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In Bayern ist sie schon Pflicht, nun ist sie auch bundesweit für Busse, Bahnen und Geschäfte im Gespräch: Die FFP2-Maske. Foto: Imago
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Apotheken und Caritas mahnen Kommt jetzt die bundesweite FFP2-Maskenpflicht?

In der Bund-Länder-Runde wird am Dienstag über eine verschärfte Maskenpflicht diskutiert. Dabei muss auch geklärt werden, wer für die hochwertigen Masken zahlt.

Bei der Bund-Länder-Runde von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten an diesem Dienstag wird auch über eine schärfere Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie in Geschäften diskutiert.

Bereits am Montag hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt, dass Zum Schutz vor dem Coronavirus mehr Menschen aus Risikogruppen vom Bund finanzierte FFP2-Masken bekommen sollen als zunächst vorgesehen. Nach einem Abgleich mit Krankenkassendaten könnten nun 34,1 Millionen Menschen aus Corona-Risikogruppen vom Bund finanzierte FFP2-Masken bekommen – zunächst war nach Schätzungen mit 27 Millionen gerechnet worden.

Vorgesehen ist ein Eigenanteil von zwei Euro für je sechs Masken. Die Krankenkassen verschicken seit Anfang Januar Berechtigungsscheine an ihre Mitglieder. Nach Angaben von Sprechern der Techniker Krankenkasse (TK) und der Barmer Ersatzkasse gebe es dabei keine Verzögerungen. TK-Sprecher Paul Lennart erklärt, dass Scheine innerhalb von drei Arbeitstagen bedruckt, kuvertiert und auf den Postweg gegeben werden.

Das waren mit der ersten Tranche 680.000 Scheine, bei der Barmer Ersatzkasse rund 1,5 Millionen. "Inzwischen ist bei uns eine zweite Tranche eingetroffen, die zurzeit verarbeitet und versendet wird", sagt Lennart. Die dritte Tranche steht noch aus. Aufgrund der Menge von Millionen Schreiben wird sich der Versand voraussichtlich bis in den Februar hinein hinziehen.

FFP2-Masken filtern Partikel besonders wirksam aus der ein- oder ausgeatmeten Atemluft, sie bieten aber keinen 100-prozentigen Schutz. Das sei auch in einer Bund-Länder-Runde mit verschiedenen Wissenschaftler am Montagabend besprochen worden, erklärte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.

Ob es verpflichtend die FFP2-Maske sein müsse in Bus und Bahn, oder nicht auch die OP-Masken reichen, das würde auch am Dienstag nochmal diskutiert. „Die Experten haben uns gestern gesagt, dass auch diese einfachen Masken schon deutlich mehr Schutz bieten als die normalen Stoffbedeckungen“, so Müller.

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Erste Erkenntnisse wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit in die Runde bringen können. Dort gibt es bereits seit Montag die FFP2-Maskenpflicht und ist dort ohne größere Verwerfungen gestartet.

Die allermeisten Menschen hielten sich am Montag an die neue Regelung und trugen im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen Masken der Kategorie FFP2 oder höher. Strikt durchgesetzt wurde die Pflicht allerdings noch nicht – für die erste Woche gilt eine Kulanzfrist.

Im Einzelhandel gab es vereinzelt hitzige Diskussionen mit Maskenverweigerern, wie der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, sagte. Von größeren Problemen sei ihm aber nichts bekannt. Die meisten Kunden seien bereits mit FFP2-Maske gekommen.

Beim Umgang der Händler mit der Maskenpflicht gebe es ein geteiltes Bild, sagte Ohlmann. Manche wiesen die Kunden deutlich darauf hin, viele verkauften auch direkt die Masken. Manche betonten aber auch, dass die Überwachung der Maskenpflicht eine staatliche Aufgabe sei. Die Händler seien nicht die Polizei.

Der Handelsverband steht grundsätzlich hinter der Maskenpflicht. Er sieht sie als Türöffner für eine mögliche Öffnung weiterer Geschäfte. Die Beschäftigten im Einzelhandel sind von der FFP2-Maskenpflicht ausgenommen. Auch im öffentlichen Nahverkehr Bayerns dominierten am Montag die FFP2-Masken das Bild. In Nürnberg trugen sie nach ersten Beobachtungen der Verkehrsbetriebe 97 bis 98 Prozent der Fahrgäste. In München waren es den Verkehrsbetrieben zufolge mehr als 90 Prozent.

Apothekerverband warnt vor steigenden Preisen

Die Versorgung mit FFP2-Masken ist dem Bayerischem Apothekerverband zufolge gewährleistet. Auch der Handelsverband sowie der Berliner Apotheker-Verein sehen die Versorgung trotz gestiegener Nachfrage derzeit gewährleistet.

Allerdings warnte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am Dienstag: „Eine denkbare FFP2-Maskenpflicht für alle Bundesbürgerinnen und -bürger würde eine stark erhöhte Nachfrage bedeuten, die im Markt zu erhöhten Preisen führen könnte“, sagte die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening, der „Rheinischen Post“.

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Wegen der abrupten Nachfrage in Bayern kommt es bei den Drogeriemarktketten "dm" und "Rossmann" zu Verkaufsengpässen. Sowohl im Online-Shop als auch an vielen Standorten sind FFP2-Masken ausverkauft. OP-Masken sind weiterhin lieferbar. dm-Geschäftsführer Christoph Werner erklärte, die Beschaffung von FFP2-Masken bereits deutschlandweit ausgeweitet zu haben: "Je konkreter und vorausschauender die Anordnungen der Politiker sind, desto besser können wir die Menschen versorgen."

Auch bei Rossmann hätte man sich "mehr Vorlauf" gewünscht, um die Maßnahmen adäquat umsetzen zu können, so eine Sprecherin. Werner merkt zudem an, dass man schon im Dezember den Landesregierungen angeboten habe, sich an der "kostenlosen Versorgung der älteren Bürger mit FFP2-Masken" beteiligen zu können. Die Abgabe wurde allerdings auf Apotheken beschränkt.

Zugleich stellen sich die Apotheken laut Overwiening auf eine wachsende Maskennachfrage ein. „Bislang haben es die Apotheken in einem großen Kraftakt geschafft, viele Millionen FFP2-Masken für weit mehr als 30 Millionen ältere und chronisch kranke Menschen mit Berechtigungsschein zu beschaffen - und sind zuversichtlich, dies auch weiterhin zu bewältigen“, sagte die ABDA-Präsidentin.

Der Deutsche Caritasverband fordert deshalb sogar kostenlose FFP2-Masken für Menschen mit niedrigem Einkommen. „FFP2-Masken schützen wirkungsvoll gegen das Coronavirus. Die Einführung einer Pflicht in Bus und Bahn sowie im Supermarkt ist sicherlich sinnvoll“, so Caritaspräsident Peter Neher.

Menschen im Hartz-IV-Bezug und mit geringem Einkommen könnten sich jedoch die regelmäßige Anschaffung von FFP2-Masken nicht leisten. Daher bräuchten sie eine kostenlose Zuteilung der Masken. „Berechtigungsscheine können unbürokratisch von Sozialämtern und Krankenkassen ausgestellt werden“, sagte Neher. Die müsse der Steuerzahler tragen. (mit dpa)

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