Der Becher fürs Büro und die Teller für die Sonntagstorte werden in der Meissen-Ausstellung in Berlin gezeigt. Foto: Grit Thönnissen
© Grit Thönnissen

Porzellan-Ausstellung von Meissen Weißes Gold aus Meissen

In der Ausstellung der Porzellanmanufaktur Meissen in der St.Elisabeth-Kirche, geht es nicht darum, die Asche anzubeten, sondern den Neuanfang zu präsentieren.

In der Mitte des Kirchensaals der Elisabethkirche steht ein Gefäß im Wert einer kleinen Berliner Eigentumswohnung. Man sollte sich also nicht die Frage stellen, wo man diese fast mannshohe und bunt verzierte Vase in den eigenen Wänden hinstellt, sondern ob man sie statt einer Wohnung besitzen will. Bemalt würde es von 35 Spezialisten, die in Meisen als Porzellanmaler arbeiten. Jeder von ihnen kann etwas Bestimmtes besonders gut: Blättermalen, ein bestimmtes Zwiebel- oder Blütenmuster zeichnen.

Aber eh sich jetzt jemand ernsthaft mit dem Gedanken trägt, sein Eigenheim gegen die Vase einzutauschen – das Einzelstück ist leider schon verkauft. Aber hier werden noch mehr Kunstwerke der der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen ausgestellt: Der kleine Affe auf einem Stapel Teller, die vielen Figuren und ganze Szenen, dazu dann auch Becher- nicht unbedingt, dass sind, was man mit Meisen verbindet. Sie sollen ein Einstiegsprodukt für eine jüngere Generation sein, für den Gebrauch im Büro. Natürlich ist auch der Sonntagsbraten immer noch ein mehr als guter Anlass, mit Meissen den Tisch zu decken, aber sie wollen rein in den Alltag der Menschen, sagt Tillmann Blaschke, Geschäftsführer der Porzellan-Manufaktur.

Die zwei neuen Artdirektoren Jörg Ehrlich und Otto Drögsler haben die Ausstellung kuratiert und wollen in Berlin den Neuanfang zeigen. Eigentlich kommen die beiden Designer aus der Mode, ihr Label Odeeh ist inzwischen fester Bestandteil der Berliner Fashion Week.

Alte Teller, neue Teller. Jörg Ehrlich und Otto Drögsler kümmern sich bei Meissen um beides. Foto: promo Vergrößern
Alte Teller, neue Teller. Jörg Ehrlich und Otto Drögsler kümmern sich bei Meissen um beides. © promo

Zwei Tage in der Woche verbringen Drögsler und Ehrlich seit gut anderthalb Jahren in Meißen.

Um den gut gedeckten Tisch geht es in dieser Ausstellung nicht, das wird den Läden überlassen, wo eine gut gedeckte Tafel ein wichtiges Kaufargument ist. „Viele Kunden wollen es genauso kaufen, wie wir es dekoriert haben“, sagt der Leiter der Abteilung Tisch und Tafel. Aber in Berlin geht es um etwas anders, hier soll die ganze Opulenz gezeigt werden, die Meissen zu bieten hat. Die Malerei ist ein wichtiges Kennzeichen, auch wenn sie weiß können, wie sie in der Villa Elisabeth gleich nebenan beweisen, hier gibt es nur weißes Porzellan zu bestaunen.

In der Manufaktur Meissen hat man viel vor: „Wir wollen nicht der Asche huldigen, sondern das Feuer neu entfachen“, sagt Tillmann Blaschke.  Ach, was für ein schöner Satz, der könnte direkt aus der Webeabteilung sein. Aber so wie die beiden Artdirektoren dazu nicken, ist das wohl tatsächlich ihre Jobbeschreibung. Sie sind, wie man das auch in der Mode macht, in die Archive hinuntergestiegen, um ein paar Schätze zu heben. Längst haben sie nicht alles entdeckt. Die älteste Form ist von 1730. insgesamt lagern so viele davon in Meißen, dass man damit sieben Fußballfelder bedecken könnte.

 

Am Sonntag, 21.10.18 ist die Meissen-Ausstellung von 10 bis 18 Uhr geöffnet. St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 4a in Mitte.

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