Ein Eisberg schwimmt vor der grönländischen Küste vorbei. Foto: Karl Petersen/Ritzau Scanpix/dpa
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Update Absage an Trump „Grönland ist nicht zu verkaufen“

Strategisch wichtig und voller Ressourcen: Präsident Trump will einem Bericht zufolge das autonome Gebiet Dänemarks kaufen. Dort kommt das Vorhaben nicht gut an.

US-Präsident Donald Trump hat seinen alten Job als Immobilienunternehmer offenbar nicht vergessen - und will einem Zeitungsbericht zufolge Grönland für die USA kaufen. Trump habe Berater gefragt, ob ein Ankauf der größten Insel der Welt durch die Vereinigten Staaten möglich sei, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise.

Aber was denkt man in Grönland über das mutmaßliche Begehren Trumps? Anruf im Büro von Charlotte Ludvigsen, frisch gewählte Bürgermeisterin der Großkommune Sermersooq im Südosten der Insel (auf Deutsch: „Wo man eine Kommune mit viel Eis hat“). Dort liegt auch die grönländische Hauptstadt Nuuk. Die 32-Jährige ist gerade in Urlaub, doch ihr Sprecher holt auch um acht Uhr Ortszeit gerne eine Stellungnahme ein, die er kurz darauf durchtelefoniert: „Es ist ein sehr schönes Gefühl, begehrt zu werden, und ich würde auch gerne enger mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, aber Grönland ist nicht zu verkaufen.“

Ludvigsens Sprecher ergänzt: „Die meisten hier sind ziemlich geschockt von Trumps Verhalten, sie wünschen ein lockereres Band zu Dänemark, vielleicht sogar eine Form der Unabhängigkeit. Die Grönländer sind nicht so scharf darauf, von einem Land absorbiert zu werden. Ich verstehe Trump natürlich, wegen der geopolitischen Lage und den Bodenschätzen. Unser Land hat ein großes Potenzial, wir würden es gerne behalten.“

Zuvor hatte es geheißen, der Präsident interessiere sich wegen der natürlichen Ressourcen und der geostrategischen Bedeutung für das nordöstlich von Kanada gelegene Grönland, hieß es weiter. Auf der Insel befindet sich auch US-Militärflugplatz Thule Air Base. Dem "Wall Street Journal" zufolge hielten einige Trump-Berater einen Kauf der Insel für vorteilhaft für die USA, andere hätten dies als Witz abgetan.

Trumps Idee ist nicht ganz neu: Einer seiner Vorgänger, Präsident Harry Truman, hatte bereits 1946 den Kauf von Grönland für 100 Millionen Dollar angeregt.

US-Regierung schweigt

Das Weiße Haus äußerte sich nicht zu dem Zeitungsbericht. Die dänische Botschaft in Washington war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der US-Präsident für Grundstücke im Ausland interessiert. In der Vergangenheit hatte er unter anderem geäußert, die "tollen Strände" von Nordkorea wären ein idealer Standort für Ferienwohnungen.

Trump, der sich derzeit in seinem Golfclub in Bedminster (New Jersey) aufhält, wird Anfang September erstmals in Dänemark erwartet. Es gibt keine Hinweise darauf, dass dabei über einen Grönland-Kauf gesprochen werden soll.

Eisberge vor der Küste Grönlands. Foto: imago Vergrößern
Eisberge vor der Küste Grönlands. © imago

Politiker in Dänemark reagierten mit Verwunderung und Kritik auf das angebliche Interesse von Trump. „Das muss ein Aprilscherz sein“, schrieb der ehemalige dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen auf Twitter. Die grönländische Abgeordnete Aaja Chemnitz Larsen twitterte am Freitag: „Nein danke zu Trumps Kaufplänen für Grönland!“ Vielmehr müsse eine bessere und gleichberechtigte Partnerschaft mit Dänemark zu einem stärkeren und unabhängigeren Grönland führen.

Nicht das erste Kaufangebot

Der außenpolitische Sprecher der dänischen Sozialliberalen, Martin Lidegaard, schrieb auf Twitter, bei der Kaufidee handele es sich hoffentlich um einen Witz. Andernfalls sei dies „ein schrecklicher Gedanke mit dem Risiko einer Militarisierung Grönlands“.

Grönland mit seinen rund 56.000 Einwohnern ist etwa sechsmal so groß wie Deutschland, ein Großteil der Fläche ist ständig von Eis bedeckt. Geografisch gesehen gehört die größte Insel der Welt zu Nordamerika, politisch aber zu Dänemark. Seit 1979 genießt sie weitgehende Autonomie innerhalb Dänemarks. 85 Prozent der Landmasse sind mit kilometerdickem Eis bedeckt. (mit Reuters, AFP, dpa)

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