Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Würzburg in Trauer. Wenige Tage nach dem Anschlag eines Somaliers formierte sich in der Stadt eine Menschenkette zum Gedenken an die Opfer Foto: Heiko Becker/imago images/HMB-Media
© Heiko Becker/imago images/HMB-Media

Attentäter von Würzburg in Psychiatrie Messerstecher womöglich schuldunfähig

Vier Wochen nach dem mörderischen Angriff in Würzburg ist der Täter in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Das Motiv bleibt weiterhin unklar.

Der Attentäter von Würzburg ist möglicherweise schuldunfähig. Das sei das Ergebnis einer ersten, vorläufigen Begutachtung durch einen Psychiater, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München am Donnerstag mit. Der Experte hatte persönlichen Kontakt zu dem Somalier Abdirahman J. A., der am 25. Juni drei Frauen erstochen und sieben weitere Opfer verletzt hatte. Aufgrund der vorläufigen Untersuchung wurde der Täter am Dienstag von der Untersuchungshaft in ein psychiatrisches Krankenhaus überführt. Die Einweisung hatte die Generalstaatsanwaltschaft beim Amtsgericht Würzburg beantragt. Die psychiatrische Begutachtung komme derzeit zu der Einschätzung, "dass der Beschuldigte zur Tatzeit möglicherweise schuldunfähig war", sagte die Anklagebehörde. Der 24-jährige Somalier war bereits vor der Tat mit aggressivem Verhalten aufgefallen.

Im Krankenhaus wird nun ein größeres Gutachten zum psychischen Zustand des Mannes erstellt. "Wegen der hohen Bedeutung der Ergebnisse der psychiatrischen Untersuchung des Beschuldigten für das gesamte Verfahren wurden zwei renommierte Sachverständige beauftragt", sagte die Generalstaatsanwaltschaft. Die Namen der Gutachter werden allerdings nicht genannt. Ein toxikologisches Gutachten zur Frage, ob Abdirahman J. A. bei der Tat unter Drogeneinfluss stand, "liegt vor und brachte keine relevanten Ergebnisse", hieß es.

Somalier rief "Allah akbar"

Weiterhin offen bleibt die Frage nach dem Motiv des Täters. Die Sicherheitsbehörden halten einen islamistischen Hintergrund für möglich, eine psychische Störung sowie eine Kombination aus beiden Phänomen. Abdirahman J. A. hatte nach Angaben eines Zeugen in einem Woolworth-Kaufhaus, wo die Messerattacke begann und drei Frauen starben, "Allahu akbar" (Gott ist größer) gerufen. Das ist eine gängige Parole für gläubige Muslime, aber auch ein Schlachtruf militanter Islamisten. Nach der Festnahme sagte der Somalier, er habe seinen "Dschihad" verwirklicht. Auch der Begriff Dschihad wird in unterschiedlicher Bedeutung von Muslimen verwandt. Für Islamisten bedeutet das Wort "heiliger Krieg" gegen Ungläubige.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Weitere Indizien für ein islamistische Motiv gibt es bislang allerdings nicht. "Die Ermittlungen erbrachten nach Auswertung der beiden Mobiltelefone des Tatverdächtigen bislang weder Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte noch auf etwaige Mittäter oder Mitwisser", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft und des Bayerischen Landeskriminalamts. Papierzettel, die kurz nach der Tat am Tatort gefunden wurden, "entpuppten sich als unverdächtig und stehen in keinem Zusammenhang mit der Tat oder dem Tatverdächtigen". Die Bundesanwaltschaft, zuständig für Fälle islamistischen Terrors, schaut sich den Fall Würzburg an, hat aber bislang auf eine Übernahme der Ermittlungen verzichtet.

Experten Deradikalisierung eingeschaltet

Dennoch wird mit großem Aufwand untersucht, ob der Somalier aus islamistischem Hass handelte. "In die Analyse des Tatgeschehens wurde die Operative Fallanalyse Bayern (OFA) eingebunden", sagte die Generalstaatsanwaltschaft. Fachkräfte für den Bereich Deradikalisierung bei der für die Ermittlungen eingerichteten Soko „Main“, darunter Islamwissenschaftler, "arbeiten an einer Bewertung, ob und inwieweit religiöse Überzeugungen des Beschuldigten bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnten". Das Landeskriminalamt hatte nach dem Attentat die Soko eingerichtet. Hier waren zeitweise mehr als 130 Beamtinnen und Beamte im Einsatz.

Die Soko kümmert sich auch um die Angehörigen der ermordeten Opfer und um die Verletzten. In der gemeinsamen Mitteilung von Generalstaatsanwaltschaft und LKA steht, "ein wichtiger Teil der Arbeit der Soko ,Main' im engen Zusammenwirken mit dem Polizeipräsidium Unterfranken besteht in der Betreuung der Opfer, ihrer Angehörigen und weiterer Betroffener. So wurden bislang zwei Informationsveranstaltungen in Würzburg für Verletzte und deren Angehörige, Zeugen und andere von der Tat Betroffene, insbesondere aus dem Kaufhaus, durchgeführt. Ziel war es, die Betroffenen über den aktuellen Ermittlungsstand zu informieren und Kontakte zu externen Fachkräften herzustellen, die bei der Verarbeitung des Erlebten helfen können."

Zur Startseite