Abendliche Szenerie am See in Rheinsberg Foto: Uwe Hauth
© Uwe Hauth

Musikfestivals in Berlin und der Region Klang und Kulisse

Der Horizont so weit, in der Hand ein kühler Weißwein, die Ohren gespitzt: Landauf, landab bieten Musikfestspiele in diesem Jahr wieder pralles Programm. Ein kleiner Überblick.

Die wahre Schönheit des Berliner Umlands zeigt sich im Sommer. Der Horizont unendlich weit, blauer Himmel spannt sich über die Wälder, Seen und Schlösser und – hurra – es ist wieder Festspielzeit! Musik im Freien, in inspirierenden Spielstätten auf dem Land, in der Pause der unverzichtbare, sanft gekühlte Weißwein: So sieht Glück aus. Mit schöner Regelmäßigkeit auch in Potsdam, wo die wunderbare Blockflötistin und Barockspezialistin Dorothee Oberlinger als Leiterin der Musikfestspiele Sanssouci (10. bis 26.6, www.musikfestspiele-potsdam.de) wieder ein anregendes Programm ausgetüftelt hat.

In Potsdam dreht sich alles um Inseln

In diesem Jahr dreht sich in Potsdam alles um Inseln, was eine enorme Assoziationsfülle ermöglicht. So wird auch Musik aus der Schweiz, einer Insel in Europa, erklingen. Inseln spielen in der Musik eine große Rolle, Händel etwa war fasziniert von Frauenfiguren, gerne auch in Gestalt von Zauberinnen, die auf einsamen Eilanden residieren. Auf dem Alten Markt singen am 11. Juni Sophie Junker, Ann Hallenberg und Christophe Dumaux Arien aus „Alcina“ oder aus „Arianna a Nasso“ („Ariadne auf Naxos“) von Niccolò Porpora. Oberlinger selbst leitet ihr Ensemble 1700 bei einer Ausgrabung im wiedereröffneten Schlosstheater im Neuen Palais: einer konzertanten Aufführung von „I portentosi effetti della Madre Natura“ („Die wundersamen Effekte von Mutter Natur“) von Giuseppe Scarlatti. Am 18. Juni führt das Huelgas Ensemble in der Friedenskirche Musik auf, die im Spätmittelalter im Umfeld von Notre-Dame entstand – eine Kathedrale, die bekanntlich auch auf einer Insel liegt.

Auf festem Land gegründet steht hingegen seit Jahrhunderten das Kloster Chorin im Nordosten Berlins. Doch da es sich um eine restaurierte Ruine handelt und Fensterglasscheiben fehlen, hört man Musik hier quasi zugleich drinnen und draußen. Ende Juni eröffnet der 59. Choriner Musiksommer (25.6. bis 28.8., www.choriner-musiksommer.de) mit dem Orchester des Staatstheaters Cottbus und einer selten aufgeführten Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy: „Das Märchen von der schönen Melusine“, eine stimmungsreiche Tonmalerei, die die Geschichte von der Meerjungfrau erzählt, die sich in einen menschlichen Prinzen verliebt. Bis 28. August werden verschiedene Berliner Orchester, der Dresdener Kreuzchor, das Staatsorchester Frankfurt (Oder) und die Stettiner Philharmonie in Chorin gastieren.

In Rheinsberg werden Frauen entführt und verkauft

Einer der bezauberndsten Orte im brandenburgischen Sommer ist zweifellos das kleine Städtchen Rheinsberg, wo die Abendsonne fast kitschig über dem See steht und das Schloss in hellgelbes Licht taucht. Eine schöne Geste, dass die Kammeroper (25.6. bis 28.8., kammeroper-schloss-rheinsberg.de) ihre Saison am 29. Mai mit einem Präludium, einem „Abend für Siegfried Matthus“ eröffnet. Der Festivalgründer, der im August 2021 gestorben ist, war im Zorn geschieden. Denn Brandenburgs Kulturministerium hatte die Fusion der Kammeroper mit der ebenfalls in Rheinsberg angesiedelten Musikakademie erzwungen und mit Georg Quander (der Mozarts „Entführung aus dem Serail“ inszenieren wird, Premiere 9. Juli) eine neue Leitung installiert. Erfreulich, dass der Sohn von Siegfried Matthus, Frank Matthus, der das Festival selbst einige Jahre geleitet hat, als Regisseur von Bedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ mit an Bord ist (30. Juli.)

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Die zahlreichen kleinen Ortschaften in der wasserreichen Region westlich von Berlin erkunden kann man bei den Havelländischen Musikfestspielen (bis 18.12., www.havellaendische-musikfestspiele.de), die an Spielstätten stattfinden wie Burg Ziesar, den Schlössern Klessen und Ribbeck, Funkamt Nauen oder der Schinkelkirche in Petzow. Ein Schwerpunkt des Programms ist E.T.A. Hoffmann, dessen Todestag sich am 25. Juni zum 200. Mal jährt. Klar, Hoffmann war in erster Linie Dichter, doch hat er auch komponiert – und eine frühe, bis heute bemerkenswerte Rezension von Beethovens 5. Symphonie geschrieben. Außerdem wurde er selbst zur Inspirations- und Titelfigur einer großen Oper: „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach. Auf dem Landgut Stober werden Elisabeth Richter-Kubbutat und Anna Fitzenreiter (Harfe) Hofmanns Kriminalgeschichte vom „Fräulein von Scuderi“ nacherzählen (26. Mai), das Havelland Ensemble präsentiert auf Schloss Reckahn mystische Klänge und Schriften von Hoffmann und seinen Zeitgenossen (4. September).

Damit noch lange nicht genug. Auch die Brandenburgischen Sommerkonzerte (28.5. bis 17.9., www.brandenburgische-sommerkonzerte.org) laden wieder ein, selten besuchte Orte wie die Kirche St. Nikolai in Luckau zu entdecken, wo Pianist Martin Helmchen Mozart spielt (28. Mai). Und wer den Blick über Brandenburg hinaus weiten möchte, etwa bis nach Frankreich, der fährt zum Gartenreichsommer nach Dessau-Wörlitz (bis 11.9., www.anhaltisches-theater.de/gartenreichsommer). Das Anhaltische Theater führt dort ab 12. Juni Molières Komödie „Der Bürger als Edelmann“ auf, die Musik stammt vom Versailler Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully.

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