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Anschlag in Wien. Polizisten versuchen am Montagabend, den Terrorangriff in der österreichischen Hauptstadt zu stoppen. Foto: Roland Schlager/dpa
© Roland Schlager/dpa

Anschlag in Wien gezielt vor dem Lockdown Die Tat atmet den Geist des „Islamischen Staats“

Die Terroristen nutzten wohl die letzten Stunden, in denen in Wien die Lokale offen waren. Das Motiv für den Angriff waren womöglich die Mohammed-Karikaturen.

Der Attentäter in Wien, womöglich war er auch nicht alleine unterwegs, hat offenbar gezielt noch am Montagabend zugeschlagen. Es sei davon auszugehen, dass die letzten Stunden vor dem Lockdown in Österreich genutzt wurden, um noch möglichst viele Passanten töten zu können, sagten deutsche Sicherheitskreise am Dienstag dem Tagesspiegel. 

In Österreich trat am Dienstag um 0 Uhr der Lockdown in Kraft, Hotels, Restaurants, Bars und Cafés müssen schließen. Der Täter schoss in mehrere Lokale, dort hielten sich zahlreiche Gäste auf.

Bei dem von der Polizei erschossenen Terroristen soll sich laut österreichischen Behörden um einen inWien geborenen Islamisten mit albanisch-mazedonischen Wurzeln handeln. Das bestätigen deutsche Sicherheitskreise. Er soll Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gewesen sein. Der 20-jährige Kujtim F. war vorbestraft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, weil er versucht hatte, zur Terrormiliz IS zu reisen. Er kam allerdings nur in die Türkei und wurde dort festgenommen.

Die Polizei hatte in der Nacht die Wohnung des Mannes aufgebrochen und durchsucht. Sicherheitsexperten bezweifeln allerdings, dass der IS den Angriff in Wien organisiert hat. Die Terroristen hätten vermutlich im Geiste des IS gehandelt, aber ohne Auftrag, hieß es.

Die Terrormiliz sei derart geschwächt, dass ihr größere Anschläge kaum noch zuzutrauen seien. Dafür spreche auch, dass sich der IS entgegen früherer Gewohnheit bislang zu keinem der Anschläge der vergangenen Wochen bekannt habe. 

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In Frankreich hatte ein Islamist am 16. Oktober den Lehrer Samuel Paty enthauptet, am 29. Oktober tötete ein Terrorist in Nizza drei Menschen. Der IS schweigt jedoch. Auch der tödliche Angriff eines IS-Sympathisanten am 4. Oktober in Dresden wurde von der Terrormiliz nicht kommentiert.

Der Islamismus-Experte Guido Steinberg sagte vergangene Woche im Interview des Tagesspiegels, die fehlenden Bekennungen seien „ein Zeichen der Schwäche“. Der IS habe die meisten Propagandisten verloren.

Schnellfeuergewehre in Österreich leicht zu beschaffen

Die Täter in Wien schossen offenbar mit Schnellfeuergewehren um sich. Solche Waffen seien in Österreich leicht zu beschaffen, sagten deutsche Sicherheitskreise. „Das Land ist nah dran an den ehemaligen Kriegsgebieten auf dem Balkan“, betonte ein Experte, „da liegen immer noch zahlreiche Waffen herum“.

Als mögliches Motiv für den Anschlag in Wien nennen Sicherheitskreise die Mohammed-Karikaturen und den damit verknüpften Streit zwischen dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Erdogan hatte Macron und dem Westen Islamfeindlichkeit vorgeworfen. Der französische Präsident hatte die Mohammed-Karikaturen als Ausdruck von Meinungsfreiheit verteidigt.

Dafür wurde er von Erdogan wüst beschimpft. Die Attacke dürfte gewaltbereite Islamisten in Europa zum Losschlagen animieren, warnen deutschen Sicherheitskreise. Auch in Deutschland sei die Gefahr von „Resonanztaten“ hoch.

Europa auf Attacken schlecht vorbereitet

Bemängelt wird, dass Österreich, Deutschland und offenbar die EU insgesamt auf islamistische Angriffe schlecht vorbereitet sei. In Österreich sei der erschossene Attentäter offenbar als Extremist bekannt gewesen, hieß es.

Der Messerstecher in Dresden sei als Gefährder eingestuft worden, dennoch habe die Observation nach seiner Entlassung aus der Haft nicht funktioniert. Auch Frankreich schaffe es auch den schweren Angriffen der vergangenen Jahre nicht, der Radikalisierung junger Muslime vorzubeugen und das Anschlagsrisiko zu verringern.

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