Erster Schultag in Klassengruppen: Mecklenburg-Vorpommern macht den Anfang. Foto: Jens Büttner/dpa
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Update Alle 152.700 Schüler kehren zurück So läuft der Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern

Im ersten deutschen Bundesland ist regulär das neue Schuljahr gestartet. Wie die ersten Stunden funktioniert haben und was Schüler beachten müssen.

Als erstes Bundesland ist Mecklenburg-Vorpommern am Montag ins neue Schuljahr gestartet. Erstmals seit der coronabedingten Schulschließung Mitte März sollen alle 152.700 Schülerinnen und Schüler wieder täglich zur Schule gehen.

Um das Infektionsrisiko zu verringern, wurden die Schüler in feste Gruppen eingeteilt, die sich in der Schule nicht begegnen sollen. Innerhalb der Gruppen sind die Abstandsregeln aufgehoben. Die Gruppen umfassen bei den Kleineren die Klassenstufen eins bis vier – also komplette Grundschulen – und bei den Älteren jeweils zwei aufeinanderfolgende Klassenstufen. Im Schulbus sind jedoch alle zusammen. Dort gilt die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes.

Das Bildungsministerium garantiert jedem Grundschüler vier Stunden am Tag. In den weiterführenden Schulen sind es fünf Stunden. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) ist jedoch überzeugt, dass viele Schulen mehr Präsenzunterricht ermöglichen werden. Von den 13.000 Lehrern im Land fallen rund 400 für den Unterricht vor der Klasse aus, weil ihr Corona-Risiko zu hoch ist. Deshalb soll ein Teil des Unterrichts weiterhin als Fernunterricht gegeben werden.

Gut klappte der Start beispielsweise am Gymnasium Reutershagen in Rostock, wo mehr als 600 Schüler unterrichtet werden. „In den Fluren des Hauses herrscht Maskenpflicht“, sagte Schulleiter Jan Bonin. Schüler, die zum ersten Mal ins Gymnasium kamen oder solche, die ein wenig Unsicherheiten zeigten, wurden vor der Schule von Lehrern empfangen und erhielten Hilfe. Bonin zeigte sich davon überzeugt, einen regulären Unterricht anbieten zu können.

Mit Abstand die ersten Schüler – Mecklenburg-Vorpommern startet am Montag. Foto: Jens Büttner/dpa Vergrößern
Mit Abstand die ersten Schüler – Mecklenburg-Vorpommern startet am Montag. © Jens Büttner/dpa

Kein Pardon gab es dagegen für Schüler, die sich nicht an die Maskenpflicht hielten. Sie wurden aufgefordert, sofort den Schutz anzulegen. Allerdings wurden vor Schulbeginn Masken für diejenigen Schüler verteilt, die ihre vergessen hatten.

Eine generelle Maskenpflicht an Mecklenburg-Vorpommerns Schulen besteht zunächst nicht. Das könnte sich jedoch bald ändern. Bildungsministerin Martin kündigte am Montag an, dem Kabinett am Dienstag einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten zu wollen. Mecklenburg-Vorpommern habe immer noch die geringsten Infektionszahlen und so solle es auch bleiben, sagte sie: „Ich halte es für gut, wenn wir da auf Nummer sicher gehen.“

Bereits am Samstag hatte sich Martin optimistisch gezeigt, als sie die Einschulung an einer Grundschule in Mecklenburg-Vorpommern begleitete:

Bisher hätten die Gesundheitsexperten zwar nicht zu einer solchen Pflicht geraten, sagte die SPD-Politikerin. Sie halte es aber angesichts der bundesweiten Entwicklungen der vergangenen Tage für notwendig, darüber noch einmal zu sprechen. Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach sich für eine Maskenpflicht in den Schulgebäuden aus.

Mehrere Bundesländer wie Berlin, Bayern und Baden-Württemberg haben bereits angekündigt, im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht in Schulgebäuden einzuführen. Sie soll jedoch nicht im Unterricht gelten. Auch in Hamburg soll eine entsprechende Pflicht außerhalb des Unterrichts eingeführt werden, wie Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Montag sagte.

Lehrergewerkschaft hat gemischte Gefühle

Die Lehrergewerkschaft VBE hat beim Schulstart gemischte Gefühle. „Natürlich haben wir Lehrerinnen und Lehrer auch ein Bauchgrummeln, wenn wir an den Schulstart denken und parallel sehen, dass die Infektionszahlen wieder steigen“, erklärte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck.

„Und vor allem die Sorglosigkeit, die sich in der Gesellschaft anscheinend immer weiter breit macht, bereitet uns Sorgen.“ Auch bei konsequenter Einhaltung aller Hygieneregeln an den Schulen sei den Lehrkräften klar, „dass es nach und auch schon vor der Schule zu einer Vermischung der Gruppen kommen wird, die in den Schulen strikt getrennt werden“, sagte Blanck.

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Auch für Kinder auf schleswig-holsteinischen Inseln ging die Schule am Montag schon wieder los – eine Woche vor offiziellem Ende der Sommerferien in dem Bundesland. Rund 2000 Mädchen und Jungen hatten am Montag ganz offiziell ihren Schulstart, wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur in Kiel sagte. „Das ist immer so. Das ist ein Relikt aus uralten Zeiten.“

Die Vereinbarung hängt mit dem Tourismus auf den Inseln zusammen. Hintergrund ist, dass die Inseln Sylt, Amrum, Föhr, Helgoland, Pellworm und die Hallig-Inseln beliebtes Feriengebiet sind. Viele Menschen arbeiten im Tourismus. Die Kinder haben deshalb verkürzte Sommerferien und dürfen dann im weniger tourismusstarken Herbst drei statt zwei Wochen Ferien machen. Von der Regelung sind rund zwölf Schulen auf den Inseln betroffen.

In Hamburg folgt der Schulstart am Donnerstag. In der Woche darauf geht es in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und im übrigen Schleswig-Holstein los. (dpa, AFP, Tsp)

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