Entwicklungsminister Müller will, dass die deutsche Wirtschaft mehr in Afrika investiert - so wie VW mit seinem Werk im Südafrika. Foto: Michael Sheehan/dpa
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„AfricaConnect“ Entwicklungsminister Müller startet Investitions-Fonds für Afrika

In Afrika liegen die Zukunftsmärkte, ist Minister Müller überzeugt. Mit seinem Programm will er die bisherige „Subventionsmentalität“ ablösen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat am Dienstag den Startschuss für ein neues Förderprogramm für Privatinvestitionen in Afrika gegeben. Das Programm „AfricaConnect“ gehört zum sogenannten Entwicklungsinvestitionsfonds; es wird als erstes umgesetzt.

Müller sprach in Berlin vom Einstieg in eine afrikanische Mittelstandsförderung. Auf dem Kontinent lägen die Zukunftsmärkte. Auch auf europäischer Ebene müssten Investitionen in Afrika die bisherige „Subventionsmentalität“ ablösen.

Deutsche und europäische Unternehmen können sich über das neue Programm für ihre Projekte in Afrika um Kredite bewerben, wenn die Vorhaben vor Ort einen Mehrwert schaffen. Dazu zählt laut Ministerium etwa die Schaffung von Ausbildung, qualifizierten Arbeitsplätzen und neuen Perspektiven für junge Menschen. Möglich sind Darlehen zwischen 750.000 und vier Millionen Euro für drei bis sieben Jahre. Auch afrikanische Firmen können gefördert werden, wenn sie europäische Anteilseigner oder langfristige Verträge mit europäischen Partnern haben.

Nur ein Prozent der deutschen Investitionen geht nach Afrika

„Den Unternehmen, die in Afrika investieren wollen, fehlt heute oft die passende Finanzierung“, sagte Müller. Deshalb gehe aktuell nur ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen nach Afrika. Dabei lägen sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften auf dem Kontinent. Länder wie Äthiopien, Elfenbeinküste oder Ghana erzielten ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent. „Bei dieser Entwicklung sollte die deutsche Wirtschaft dabei sein.“

Wichtig sei nun, dass Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die nötigen Finanzmittel bereitstelle, forderte Müller. Nur so könne das Versprechen der Bundesregierung eingelöst werden, bis zu einer Milliarde Euro für mehr Investitionen des Mittelstands in Afrika zur Verfügung zu stellen.

Zwei weitere Teile des Fonds folgen im Laufe des Jahres

Neben „AfricaConnect“ sollen im Laufe des Jahres zwei weitere Teile des Entwicklungsinvestitionsfonds gestartet werden: „AfricaGrow“ für Wachstumskapital für kleine und mittlere Unternehmen in Afrika und das „Wirtschaftsnetzwerk Afrika“, das Angebote der Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit bündeln soll.

Die Entwicklungsexpertin der Linksfraktion im Bundestag, Eva-Maria Schreiber, warf Müller vor, leere Versprechen zu machen. „Weder ist sicher, dass der Entwicklungsminister die versprochene Milliarde Euro für den Fonds in den nächsten Jahren aufbringen wird, noch generiert dieses Geld automatisch einen entwicklungspolitischen Mehrwert.“ Vielmehr setze die Bundesregierung einen weiteren Schritt Richtung Privatisierung der Entwicklungszusammenarbeit.

Lob und Kritik kam von der FDP. Der entwicklungspolitische Sprecher Christoph Hoffmann erklärte, nur privates Kapital und private Investitionen könnten dauerhaft Jobs und Einkommen in Entwicklungsländern generieren. Notwendig seien jedoch niederschwellige, unbürokratische Fördermöglichkeiten und Vertrauen. Müller sagte zu der Kritik, dass bislang 100 Millionen Euro in diesem Jahr zum Anschub des Fonds fest eingeplant seien. Für das kommende Jahr liefen noch die Haushaltsverhandlungen. (KNA)

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