Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Das norwegische Schiff "Ocean Viking", dass im Auftrag der französischen Hilfsorganisation "SOS Mediterranee" Flüchtlinge vor der libyschen Küste suchen soll. Foto: dpa/Anthony Jean/SOS Mediterranee
© dpa/Anthony Jean/SOS Mediterranee

180 Minderjährige auf dem Schiff „Ocean Viking“ sucht sicheren Hafen mit rund 570 Migranten an Bord

Seit Tagen rettet die „Ocean Viking“ Hunderte Migranten im Mittelmeer. Zuletzt wurden 370 Menschen von einem überfüllten Holzboot in Sicherheit gebracht.

Mit mehr als 570 geretteten Bootsmigranten an Bord sucht das Schiff „Ocean Viking“ der privaten Organisation SOS Mediterranee nach einem sicheren Hafen im Mittelmeer. Die in Seenot geratenen Menschen seien in den zurückliegenden fünf Tagen bei sechs Einsätzen in Sicherheit gebracht worden, teilte die Organisation am Dienstag mit. Die Crew habe die Rettungsaktionen in maltesischen und libyschen Gewässern durchgeführt.

Etwas mehr als 180 Menschen an Bord sind nach Angaben der Organisation Minderjährige. In ihrem zurückliegenden Einsatz retteten die Helfer knapp 370 Menschen von einem überfüllten Holzboot. Die freiwilligen Helfer appellieren laut ihrer Mitteilung nun an die EU, die Geretteten aufzunehmen.

[Mit der Tagesspiegel-App bekommen Sie die wichtigsten Nachrichten aus Berlin und Deutschland direkt auf Ihr iPhone. Hier gratis herunterladen.]

Keine der zuständigen Seefahrtsbehörden habe die Koordination für die Rettungseinsätze übernommen, lautete der Vorwurf. Die Crew sprach von „erschütternden“ Erlebnissen in den vergangenen Tagen.

Die „Ocean Viking“ ist derzeit das einzige Schiff einer privaten Seenotretter-Organisation, das im zentralen Mittelmeer operiert. Die übrigen Schiffe verschiedener Organisationen werden entweder in Italien von den Behörden festgehalten oder auf einen kommenden Einsatz vorbereitet.

Auch die libysche und tunesische Küstenwache nehmen immer wieder Menschen im zentralen Mittelmeer an Bord, bringen sich aber in die Länder zurück, aus denen sie aufgebrochen waren. Viele Organisationen kritisieren das mit der Begründung, dass den Geretteten zum Beispiel im Krisenland Libyen Gewalt drohe.

[Aktuell beliebt beim Tagesspiegel: Mandat statt Dissertation – Böll-Stiftung finanzierte Baerbocks Promotionsversuch mit mehr als 40.000 Euro]

In kleinen, meist überfüllten Booten machen sich Flüchtlinge immer wieder zur gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer Richtung EU auf. In Italien wurden mit Stand vom vergangenen Freitag knapp 21.000 angekommene Bootsmigranten gezählt. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es demnach etwas mehr als 7300.

Die Rettungsaktionen der Organisationen sind politisch umstritten. Kritiker meinen, dass vor allem die Schlepper daran verdienen und dass die Folge der Einsätze mehr Bootsmigranten und mehr Tote auf dieser Route seien. Hilfsorganisationen führen unter anderem an, dass das internationale Seerecht vorschreibe, gerettete Menschen so schnell wie möglich in den nächstgelegenen sicheren Hafen zu bringen. (dpa)

Zur Startseite