Zum Festakt "50 Jahre Medico" werden Abu Brima aus Sierra Leone und Hadi Marifat aus Afghanistan wohl nicht kommen können. Foto: Imago
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50 Jahre Medico International Fehlende Visa: Hilfsorganisation muss ohne Experten feiern

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Ende Mai feiert Medico International in Berlin seinen 50. Geburtstag. Zwei Ehrengäste aus Afghanistan und Sierra Leone haben jedoch kein Visum bekommen.

Noch stehen sie in der Einladung für den großen Festakt am Samstag kommender Woche: Hadi Marifat aus Afghanistan und Abu Brima aus Sierra Leone sollen mitdiskutieren, wenn die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International in der Berliner Urania ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Doch die Teilnahme der beiden Experten ist inzwischen mehr als fraglich.

Gut eine Woche vor Beginn der Veranstaltung haben weder Marifat, Geschäftsführer der Organisation Afghanistan Human Rights and Democracy, noch Brima, Geschäftsführer des Netzwerks Movement for Justice and Development, das nötige Visum für die Reise nach Deutschland.

Wochenlange Bemühungen um die Einreiseerlaubnis sind gescheitert, wie der Geschäftsführer von Medico International, Thomas Gebauer, dem Tagesspiegel sagte. Das Auswärtige Amt ließ eine Anfrage zu den Vorgängen unbeantwortet.

Nach Darstellung von Medico International können die beiden Fachleute, die bereits mehrfach in Europa waren, bei den deutschen Botschaften in Kabul beziehungsweise Freetown kein Visum beantragen. Aufwändig für Marifat wäre die Reise ins indische Delhi - er müsste dort Antrag und Pass einreichen und bis zu neun Tage vor Ort verbleiben, um dann gegebenenfalls mit einer Ablehnung des Visumsantrags zurückkehren zu müssen. Brima müsste zur deutschen Botschaft in die ghanaische Hauptstadt Accra - Medico kalkuliert die dafür notwendigen Flug- und Aufenthaltskosten auf 2000 Euro.

Beide setzten deshalb auf Erteilung eines Schengen-Visums, bisher erfolglos. Marifat versuchte es bei der niederländischen Botschaft in Kabul. Die aber hat laut Medico erklärt, ohne ausdrückliche Erlaubnis ihres Außenministeriums ein solches Visum nicht ausstellen zu dürfen.

Im Fall Brima habe die französische Botschaft bereits abgelehnt. Die früher übliche Praxis sei verändert worden, erklärt die Hilfsorganisation. Ähnliche Erfahrungen habe man bereits in der Vergangenheit bei Gästen aus Sri Lanka, der Türkei und Pakistan gemacht.

"Arbeit von NGOs soll kontrolliert werden"

Auch andere Nichtregierungsorganisationen würden ähnliche Erfahrungen machen, heißt es weiter. Ebenfalls im Unterschied zu früher würden die deutschen Botschaften nicht mehr mit Medico kommunizieren, beklagt die Organisation. Die Verweigerung von Visa sei "Teil einer skandalösen Entwicklung, die wir seit längerem beobachten", erklärt Medico-Geschäftsführer Gebauer.

Gebauer erklärt sich das so: "Als Folge von Grenzsicherungsmaßnahmen, aber auch um die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen zu kontrollieren, werden Reisen von Projektpartnern zunehmend erschwert und unmöglich gemacht."

Betroffen seien sogar Partner, deren Arbeit aus Mitteln der Bundesregierung gefördert werde. "So wird auch die von der Politik gepriesene deutsche Weltoffenheit ad absurdum geführt", sagt der Medico-Geschäftsführer. "Die  Begegnungen von Menschen, die über die Grenzen hinweg für die Gestaltung menschenwürdiger Lebensbedingungen eintreten, werden geopfert."

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