham sowie eine in Nottingham gegeben. Nach Angaben der Polizei befand sich außer dem Festgenommenen niemand in dem Auto. Waffen wurden zunächst nicht gefunden. Die Straßen und U-Bahnhöfe in der Umgebung wurden den Vormittag über abgeriegelt.

Ähnlicher Vorfall im vergangenen Jahr

Die „Houses of Parliament“ sind wegen eines ähnlichen Vorfalls aus dem vergangenen Jahr und der anhaltend hohen Terrorgefahr massiv gesichert. Im März 2017 hatte der Islamist Khalid Masood mit einem Mietwagen auf der Westminster-Brücke mehrere Passanten angefahren. Zwei Menschen waren sofort tot, zwei weitere erlagen später ihren schweren Verletzungen. Masood steuerte den Wagen dann in die Absperrung des Parlaments, sprang heraus und erstach einen unbewaffneten Polizisten. Herbeieilende Beamte erschossen den Attentäter. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ reklamierte den Angriff kurz darauf für sich und behauptete, ein „Soldat“ des IS habe die Tat begangen.

Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen bleibt die Terrormiliz trotz des weitgehenden Verlusts ihres Herrschaftsgebiets in Syrien und Irak erstaunlich stark. UN-Experten sprechen jetzt in einem Bericht von 20.000 bis 30.000 Mitgliedern des IS in den beiden Bürgerkriegsländern, obwohl das „Kalifat“ nur noch über Enklaven verfügt. Trotz der militärischen Niederlagen werde wahrscheinlich eine reduzierte, verdeckte Version des IS in Syrien und Irak weiter existieren, heißt es in dem Report. Die Disziplin bleibe intakt, ebenso die Autorität des Anführers der Terrormiliz, Abu Bakr al Baghdadi alias „Kalif Ibrahim“, trotz Berichten über eine Verletzung. Die Experten bescheinigen auch der Terrororganisation Al Qaida kontinuierliches Durchhaltevermögen.

"Foreign Fighters" in Terrormiliz IS

Unter den Anhängern der Terrormiliz IS befänden sich weiterhin mehrere tausend „foreign fighters“, steht im Bericht. Gemeint sind Dschihadisten aus anderen Ländern. Internationale Sicherheitskreise schätzen, 40.000 radikalisierte Muslime aus 120 Staaten seien im Laufe der Jahre zum IS gekommen. Allein aus Deutschland reisten nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts mehr als 1000 Salafisten, darunter 200 Frauen, nach Syrien und Irak aus. Die meisten schlossen sich der Terrormiliz an. Etwa 190 IS-Anhänger aus Deutschland kamen ums Leben, ungefähr 300 kehrten in die Bundesrepublik zurück.

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