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Amerikanische Soldaten, unter ihnen Spezialkräfte, bewachen den Flughafen in Kabul. Foto: imago/Zuma Wire
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Auch deutsche Terrorismusexperten warnen Droht am Kabuler Flughafen ein Anschlag des IS?

Die USA warnen vor Angriffen des IS in Kabul. Auch die deutsche Verteidigungsministerin spricht von Terrordrohungen. Wie ein Experte die Lage einschätzt.

Real, akut, anhaltend – mit diesen Worten beschreibt Jake Sullivan die Gefahr eines Anschlags am Flughafen Kabul durch den „Islamischen Staat“.

Nach den Worten des Nationalen Sicherheitsberaters von US-Präsident Joe Biden nimmt Amerika entsprechende Warnungen der Geheimdienste „absolut todernst“. Der Schusswechsel mit unbekannten Angreifern am Nordtor des Airports, bei dem ein afghanischer Sicherheitsmann am Montag ums Leben kam, dürfte all jene zusätzlich alarmieren, die einen gezielten Angriff durch militante Extremisten für möglich halten.

Am Flughafen hoffen nach wie vor Tausende, den Taliban entkommen zu können. Aus Bidens Sicht erhöhen Chaos und Gedränge dort die Anschlagsgefahr. „Wir wissen, dass Terroristen versuchen könnten, die Situation auszunutzen und unschuldige Afghanen oder amerikanische Truppen anzugreifen“, sagte er und verwies auf den regionalen Ableger des sunnitischen „Islamischen Staats“.

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Auch die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bestätigt Terrordrohungen. „Wir haben unglaublich viele Flüchtlinge in der Stadt, wir haben eine verschlechterte Versorgungslage, wir haben zunehmend auch Drohungen auch von anderen terroristischen Gruppen“, sagte die CDU-Politikerin am Montag bei „Bild TV“.

Terrorismusexperten wie Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik halten diese Einschätzung für plausibel. „Der sogenannten Islamische Staat hat bis zuletzt Anschläge auf Zivilisten in Kabul verübt.“ Opfer seien zumeist Schiiten gewesen, die als Ungläubige gelten. Die Miliz habe also die Fähigkeit, in der afghanischen Hauptstadt zu operieren – auch unter erschwerten Bedingungen. „Gedränge macht es den Angreifern sogar noch leichter, schlimmen Schaden anzurichten“, sagt Steinberg.

Die Taliban geben sich moderat und wollen mit Terrorismus nichts zu tun haben, sagen die Fundamentalisten. Foto: Javed Tanveer/AFP Vergrößern
Die Taliban geben sich moderat und wollen mit Terrorismus nichts zu tun haben, sagen die Fundamentalisten. © Javed Tanveer/AFP

Entscheidend sei die Frage, ob Kommandos des IS, wie schon in der Vergangenheit, bei ihren Attacken von Teilen der Taliban unterstützt werden. Wenngleich die afghanischen Fundamentalisten und der „Islamische Staat“ sich bekämpfen, sympathisiere vor allem die Hakkani-Gruppe mit dem IS.

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Das Netzwerk unter Führung von Siraj Hakkani – für dessen Ergreifung die US-Regierung eine Belohnung bis zu zehn Millionen Dollar ausgesetzt hat – soll enge Verbindungen zu ausländischen Dschihadisten unterhalten. Dazu zählen nicht nur Al Qaida – die Terrororganisation ist seit Langem mit den Taliban verbündet –, sondern auch der „Islamische Staat“.

Das heißt: Unter den nationalistisch gesinnten Taliban gibt es Gruppen, die einem globalen „heiligen Krieg“ das Wort reden. „Es wird sich zeigen, ob der dschihadistische Flügel der Taliban über Afghanistan hinaus aktiv werden wird.“

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