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Mundpropaganda - Das Genuss-Interview "Nichts macht mir so schlechte Laune wie schlechtes Essen"

Eine Portion Maßlosigkeit ist eine schöne Eigenschaft, sagt die Autorin Anika Decker - und bekennt sich zur Genusssucht

Die Autorin und Regisseurin Anika Decker ist unter anderem bekannt für ihr Drehbuch zu Til Schweigers Filmkomödie „Keinohrhasen“. Ihr Regiedebüt gab sie mit dem Kinofilm „Traumfrauen“. Mit ihrem Bruder Jan leitet sie die Produktionsfirma „Decker Bros.“ und setzt sich mit der Initiative „Kontrakt 18“ für die Rechte von Drehbuchautorinnen ein. Ende Juli erscheint bei Ullstein ihr Roman: „Wir von der anderen Seite“.

Frau Decker, Ihre Drehbücher stehen für Humor, Ihre Protagonistinnen sind selbstbewusst und gewitzt. In Ihrem aktuellen Roman geht es jetzt um eine Frau, die aus dem Koma erwacht. Schwerer Stoff?

Nein, das passt für mich wunderbar zusammen. Ich benutze in meinen Geschichten gern Extremsituationen, heftiger Liebeskummer und Identitätskrisen zählen ja auch dazu. Krankheit ist da wohl die dramatischte. Die Hauptfigur im Buch lernt viel, manches in ihrem Leben erhält einen neuen Stellenwert, anderes wird scheißegal. Das Ganze lebt durch und durch vom Humor, anders geht es gar nicht. Ich war selbst mal lange krank, viele Monate im Krankenhaus. Nirgends hat man Humor so bitter nötig wie dort. Die wertvollsten Momente waren, jeden Tag zu lachen.

Heißt das für Sie auch, das Leben leicht zu nehmen?

Nein, ich bin viel zu neurotisch. Aber ich gestatte mir eine abgezirkelte Leichtigkeit. Die hat nichts mit Doofheit zu tun. Es geht einfach um Lebensfreude darum, dass man mal einen Moment lang in die Sonne gucken darf. So schafft man es, neue Prioritäten zu setzen, sich nicht ständig über Lapidares zu ärgern. Um auf das Buch zurückzukommen: Eigentlich ist es eine Liebeserklärung an das Leben.

Zur Lebensfreude gehört Genuss…

Oh, ich bin sehr genusssüchtig! Ich glaube, viele Kreative, besonders Autoren, haben eine gewisse Portion Maßlosigkeit in sich. Eigentlich ja eine schöne Eigenschaft…

 

 Die sich bei Ihnen wie äußert?

Zum Beispiel morgens um drei in eine andere Stadt zu fahren, weil es gerade eine gute Idee zu sein scheint, dort drei Freunde zu treffen. Völlig schwachsinnig. Ich versuche, solche Anfälle zu reduzieren.

 

Wie äußert sich Lebensfreude kulinarisch?

Ich freue mich über jede gute Mahlzeit. Nichts macht mir so schlechte Laune wie schlechtes Essen. Perfekt zubereitete, einfache Penne arrabiata sind mir lieber als schnell ein mittelmäßiges Brötchen reinzuschieben.
Ich probiere wahnsinnig gerne neue Restaurants aus.

Dann verraten Sie uns Ihre Lieblingsadressen?

Ich suche meine Restaurants danach aus, ob gute Zutaten verwendet werden, und ich mag es nicht, wenn es laut ist. Das strengt mich an. Natürlich gehe ich – wie die meisten Schauspieler auch – gerne ins „Grill Royal“. Dort haben sie schöne Sessel, alles wirkt wie gedämpft. Der Blick aufs Wasser… Und es ist ein bisschen wie im Zoo: Sehen und gesehen werden. Man guckt sich um und trifft ständig Freunde. Ich liebe das Bio-Steak dort. Und auch das Risotto. Vorzüglich ist auch das
„3 Minutes sur Mer“, das zum „Bandol sur Mer“ gehört. Das Essen ist sehr gut, und die lockere Bistro-Atmosphäre gefällt mir. Da finde ich immer was auf der Tageskarte.

Nach der Arbeit geht’s am liebsten wohin?

Heute direkt ins „Ovest“. Mein liebster Italiener! Der hat im KaDeWe übrigens auch einen kleinen Stand mit Pizza. Pasta liebe ich so sehr, ich könnte sie als Vor- und Hauptspeise essen. Für meinen Bruder gibt es dort vom Chef zum Beispiel immer Mini-Mini-Schnitzel mit Pilzen. Das „Ovest“ macht sonst kein Catering, aber zu meinem 40. Geburtstag kam der Wirt mit zwei Kellnern in meine Wohnung und kochte extra für mich – unglaublich! Ich werde nie vergessen, Iris Berben stand mit mir barfuß im Flur, und wir haben die noch warme Pfanne abgefangen.

Also mögen Sie auch mal schnelles Essen frisch auf die Hand?

Ja, gutes Fast Food durchaus. „Shiso Burger“ etwa hat tolle vegetarische Burger – ich versuche ja, wenig Fleisch zu essen. Wahnsinnig gern gehe ich ins „Dudu“. An einem Schreibtag ist mein Kiez ohnehin Mitte. Aber mein neuer Plan ist es, Wedding zu erobern. Eine Freundin wohnt da, und demnächst planen wir eine kulinarische Wedding-Tour. Ich kann zum Beispiel das „Mars“ im alten Krematorium empfehlen, das hat so einen kleinen, verwunschenen Garten.

Wie steht es mit Süßem?

Patisserie? Ja, gerne. „Les Pâtisseries de Sébastien“ zum Beispiel gehört einem tollen französischen Konditor. Da gibt es bestes Baguette und Kuchen. Das „Barcomi‘s“ hat die tollsten Cupcakes. Und „Pasam Baklava“, da darf ich gar nicht in die Nähe kommen. Und im „Adana Grillhaus“ gibt es tollen türkischen Nachtisch – mit Käse und Honig! Süß oder deftig, ich liebe die türkische Küche.

Ihre Lieblingsbar?

Schwierig, so was fehlt eigentlich in Mitte. Ich benutze da meist das „Grill Royal“ und trinke dort am liebsten den Wodka Soda mit viel Zitrone. Champagner mag ich auch gern, obwohl ich davon am nächsten Tag immer rasende Kopfschmerzen habe. Hatte bisher leider keinen pädagogischen Effekt.

Welchen Ort wählen Sie für Geschäftsessen?

Für was Geheimes: mein Zuhause. Für alles andere: „Borchardt“, „Grill Royal“ oder „Ovest“. Tagsüber das „Barcomi’s“. Und – vor allem tagsüber – das „Dudu“. Da hat man seine Ruhe, und die meisten Menschen mögen ja leichte asiatische Küche.

 

Adressen:

Grill Royal, Friedrichstr. 105b; 3 Minutes sur Mer, Torstr. 167; Dudu, Torstr. 134, alle Mitte. Ovest, Schlüterstr. 47; Shiso Burger, Kantstr. 51, beide Charlottenburg; Mars, Gerichtstr. 35 (Seiteneingang), Wedding; Les Pâtisseries de Sébastien, Invalidenstr. 157; Barcomi’s, Sophienstr. 21, Borchardt, Französische Str. 47, alle Mitte; „Adana Grillhaus“, Manteuffelstr. 86, Kreuzberg; Pasam Baklava, Goebenstr. 12A, Schöneberg

 

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

 

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