Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Neben dem Lüften zählen Abstand halten und Alltagsmasken tragen zu den Regeln in der Coronakrise. Foto: dpa
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Abstand, Hygiene, Alltagsmaske Wie gut schützen die AHA-Regeln wirklich vor einer Ansteckung?

Sinn und Zweck der AHA-Regeln ist es, die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass sich jemand infiziert. Kompletten Schutz aber gibt es nicht.

Ausgerechnet Jens Spahn. „Ich weiß, wie vorsichtig er selbst immer war. Das zeigt nur, wie hoch das Infektionsrisiko heute für jeden ist“, twitterte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

Damit drückte er das aus, was wohl viele Deutsche dachten, als sie von der Corona-Infektion des Gesundheitsministers hörten: Wenn einer wie Spahn sich ansteckt, kann es dann nicht jeden treffen?

Es gibt, auch wenn die Regeln „Abstand halten“, „Hygiene beachten“, „Alltagsmaske tragen“ konsequent umgesetzt werden, keinen kompletten Schutz. Das haben jene, die diese AHA-Regeln aufgestellt und teilweise gesetzlich verankert haben, auch nie behauptet.

Sinn und Zweck der AHA-Regeln ist es, die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand infiziert, deutlich zu senken. Dies soll ein einigermaßen normales öffentliches, privates und Arbeitsleben ermöglichen und verhindern, dass das Gesundheitssystem durch exponentiell steigende Zahlen von Erkrankten überlastet wird.

Wenn die AHA-Regeln wirklich eingehalten werden, funktioniert dies wahrscheinlich passabel. Niemand weiß es aber genau, da nicht nur zur Maske das Wort „Alltag“ gehört, sondern zur Gesamtsituation. Alltag ist komplex, und jeden Tag und an jedem Ort anders. Den Einfluss jedes einzelnen Faktors – etwa des realen Maskentragens – genau zu beziffern, ist unmöglich.

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Doch die AHA-Regeln sind insgesamt plausibel. Dafür spricht nicht nur, dass in Ländern, in denen die Bevölkerung und die Behörden sie konsequenter als etwa in Deutschland umsetzen, das Infektionsgeschehen auch deutlich besser unter Kontrolle ist, etwa in Taiwan. Sie stützen sich auch auf virologische und rein physikalische Daten.

Je größer der Abstand zu einer Personen, desto weniger konzentriert kommen von ihr abgegebene Viren bei der Nachbarperson an. Allein schon geringere Virenkonzentrationen, auch wenn sie deutlich über Null liegen, senken das Infektionsrisiko. Und sie können, selbst wenn eine Infektion trotzdem stattfindet, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei Sars-CoV-2 die Chance erhöhen, dass auf die Ansteckung ein milder oder symptomfreier Verlauf folgt.

Hygiene ist spielt eine geringere Rolle, ist aber trotzdem sinnvoll

Hygiene spielt wahrscheinlich eine geringere Rolle als anfangs vermutet, da die Schmierinfektion relativ zu Tröpfchen und Aerosolen ein weniger wichtiger Infektionsweg zu sein scheint. Sinnvoll ist sie trotzdem. Denn auch andere potenziell schwere Infektionskrankheiten wie etwa Influenza können damit nachweislich effektiv eingedämmt werden.

Alltagsmasken und der chirurgische Mund-Nasen-Schutz können – sofern korrekt enganliegend über Mund und Nase getragen – die von einer infizierten Person ausgehende Belastung der Umgebungsluft massiv senken. Sie bieten auch Trägern einen gewissen Schutz.

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Ebenfalls plausibel ist die Aufforderung, so viel und so intensiv wie möglich zu lüften. Auch hierdurch werden möglicherweise in der Luft vorhandene Erreger sehr effektiv verdünnt.

Ein paar weitere Aspekte sind in der Realität von Bedeutung:

1.) Wer den ganzen Tag mit anderen, wechselnden Menschen zu tun hat – ein Politiker in seinem Amtsalltag etwa – hat auch bei Einhaltung der Regeln ein höheres Risiko als etwa jemand, der nur alle zwei Tage unter Einhaltung der AHA-Regeln kurz in den Supermarkt geht.

2.) Die AHA-Regeln kann man als Einzelperson oft gar nicht real umsetzen – wenn andere in der unmittelbaren Umgebung sie ignorieren.

3.) Die Regeln werden im privaten Bereich kaum umgesetzt. Hier sind Ansteckungen immer möglich – auch wenn die in der Öffentlichkeit eingehaltenen AHA-Regeln auch hier indirekt das Risiko senken sollten. Und Ansteckungen im privaten Bereich bezeichnete der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag als derzeit vermutlich wichtigsten Treiber der Pandemie in Deutschland.

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